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Dekra in Krefeld: So läuft es in Corona-Zeiten mit der „TÜV“-Plakette

Krefeld : So läuft es in Corona-Zeiten mit der „TÜV“-Plakette

Die Fahrzeuguntersuchungen werden weiter durchgeführt. Angesichts der Krise gibt es aber eine Sonderregelung.

Kurz nach 9 Uhr, bei der Dekra-Prüfstelle am Siemesdyk ist für einen Samstag kurz vor Monatsende verhältnismäßig wenig los. Die Corona-Lage scheint auch hier Wirkung zu zeigen. Normalerweise stehen Autos, Motorräder und Lastwagen schon mal bis zur Straße an, um noch kurz vor Ablauf der Frist die Hauptuntersuchung durchführen zu lassen, erklärt Prüfingenieur Markus Grimmig, der gerade seinen Dienst beginnt. Gerade zum Frühlingsanfang würden zum Beispiel auch viele Motorradfahrer vorfahren.  Ein möglicher Grund, das noch „ungewöhnlich wenig los ist“: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte „Kulanz“ im Umgang mit den Fristen angekündigt. Jeder Verbraucher solle die Möglichkeit haben, außerhalb der Corona-Krise eine Prüfstelle für die Hauptuntersuchung aufzusuchen (siehe auch Kasten). Die Pflicht zur Hauptuntersuchung bestehe immer noch, „nur die Sanktionen/Bußgeld werden nicht mehr ab dem zweiten Monat verhängt, sondern bis zum vierten Monat ausgesetzt“, erklärt Harald Küpper, Leiter der Dekra-Außenstelle in Krefeld.

Motorradfahrer plant Tour in Richtung Westerwald

Vor der Werkstatthalle sind an diesem Morgen trotzdem einige Motorengeräusche zu hören. Ein Lastwagenfahrer mit einer weißen Mercedes-Zugmaschine hat sich vor einem der beiden Tore positioniert. Daneben kommt gerade ein Motorradfahrer mit einer schwarzen Suzuki an. Auf die regelmäßige Überprüfung sollte man achten, meint Frank Burgwaldt, der die 175-PS-Maschine steuert. Von der Überprüfung  könne im Zweifel schließlich auch das eigene Leben abhängen, so der Uerdinger. Sein Plan für diesen sonnigen Tag: „Eine schöne Tour über Landstraßen“  - in Richtung Westerwald. Dann darf er seine Maschine in die Halle fahren. Bei der Untersuchung dabei sein darf er aber nicht. Auch die Dekra-Außenstelle in Krefeld hat Maßnahmen ergriffen, um Mitarbeiter und Kunden zu schützen. Dazu gehört, dass die Prüfung nicht begleitet werden darf. Unter anderem werden auch Türklinken regelmäßig desinfiziert, und die Prüfer achten auf Sicherheitsabstände.

An der eigentlichen Untersuchung habe sich aber nichts geändert, erklärt Prüfingenieur Markus Grimmig. Was sich verändert hat, sei der Umgang mit den Kunden. Der sei distanzierter. Normalerweise würden auch Tische mit Sonnenschirmen draußen aufgestellt, aber auch auf diese werde nun aus Sicherheitsgründen verzichtet, ein paar Stühle müssen reichen.

Lkw-Fahrer transportiert vor allem Lebensmittel durch NRW

Während sich in der Halle ein Kollege um das Motorrad kümmert, untersucht Grimmig die weiße Mercedes-Zugmaschine. Ein alles übertönendes Quietsch-Geräusch schallt plötzlich durch die Halle. Grimmig sitzt im Führerhaus des Lastwagens, überprüft die Bremsen – auf in den Boden eingelassenen, sich drehenden Rollen werden die Reifen abgebremst, der Wirkungsgrad ermittelt.

Viele Prüfstellen, wie die der Dekra am Siemesdyk 45 in Krefeld, haben auch während der Corona-Krise geöffnet. Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Für Lastwagenfahrer Cozohaea Abid gehört die Überprüfung zu seinem Beruf. Seine Arbeitsabläufe hätten sich durch die Corona-Pandemie nicht grundlegend verändert – auch wenn darauf geachtet wird, Kontakte zu vermeiden oder Handschuhe zu tragen.

Was sich vor allem verändert habe, seien die Waren, die der 44-Jährige von A nach B bringt. Meistens seien das nun Lebensmittel. Lieferungen für die Metallindustrie seien hingegen zum Beispiel weniger geworden, erklärt Abid, der für eine Spedition in Krefeld quer durch NRW fahre. Dass Berufe wie seiner in Zeiten der Krise mehr Anerkennung bekommen – der Bundesverkehrsminister bedankte sich kürzlich unter anderem bei ihnen als „Helden des Alltags“ –, scheint er gelassen hinzunehmen. Lastwagenfahrer sei schließlich schon immer ein wichtiger Beruf gewesen, der Transport wie das Blut in den Adern des Landes. Und auch Abid habe eine Familie, die mit Lebensmitteln versorgt werden muss.

Prüfingenieur Markus Grimmig nimmt mittlerweile mit einer Taschenlampe eine Sichtprüfung unter dem 16 Tonnen schweren Arbeitsgerät des Lastwagenfahrers vor. Dafür kann er sich mittels einer beleuchteten Grube unter dem Lastwagen frei bewegen. Er schaue sich unter anderem Bremsen und Achsen an. Im Prinzip laufe so eine Überprüfung eines Lastwagens so ab wie bei einem Automobil – nur sei halt alles ein wenig größer.

Warum Prüfstellen wie die der Dekra am Siemesdyk noch geöffnet haben, erklärt Außenststellenleiter Holger Küpper. Bundesländer und Bundesverkehrsministerium seien der Auffassung, „dass  die Durchführung von regelmäßigen technischen Untersuchungen der Sicherheit im Straßenverkehr dient und zur Aufrechterhaltung der systemrelevanten Logistikketten notwendig ist“. Küpper sehe das als Auftrag, „unseren Fahrzeugprüfbetrieb aufrechtzuerhalten“. Er empfiehlt, online einen Termin zu vereinbaren, um Wartezeiten zu reduzieren. Diesen Service bietet zum Beispiel auch der Tüv Rheinland an. „Trotz kleinerer Einschränkungen beim gewohnten Service läuft unser Prüfbetrieb praktisch normal weiter“, erklärt Küpper weiter. Am Samstagmorgen heißt das für Lastwagen-Fahrer Cozohaea Abid, dass seine Zugmaschine ohne Probleme durch die fällige Sicherheitsprüfung kommt. „Alles in Ordnung“, ist das Fazit von Prüfingenieur Markus Grimmig. „Tschüss Jungs“, sagt der Lastwagenfahrer, um dann den Motor zu starten und die Halle zu verlassen. An diesem Samstag wird er keine Waren mehr hin und her bewegen.

Der Lkw werde noch gewaschen, dann geparkt, und dann gehe es nach Hause zu seiner Familie.