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Der Fall Kaiser: Bühnenstück vom Niederrhein

Der Fall Kaiser: Bühnenstück vom Niederrhein

Entlassene AfD-Professorin ist nach WZ-Infos über die fehlerhafte Abrechnung von wissenschaftlichen Mitarbeitern gestolpert.

Krefeld. Die Hochschule Niederrhein hat AfD-Professorin Karin Kaiser den Stuhl vor die Türe gesetzt. Laut Hochschule hat die Demission nichts mit ihrem Täuschungsversuch vor den Bundestagswahlen zu tun, als sie eine Lehrveranstaltung für Wahlkampfzwecke missbrauchen wollte. Nach WZ-Informationen gab es zusätzlich zu dem Zirkus um Täuschungen und Verschwörungstheorien Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung ihrer wissenschaftlichen Hilfskräfte.

Schon die Vorgeschichte liest sich wie ein Bühnenstück: Eine Veranstaltung mit dem Titel „Tod des Rechtsstaats“ deklariert Kaiser im Sommer als Forschungsveranstaltung und bekommt dafür Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Ministerium, für den Zeitpunkt drei Tage vor der Bundestagswahl. Schnell wird jedoch klar: Kaiser will gar keinen Forschungsvortrag halten, sondern einen politischen Forderungskatalog erarbeiten, der den toten Rechtsstaat wieder beleben soll.

Die Hochschule zieht die Genehmigung zurück, Kaiser erklärt in einer langen Pressemitteilung, dass der Rechtsstaat tot sein muss, im Fokus steht ihr eigener Fall. Sie streitet seit zehn Jahren um die Verbeamtung auf Lebenszeit, die ihr einst eine Fachkommission an der Hochschule Kiel verwehrt hatte, zieht erfolglos bis vor den Europäischen Gerichtshof.

Kaiser trennt zudem im Alltag nicht zwischen der Politikerin, der Wissenschaftlerin und der Privatperson. Die Pressemitteilung verschickt sie von ihrem Hochschul-Account, ihr Twitter-Profil vereint rechtspopulistische Propaganda mit privaten Verschwörungstheorien und Werbung für ihre Hochschulveranstaltungen.

Die Hochschule stellt sich im ersten Reflex vor ihre Angestellte, sieht sich dann getäuscht. Präsident von Grünberg verteidigt das hohe Gut von Forschung und Lehre, auch gegen die Kritik der NRW-SPD und der eigenen Studentenvertretung, die ebenfalls Sturm läuft. Er bestellt Kaiser aber trotzdem ins Präsidium ein. Im WZ-Interview wird von Grünberg Fehler einräumen und sagen: „Wir haben alle gelernt.“

Intern wird der Umgang mit Kaiser als Angestellte der Hochschule Niederrhein schon lange als schwierig beschrieben, der gesamte Vorgang wurde schließlich auch juristisch geprüft, war aber offensichtlich nicht Grund genug, Kaiser den Vertrag aufzukündigen. Aus Hochschulkreisen sickert nun durch, dass es Fehler bei Kaisers Abrechnung von wissenschaftlichen Mitarbeitern gibt.

Fakt ist: Die Causa Kaiser ist Geschichte an der Hochschule Niederrhein, sie hat die Einrichtung, nicht zuletzt durch teils ungelenke Kommunikation der Einrichtung, drei Monate lang wider Willen in die Öffentlichkeit gebracht.

Auch jetzt nach der Demission müssen Medien diese Personalie, die längst von öffentlichem Interesse ist, gar das Landtagsparlament beschäftigt hat, herausarbeiten. Wenn von Grünberg sagt, man habe gelernt, gilt das hoffentlich auch für die Öffentlichkeitsarbeit. Da ist Luft nach oben.

Kaiser hat da weniger Hemmungen. Sie wird die Dinge aus ihrer Sicht schildern, darauf können wir uns verlassen. Ob über Twitter, Facebook oder Mail, ist ab sofort egal. Denn jetzt ist es wirklich Privatsache. Eine, auf die wir gespannt sein dürfen.