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Krefeld: Der Juli im Zeichen der Bücher

Krefeld : Der Juli im Zeichen der Bücher

Der „Literarische Sommer“ geht in die nächste Runde: An vier Terminen lesen Autoren spannende Auszüge aus ihren Romanen vor.

Krefeld. Für Literaturfreunde ist der Sommer die schönste Jahreszeit. Denn von Juli bis Anfang September findet jährlich das deutsch-niederländische Festival „Literarischer Sommer“ statt. Bei der jetzt 18. Ausgabe sind sechs deutsche und fünf niederländische Städte beteiligt. Krefeld, das von Anfang an dabei war, ist mit vier von insgesamt fast 40 Veranstaltungen daran beteiligt.

Das Programm stellten Mediothekschefin Evelyn Buchholtz und Anette Ostrowski, Leiterin des Niederrheinischen Literaturhauses, jetzt vor. Die vier Autoren und ihre Bücher, die im Juli in Krefeld zu erleben sein werden, sind alles Wunschkandidaten der beiden Literaturexpertinnen. „Der Schwerpunkt Niederlande auf der Frankfurter Buchmesse war hilfreich“, sagt Buchholtz über die Auswahl. Auf diese Weise sind mehr deutsche Übersetzungen niederländischer Autoren auf den Markt gekommen als sonst. Außerdem habe man auf der Messe manchen Autor schon vorab kennenlernen können.

Bei den jüngeren niederländischen Autoren ist es nicht mehr selbstverständlich, dass sie Deutsch können, was aber für die Lesungen hier Voraussetzung ist. Keine Sprachbarriere dürfte es bei dem ersten Autor geben, der zum Auftakt am 6. Juli lesen wird. Der aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler Günther Maria Halmer hat unter dem Titel „Fliegen kann jeder“ seine Biografie verfasst.

Wie bereits der Untertitel „Ansichten eines Widerborstigen“ verrät, handelt es sich dabei nicht um die üblichen Schauspielererinnerungen. „Es ist eine reflektierte Beschreibung von dem, was er erlebt hat“, sagt Ostrowski. In einer klaren Sprache mit kurzen Sätzen, erzählt Halmer von seiner schwierigen Jugend, die er in ständigem Konflikt mit Autoritäten erlebt hat.

Nach einigen Umwegen hat der Schauspieler erst am Theater seine Erfüllung gefunden, allerdings sei Anpassung bis heute nicht seine Sache, so Ostrowski. Die philosophischen Gedanken, die Melancholie, die wieder in Heiterkeit umschlägt, haben sie als Leserin nachhaltig beeindruckt: „Man empfindet Empathie für ein holpriges Leben.“ Passend zum Titel ist das Restaurant auf dem Flugplatz Egelsberg als Ort der Lesung gewählt.

Die zweite Lesung führt am 13. Juli ins Kaiser-Wilhelm-Museum. Um eine junge Künstlerin und um den Kunstbetrieb allgemein geht es im Roman „Die Konsequenzen“ von Nina Weijers. Die ungewöhnliche Kindheit der Heldin Minnie Panis mündet in ein Leben für die Kunst, das zugleich zu einer Gratwanderung zwischen Leben und Tod wird. Um ihr Leben genau zu dokumentieren, lässt sie sich mit einem Fotografen auf ein ungewöhnliches Projekt ein. „Es geht auch um eine kritische Haltung zum Kunstbetrieb und der Distanz dazu“, sagt Buchholtz.

Nur vordergründig eine Liebesgeschichte ist das Buch „Das Rauschen in unseren Köpfen“ von Svenja Gräfen. Die junge, in Berlin lebende Autorin wird am 18. Juli in der Fabrik Heeder lesen. Die Begegnung von Lene mit Henrik wird zu einem „großartigen Psychogramm zweier sehr unterschiedlicher Charaktere“ erzählt Ostrowski.

Zu der Besessenheit, mit der beide aneinander hängen, kommt mit Henriks manisch-depressiver Exfreundin ein weiterer Störfaktor ins Spiel. Sprachlich und im Aufbau interessant halte der Roman bis zum Schluss seinen Spannungsbogen, so Ostrowski.

Um die negativen Auswüchse der menschlichen Psyche geht es bei der letzten Lesung am 27. Juli in der Mediothek. Das Szenario von Jaap Robbens preisgekrönten Debütroman „Birk“ ist ziemlich bedrückend. „Ich wollte das Buch anfangs gar nicht lesen“ erzählt Buchholtz. Doch dann hat sie die Geschichte von drei Menschen, die auf einer abgelegenen Insel leben, zunehmend gepackt: „Beklemmend, aber absolut lesenswert“, lautet das Urteil der Fachfrau.

Zu allen Veranstaltungen kann man sich ab sofort anmelden und sollte dies wegen der begrenzten Platzkapazitäten auch unbedingt tun. Das ganze Programm des Festivals ist im Internet zu finden und liegt als gedrucktes Heft an vielen Stellen, wie der Mediothek, aus.