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Der Rekordsommer machte den Landwirten der Region zu schaffen

Hitzewelle : Für Zuckerrüben war’s zu trocken

Landwirte klagen nach dem heißen Sommer über Ernteeinbußen, rechnen aber nicht mit staatlichen Hilfen. Der Traarer Arno van Rickelen spricht über sein Erntejahr.

Krefelds Landwirte sind diesen Sommer noch mit einem blauen Auge davongekommen. Vertrocknete Wiesen, extrem wenig Wasser für Zuckerrüben, hohe Kosten, um Obst und Gemüse zu beregnen – leicht war und ist es für einige Betriebe zwar nicht. Nach der ersten Einschätzung von Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer, sind sie aber nicht in existenzieller Not. Daher werde wohl auch nur höchstens ein kleiner Teil der beschlossenen Hilfsgelder von Bund und Land in die Region fließen. Mehr sagen kann er dazu noch nicht, die konkreten Voraussetzungen werden  noch ausgehandelt.

Betriebe haben ihre
Daten gesendet

Ausgewählte repräsentative Betriebe aus Nordrhein-Westfalen haben ihre Daten angegeben, damit sich die Regierung zunächst ein umfassendes Bild der Lage machen kann. Andere Gegenden in Deutschland, besonders der Norden und der Osten, hatten wesentlich größere Probleme als der Westen.

Arno van Rickelen zählt sich zu den Landwirten, die das Jahr 2018 als ein schlechtes Jahr noch gut wegstecken. Er baut in Traar auf rund 100 Hektar vor allem Getreide und Zuckerrüben an, der Rest ist Kleegras und Grasland für seine 44 Pensionspferde. Eigentlich verkauft er das, was er selbst nicht an die Tiere verfüttert, weiter. Das fällt dieses Jahr flach. Nach der ersten Mahd im Juni und Juli ging nichts mehr, das Gras ist ihm vertrocknet und beregnen ist für ihn zu teuer.

Heu ist stark gefragt und kostet jetzt deutlich mehr – Rickelen muss auf die Einnahmen verzichten, ist allerdings froh, dass er seine Tiere noch selbst versorgen kann, das Futter nicht von weit her besorgen muss. „Heu ist gefragt, die Preise haben sich verdoppelt“, sagt er. Milchvieh-Betriebe und reine Futteranbau-Betriebe sind daher mit am stärksten betroffen, hat auch Bernhard Rüb beobachtet. Obst- und Gemüsebauern mussten dieses Jahr viel Geld fürs Beregnen ausgeben. Betroffen ist davon unter anderem die Kartoffelernte. Arno van Rickelen kann seine Zuckerrüben gar nicht beregnen – er hat keine entsprechende Anlage. „Das lohnt nicht. Ich kann stattdessen die Ernte herauszögern von Anfang Oktober bis Anfang Januar“, erklärt er. Dennoch rechnet er mit Einbußen von bis zu 30 Prozent. Ein schlechtes Jahr – aber über viele Jahre gerechnet verkraftbar. Glück hatte er hingegen beim Getreide.

Abwechslung auf
den Feldern sorgt für Sicherheit

Die starken Gewitter Ende Mai und Anfang Juni haben ihn gerettet, für genug Wasser gesorgt. Die erste Jahreshälfte war für ihn daher durchaus in Ordnung. Das gesamte Getreide-Jahr fällt zum jetzigen Zeitpunkt in seinem Betrieb daher sogar noch durchschnittlich aus. Rüb spricht für die Region insgesamt sogar von einem recht guten Jahr, zumindest im Vergleich zu 2017. Van Rickelen setzt beim Anbau auf viel Abwechslung.

Da van Rickelen mehrgleisig fährt, kann er schlecht laufende Bereiche Jahr für Jahr ausgleichen. Für ihn ist 2018 insgesamt nur ein finanziell unterdurchschnittliches Jahr – wie es aber auch beim anderen Extrem mit einem sehr regenreichen Sommer passieren kann. Auf Abwechslung, teils allein schon bedingt durch die notwendige Fruchtfolge auf den Feldern, setzt er daher auch in Zukunft. Jede Pflanze brauche etwas anderes zu anderen Zeiten des Jahresbezogen auf Regen und Sonne.

Wie sich das Wetter in den nächsten Jahren dauerhaft entwickelt, das will er daher auch erst einmal abwarten. Der letzte große Ausreißer war für ihn in den 1970ern. Selbst wenn sich die Abstände verringern, extreme Sommer häufiger werden: Einzelne extreme Jahre lassen sich über Jahrzehnte gerechnet noch gut ausgleichen, sagt er.