Defekter Hydrant soll Löscharbeiten behindert haben

Defekter Hydrant soll Löscharbeiten behindert haben

Vor sechs Jahren hat ein Feuer Holz Roeren zerstört. Die Versicherung klagt nun auf Schadensersatz vor Gericht.

Inrath. Der Brand bei Holz Roeren in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 2012 ist einer der größten in der Geschichte der Berufsfeuerwehr Krefeld gewesen. „Holzmarkt Roeren brennt lichterloh“ titelte die Westdeutsche Zeitung am nächsten Morgen. Als die Feuerwehr um 20.03 Uhr vor Ort eintraf, war dem Einsatzleiter und damaligen Feuerwehr-Vizechef Dietmar Meißner bei dieser Feuersbrunst rasch klar: „Roeren ist nicht zu halten, unser Schwerpunkt war es nun, den nahen Real-Markt zu schützen.“ Die Axa-Versicherung hat inzwischen die Stadt verklagt. „Weil unserer Einschätzung nach die Stadt dafür verantwortlich ist, dass sich die Löscharbeiten der Feuerwehr bei dem Brand auf dem Gelände unserer Versicherungsnehmerin durch Löschwassermangel massiv verzögert haben“, sagt Pressesprecherin Sabine Friedrich.

Grund hierfür sei ein Hydrant neben der Einfahrt des damaligen Betriebs, der bei den beginnenden Löscharbeiten seinen Dienst versagte. „Dadurch hat sich das Schadensmaß erheblich erhöht“, erklärt Friedrich die Annahme der Versicherung. Hätte der voll funktionsfähige Hydrant das Ausmaß des Brandes verringern können? „Nein“, sagt Pressesprecher Timo Bauermeister für die Stadt Krefeld kurz und knapp.

Meißner hatte bereits kurz nach dem Brand öffentlich im Ausschuss für Ordnung, Sicherheit und Verkehr erklärt: „Dass der Hydrant nicht funktioniert hat, war zwar ärgerlich, aber für die Bekämpfung des Brandes nicht relevant.“ Die Stadt stellte zudem fest: „Angesichts der bereits zu Einsatzbeginn erforderlichen Löschwassermengen spielte der Ausfall des Hydranten keine Rolle.“ Bei dem Einsatz hatten die Feuerwehren einen Gesamtbedarf an Löschwasser von 30 000 Litern pro Minute. Der Hydrant hätte lediglich Wasser für 1000 Liter pro Minute zur Verfügung gestellt.

Eine Schuld in Sachen mangelhafte Löschwasserversorgung weist die Stadt auch sechs Jahre nach dem Brand von sich. „Nach wie vor geht die Stadt Krefeld davon aus, dass die Wartungsverantwortung bei der Firma Roeren lag, da es sich um einen Hydranten speziell zum Objektschutz handelte, der als Auflage Bestandteil der Baugenehmigung war“, sagt Bauermeister.

Bereits im September 2012 hatte die Axa-Versicherung erwägt, die Stadt Krefeld nach dem verheerenden Brand auf geschätzte 30 Millionen Euro zu verklagen. Die Familie Roeren hatte schon wenige Tage nach dem Großbrand gesagt: „Wir machen weiter.“ Nach drei Jahren in einem provisorischen nahen Gebäude, eröffnete das Unternehmen im Herbst 2014 an alter Stelle einen Neubau nach den modernsten Standards, zum Teil auch mit eigenen finanziellen Mitteln.

„Da unsere zwischenzeitlichen Bemühungen, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, bislang erfolglos waren, haben wir uns Ende 2015 zur Klageerhebung entschlossen“, sagt Sabine Friedrich. Es drohte in dem Versicherungsfall die Verjährung. „Eine außergerichtliche Einigung wurde in Übereinstimmung mit unserem Rückdeckungsverband von Seiten der Stadt nicht angestrebt“, sagt Bauermeister, der der Klage gelassen entgegensieht. Die ist anhängig bei der Staatshaftungskammer des Landgerichts Krefeld unter dem Aktenzeichen 2O23/16. Laut Gerichtssprecher Nils Radtke sei man noch in der Beweisaufnahme. 1250 Feuerwehrleute waren bei und nach dem Brand im Einsatz.

Für die Kriminalpolizei war der Auslöser des Feuers Brandstiftung durch Fahrlässigkeit. Ein Mitarbeiter hatte eingeräumt, gegen 17 Uhr eine Zigarette im hinteren Bereich der Halle geraucht zu haben, die Kippe aber ausgetreten zu haben. Das Amtsgericht sprach ihn später frei. Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass seine Kippe den Brand verursacht hatte.

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