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Das will Krefelds neuer Baudezernent Marcus Beyer in der Innenstadt ändern

Bauen in Krefeld : Das will Krefelds neuer Baudezernent Marcus Beyer in der Innenstadt ändern

Auf den neuen Planungs- und Baudezernenten kommen zahlreiche umstrittene Vorhaben zu, wie das Glasdach.

Krefeld ist für den neuen Bau- und Planungsdezernent Marcus Beyer keine Unbekannte. Ist der 46-Jährige doch hier geboren, Ecke Roß- und Marktstraße aufgewachsen und zum Fichte-Gymnasium gegangen. „Wenn man in der Innenstadt großgeworden ist, ist man Krefelder“, erzählt er bei einem Kaffee. Seit vier Wochen ist er im Amt, muss sich in zahlreiche Bauvorhaben einlesen, wichtige Ansprechpartner innerhalb der Verwaltung und der Stadt zunächst kennenlernen. „Ich bin noch bei der Grundlagenermittlung zu Krefeld“, sagt er pragmatisch. Dennoch nimmt er sich an dem Morgen eine Stunde Zeit für das erste Gespräch, das Andere üblicherweise erst nach den ersten 100 Tagen im Amt führen. Er scheut sich nicht, sich zu positionieren. Ihm liege Krefeld am Herzen - wobei es mit dem Glasdach, der Belebung der Innenstadt, dem Theaterplatz, der Diskussion über neues Bauland, den maroden Sportstätten, dem Stadthaus zahlreiche Themen gibt, die Zündstoff bergen.

Städtische Kleinode werden von Fremden selten entdeckt

„Ich weiß nicht, ob das krefeld-typisch ist, aber viele Bürger neigen dazu, nicht positiv über Krefeld zu reden“, sagt Beyer. Wenn er das höre, beginne er die schönen Orte in der Stadt aufzuzählen: die Linner Burg, der Stadtwald, Egelsberg, die schönen Ecken, Hinterhöfe und kleinen Plätze mitten in der Stadt wie das Café Kosmopolit, die Lewerentzstraße mit der Alten Samtweberei, Alexander- und Corneliusplatz. „Das sind Kleinode, die sich dem Fremden nicht bei seinem Besuch in Krefeld direkt erschließen.“ Sie werden eher zufällig entdeckt. Über Stadtgestaltung und neue Nutzung von Gebäuden wie der Alten Samtweberei an der Lewerentzstraße bestehe die Chance, solche Orte dem Besucher zu eröffnen. Teils unmittelbar neben den Einkaufsstraßen bieten „kleine gemütliche Stadträume“ wie der namenlose Platz an der Ecke Wall-, und Stephanstraße mit dem Café Mari oder der kleine Platz an der Angerhausen- und Mennoniten-Kirch-Straße mit dem An-go-lo Aufenthaltsqualität. Doch oftmals sind die Orte nur Einheimischen bekannt.

Krefelder Innenstadt dient ausschließlich dem Einkauf

Beyer sieht die Notwendigkeit, die Krefelder Innenstadt zu beleben. „Die City dient ausschließlich dem Einkaufen, davor und danach ist sie fast tot.“ Sie sei zu monoton. Er kann sich vorstellen, sie zu ergänzen durch kleinteiliges Gewerbe und mehr Wohnraum. An der Hochstraße gebe es das kaum, an den Wällen hingegen ja. Eine Zeit lang habe die Hochstraße als Einkaufsstraße zwischen den zwei attraktiven Punkten Hansa-Zentrum und Rheinstraße funktioniert. „Mit steigender Konkurrenz durchs Internet hat die Frequentierung nachgelassen, auch in den 1a-Lagen: Die Königstraße ist ein aktuelles trauriges Beispiel.“ Dort stehen mehrere Ladenlokale teils schon länger leer. Als Ziel skizziert Beyer deshalb, Ladenlokale an der Hochstraße in Wohnraum umzuwandeln und die zahlreichen baulichen „Zahnlücken“ zu schließen. Bei den privaten Eigentümerverhältnissen sei das aber nicht in einigen Monaten zu schaffen. Dazu wünscht er sich personelle Verstärkung: „Weitere Stellen für die Arbeit in der Innenstadt sind dazu notwendig“, sagt Beyer. Die Entscheidung im Rahmen des Haushalts obliege aber den politischen Gremien.

Das früher obligatorische Parteibuch hat der neue Bau- und Planungsdezernent nicht. „Ich will mit Fachlichkeit überzeugen und diese Aufgabe in Krefeld übernehmen, ohne politische Bindung zu einer einzelnen Partei“, betont Beyer. „Ich kann nicht sagen, ich habe nicht gewusst, was mich auf dieser Stelle erwartet“, sagt er auch im Hinblick auf die Großprojekte der kommenden Jahre. Sein Credo: „Es ist wichtig, dass wir es schaffen, jetzt Vorhaben in die Tat umzusetzen.“ Dazu zählt er eine neue Veranstaltungshalle, ein neues Stadthaus, aber auch beispielsweise das Erwachen des Evangelischen Kirchplatzes aus seinem Dornröschenschlaf. Und dann ist da noch das Glasdach auf dem Ostwall. „Wir schulden allen noch die Funktionalität dieses Daches; der Weg dahin ist allerdings schwierig.“ Der Stadt droht ein jahrelanger Rechtsstreit, weil bislang niemand die Verantwortung und damit auch den Regress für die gerissenen Scheiben übernehmen will.