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Der „Krefelder Jazzherbst“ startete beeindruckend mit dem Florian Weber Quartett.

Musik : Schöne Melodien treffen auf komplexe Arrangements

Der „Krefelder Jazzherbst“ startete beeindruckend mit dem Florian-Weber-Quartett.

Das war ein imponierender Auftakt. Der Pianist Florian Weber und sein Quartett eröffneten die Reihe „Krefelder Jazzherbst“ des Jazzklubs im Foyer des Stadttheaters. Die Musiker spielten überwiegend Stücke von Webers Album „Lucent Waters“, das bereits im vergangenen Jahr erschienen ist, aber mit einer ganz anderen Besetzung aufgenommen wurde. Nach Krefeld kam Weber mit einer frisch zusammengestellten Band, die die hoch komplexen Stücke am Nachmittag vor dem Konzert zum ersten Mal proben konnte.

Weber ist ein Virtuose mit einem Faible für verschachtelte Strukturen, vertrackte Metren und vielschichtige Arrangements. Die stellten offenbar für den Niederländer Eric Vloiemans an der Trompete, den Franzosen Michel Benita am Kontrabass und den in Italien lebenden mexikanischen Schlagzeuger Israel Varela kein Problem dar. Zwar hat Weber mit jedem dieser Musiker schon in anderen Kontexten gespielt, dass sich das Quartett aber hier aus dem Stand wie aus einem Guss präsentierte, ist trotzdem bemerkenswert.

Für ein Stück nach der Pause verriet Weber im Nachhinein: „Das war ein 5/4- und ein 4/4-Takt gleichzeitig.“ Nun, der Rezensent muss hier zugeben, bis zum 5/4-Takt hatte er sich durchgezählt, die Überlagerung mit dem 4/4-Takt ist ihm verborgen geblieben.

Nach dem Prinzip der Collage komponierte Langformen, zusammengesetzte Metren, Polyrhythmik, ständiger Wechsel zwischen gebundener Rhythmik und Rubato – Webers Musik enthält viele solcher Elemente, das konnte man bei seinen zahlreichen Konzerten in Krefeld immer wieder erleben.

Aber wieder gelang ihm und seiner aktuellen Besetzung, seine Musik an diesen Klippen vorbei für das Publikum zu öffnen: mit einem großen Reichtum an melodischen Einfällen, mit einem beeindruckend druckvollen Zusammenspiel und mit der individuellen Ausdrucksstärke der einzelnen Akteure, deren unterschiedliche Stärken sich perfekt ergänzten.

So glänzte Webers klassisch geschultes Spiel mit perlenden Läufen, variablem Anschlag und einer großen Dynamikbandbreite nicht selten in neoromantisch anmutender Weise, während der nicht minder virtuose Vloiemans etwa mit gezogenen Tönen und Growl-Effekten etwas mehr Jazzfeeling in seine Improvisationen brachte.

Und Benita gab den komplexen Rhythmen mit schweren Akzenten seines ausgesprochen warm klingenden Kontrabasses ein Gerüst, das Schlagzeuger Varela mit leichtfüßig dahinfließenden Figuren brillant umspielte.

Begeisterter Applaus des wie immer sehr aufmerksamen Krefelder Jazzpublikums, das sich eine Zugabe erklatschte.