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Der Enkeltrick klappt noch immer

Der Enkeltrick klappt noch immer

Die Polizei informiert über alte und neue perfide Maschen, um ältere Menschen um ihr Vermögen zu prellen.

Der Enkeltrick ist schon uralt, und dennoch fallen speziell ältere Menschen immer wieder darauf herein. „Das liegt nicht zuletzt am Überraschungseffekt, aber auch daran, dass sich die Betrüger stets neue Vari-anten einfallen lassen und dass sie geschult darin sind, psychologischen Druck aufzubauen“, erläutert Kriminalhauptkommissar Hans Schneider vom Kommissariat Prävention und Opferschutz in Krefeld.

„Uns sind etwa 35 verschiedene Tricks bekannt“, sagt Schneider. Im letzten Jahr gab es in NRW allein im Zusammenhang mit dem Enkeltrick 3147 Vorfälle. Allerdings würden die meisten Fälle gar nicht angezeigt. Geschätzt werde eine Dunkelziffer bis zum Zehnfachen.

Der klassische Enkeltrick ist eine Betrugsform, bei der sich Betrüger am Telefon als Enkel oder Neffen ausgeben, neuerdings auch als Freund der Familie. Sie täuschen eine Notlage vor und bitten ihre Opfer um hohe Geldbeträge oder alternativ Schmuck oder Münzsammlungen.

Sandra Ewert, Ermittlerin in Sachen Trickbetrug

Der Erfindungsreichtum der Betrüger sei groß, sagt Schneider. Beispiel: Das Auto sei kaputt, und ohne Auto verliere man seine Arbeit. In der Annahme, einem Angehörigen zu helfen, heben die Senioren Geld ab. „Viele horten ihre Wertsachen auch zu Hause.“ Der Täter schickt dann einen Boten, der das Geld abholt. Oft erbeuten die Betrüger hohe fünfstellige Beträge. „Bei vielen der Opfer geht es sogar um ihre Existenz, weil sie ihr ganzes Geld verlieren.“

„Eine Variante des Enkeltricks besteht darin, dass sich Trickbetrüger am Telefon als Polizisten ausgeben und glaubwürdig vermitteln, dass Geld und Wertgegenstände wegen eines geplanten Einbruchs zu Hause nicht mehr sicher sind und deshalb abgeholt werden“, berichtet Kriminalkommissarin Sandra Ewert, Ermittlerin in Sachen Trickbetrug.

„Für viele ältere Menschen gilt Polizei geradezu als Zauberwort für Vertrauen“, erklärt sie die Leichtgläubigkeit. Ewert berichtet von einem Fall aus Düsseldorf, in dem der Betrüger mit einem Anruf 350 000 Euro erbeutet hat.

Schneider ergänzt zwei aktuelle Beispiele aus Krefeld mit falschen Polizisten, die sich 3500 Euro erschlichen. Beruhigend: Ein Teil dieser Bande wurde festgenommen. Er verweist auf besondere Raffinessen der Betrüger beim Anruf. Sie spielen echte Telefonnummern der Polizei ins Display ein und verbinden vermeintlich direkt zur Polizeizentrale, in der ein Mittäter den Sachverhalt bestätigt.

Die beiden Polizisten hatten zum Pressetermin den 58-jährigen Lothar Lesnich eingeladen. Er berichtet, dass seine 93-jährige alleinlebende Mutter kürzlich als Opfer des Polizistentricks vorgesehen war. Sie erhielt einen Anruf, legte aber sofort auf und benachrichtigte ihren Sohn. „Ich habe diese Situation mit ihr immer wieder geübt, bis es in Fleisch und Blut übergegangen ist“, sagt er.

Ewert berichtet außerdem von zunehmenden Trickdiebstählen aus Wohnungen. Hier klingeln die Betrüger an der Haustür und geben sich als Mitarbeiter der Stadtwerke oder eines Telekommunikationsdienstes aus. Andere bitten um ein Glas Wasser, wiederum andere darum, die Toilette benutzen zu dürfen. Auch vermeintlich schwangere Frauen bitten so um Einlass.

Alle haben jedoch nur ein Ziel — in die Wohnung zu gelangen und für einen Mittäter die Tür angelehnt zu lassen, der dann die Wohnung ausraubt, während der Bewohner abgelenkt ist. Das jüngste Ablenkungsmanöver sei eine vermeintliche Arznei-Lieferung für den Nachbarn gewesen, der nicht zu Hause sei und für den das Opfer einen Zettel für den Briefkasten schreiben solle.