Das Wunder: Keine Toten bei Deckeneinsturz

Das Wunder: Keine Toten bei Deckeneinsturz

Am 18. August 2000 um 13.18 Uhr kracht es im Badezentrum: 43 Schüler und drei Arbeiter werden bei dem Unfall leicht verletzt.

Den Ersthelfern bot sich am 18. August 2000 ein Bild des Grauens: Die große Schwimmhalle des Badezentrums glich einer Trümmerwüste. Metallteile, Holzplatten und Elektroleitungen hingen von der Decke oder stapelten sich im Becken. Ein Polizist beschrieb das Szenario damals als Schlachtfeld: „Ich war einer der ersten vor Ort. Als wir kamen, war die ganze Wasserfläche mit Platten bedeckt. Um uns herum liefen schreiende und weinende Kinder. Es ist unglaublich, dass keiner ernsthaft verletzt wurde.“ Wie durch ein Wunder wurden bei dem Einsturz der Decke nur 43 Schüler und drei Arbeiter leicht verletzt. Um 13.18 Uhr krachte die abgehängte Unterdecke aus rund 13 Metern Höhe auf das Schwimmerbecken, wo sich zu der Zeit rund 70 Schüler der Klassen 8b und 8c und zwei Lehrerinnen des Moltke-Gymnasiums aufhielten. Dabei war die frisch sanierte Halle fünf Tage zuvor für Schul- und Vereinsschwimmen freigegeben worden.

Dieter Pützhofen, Oberbürgermeister (1981-1989 und 1994-2004)

Das war geschehen: Im Rahmen der Sanierungsarbeiten sollte auch die Fassade saniert werden. Oberhalb der gerade erst neu eingebauten Unterdecke befand sich ein über die gesamte Fassadenlänge verlaufender 80 Zentimeter breiter Drahtputz, genannt Rabitzstreifen, der ursprünglich zu einer Sonnenschutzanlage gehört hatte und nun entfernt werden sollte. Ein erst wenige Wochen bei der ausführenden Firma tätiger Auszubildender durchtrennte nach Anweisung des Bauleiters Haken und Drähte, mit denen der noch vorhandene Teil des Rabitzstreifens befestigt war, und trat anschließend den Streifen mit dem Fuß los.

Da die Unterdecke circa fünf bis zehn Zentimeter in den Bereich des Rabitzstreifens hineinragte, schlug ein größeres Stück des Streifens auf sie auf. Es konnte nicht verhindert werden, dass sie auf ihrer gesamten Fläche (4000 Quadratmeter) aus den Halterungen brach und mit lautem Getöse im Dominoeffekt aus Richtung Nichtschwimmerbecken hinunterfiel. Oberbürgermeister Dieter Pützhofen: „Das Glück, das wir hatten, ist nicht zu glauben.“ Denn bis auf die leichten Verletzungen der knapp 50 Personen war nichts passiert. Das Glück sollte der Stadt hold bleiben. Denn in den vielen folgenden Gerichts- und Berufungsurteilen stand am Ende fest, dass die Stadt keine Schuld hatte, vielmehr die Fassadenbaufirma den gesamten Schaden zu tragen hatte.

Bis in das Jahr 2015 wurde noch über die tatsächliche Schadenshöhe prozessiert: Die Versicherung der ausführenden Firma muss inklusive Zinsen rund eine Million Euro an die Stadt zahlen.

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