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Der gebürtige Krefelder Lukas Orda wird seit Schiffsunglück vermisst

Schiffsunglück : „Nehmt die Suche nach den Jungs wieder auf“

Der gebürtige Krefelder Lukas Orda war Tierarzt auf einem vor Japan gekenterten Frachtschiff. Seitdem wird er vermisst.

Viele Krefelder kennen ihn noch, weil er ihnen geholfen hat – als niedergelassener Arzt in Uerdingen. Bis er vor zwölf Jahren mit seiner Familie nach Australien auswanderte, seither aber immer wieder seine alte Heimat besucht. Jetzt steht Ulrich Orda mit seiner Frau Sabine vor Mikrofonen des australischen Fernsehens. Immer wieder muss er ein Schluchzen unterdrücken, als er seinen Appell verliest. Er sei am Boden zerstört, dass die Suche nach den Schiffbrüchigen abgebrochen wurde, sagt er. Sein Aufruf an die australische Bevölkerung: Unterstützen Sie unsere Bitte, die Suche wieder aufzunehmen. „Bitte bringt sie alle nach Hause“, fleht er. Dann liegen sich die Ordas weinend in den Armen.

Nur drei Besatzungsmitglieder wurden gefunden

Ulrich und Sabine Orda bangen um das Leben ihres Sohnes Lukas. Sie wissen nicht, ob er noch lebt, aber man dürfe nicht aufgeben, nach den Vermissten zu suchen, fordern sie. Ihr Sohn ist Tierarzt. In dieser Funktion war der 25-jährige gebürtige Krefelder auf dem Lebendvieh-Frachter „Gulf Livestock 1“. Das Schiff war am 2. September mit 43 Besatzungsmitgliedern und knapp 6000 Rindern, die von Neuseeland nach China gebracht werden sollten, vor Japan in einen Taifun geraten und gekentert. Gefunden wurden bisher nur drei Personen, zwei davon lebend, einer verstarb im Krankenhaus. Auch wurden Tierkadaver gesichtet. Allerdings sind noch keine Leichen der verbliebenen 40 Mann gefunden worden. Ebenso wenig wie eines der Rettungsboote oder die vier  Rettungsinseln.

Jens Orda ist der ältere Bruder des vermissten Lukas. Der 31-jährige Krefelder steht in ständigem Kontakt mit seinen Eltern und seinen Geschwistern. So viel wie irgend möglich will die Familie die Öffentlichkeit mobilisieren. Sein Bruder Tobias Orda hat auf „change.org“ eine Onlinepetition gestartet, die die Behörden zur Wiederaufnahme der abgebrochenen Suche nach den Vermissten auffordert. Knapp 26 000 Menschen hatten bis Freitagnachmittag die Petition mit der Überschrift „Bitte bringt unsere Jungs nachhause“  unterstützt.

Jens Orda hofft, dass sein kleiner Bruder und auch andere Besatzungsmitglieder es in eines der wetterfesten Rettungsboote geschafft haben. „Einer der Überlebenden hat berichtet, dass sich die Mannschaft des Schiffes kurz vor dessen Kentern in Schwimmwesten auf der Brücke des 130 Meter langen Schiffes versammelt und es vielleicht in das Rettungsboot geschafft hat.“ Dort wären dann auch Lebensmittel, die ein Überleben für viele Tage oder Wochen ermöglichen würden. „Ich bin sehr dankbar, dass sich die japanische Küstenwache so bei der Suche engagiert hat“, sagt Jens Orda. Doch er appelliere, dass die praktisch eingestellte Suche nicht nur auf den teils unbewohnten Inseln in der Gegend, sondern auch auf offener See fortgesetzt werde. Dorthin könnten die Schiffbrüchigen nach einem weiteren Taifun getrieben worden sein. Auch könne das Auffinden des Wracks Aufschluss darüber geben, ob das noch vermisste Rettungsboot vielleicht noch an dem Wrack hängt. Das würde dann eine, freilich traurige, Gewissheit schaffen.

Auch Freunde und Bekannte des vermissten Tierarztes wollen nicht aufgeben. Die Krefelderin Beate von Cappeln kennt die Familie Orda seit Jahrzehnten. Sie beschreibt Lukas als einen „total netten, sehr kommunikativen Menschen, ein Sonnenscheinkind“.

Ein weiterer Freund der Familie, der Krefelder Notfallsanitäter Christian Brockof, ist ebenfalls voller Sorge. „Ich habe mit der Familie meine Kindheit verbracht“, sagt der 27-Jährige. Er habe weiter engen Kontakt, die Familie komme ja immer mal wieder zurück nach Krefeld. „Das sind total liebe Menschen“, sagt Brockof. Lukas sei für ihn immer so etwas wie ein Bruder gewesen. Erst vor sechs Monaten sei er Vater des kleinen Theo  geworden, und jetzt bangten seine Frau Emma mit der Familie um ihren Mann.

Es sei in den australischen Medien immer nur davon die Rede, dass die Besatzung aus 38 Philippinern, zwei Australiern und zwei Neuseeländern bestand, sagt Gabriele Brinkmann. Auch die Nettetalerin ist eine Freundin der Familie. Die Ordas hätten zwar seit einigen Jahren australische Pässe, sie hätten aber auch die deutsche Staatsbürgerschaft behalten. Außerhalb der Corona-Zeiten seien zumindest die Eltern mehrmals im Jahr in ihrer alten Heimat Krefeld.

Daran knüpft auch Familienfreund Christian Bockof an, wenn er sagt: „Wir würden uns wünschen,  dass die Identität von Lukas Orda als Deutscher bekannt wird und die Bundesrepublik sich außenpolitisch bemüht, dass die japanische Regierung zum Fortsetzen der Suche bewegt wird.“ Und Tobias Orda, der die Onlinepetition gestartet hat, drängt: „Jede Minute, in der nicht nach den Jungs gesucht wird, ist eine Minute, die wir nie zurückbekommen werden.“