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Das Stups in Krefeld hilft Geschwistern von schwerstkranken Kindern

Psychosoziale Hilfe : Hilfe für Geschwister schwerstkranker Kinder

Bislang blieben die gesunden Kinder mit ihren Nöten, Ängsten und Sorgen oftmals allein. Ein neues Angebot der DRK-Schwesternschaft will ihnen in der schwierigen Situation helfen.

Unbeschwerte Kindheit sieht anders aus. Kinder, deren Geschwister schwerstkrank oder behindert sind, haben es nicht leicht. Häufig wird ihnen weniger Aufmerksamkeit und Zeit gewidmet als denen, die es augenscheinlich notwendiger haben. Mit ihren Gefühlen, Ängsten und Bedürfnissen bleiben sie oft allein und werden im Gegensatz zu Kindern in unbelasteten Familien zwangsläufig schneller erwachsen. Im Stups-Kinderzentrum der DRK-Schwesternschaft ist ein neues Projekt angelaufen, um gesunde Geschwisterkinder zu unterstützen und zu begleiten. Der Titel: „Stups hilft Geschwistern auf die Sprünge.“ Das Symbolbild ist ein Frosch.

Mit Hilfe der Mayer-Stiftung wird neues Angebot möglich

Im Rahmen der ambulanten Kinder- und Jugendhospizarbeit beschäftigt sich das Team des Stups schon länger mit dem Thema Sorge für die Geschwisterkinder. Auch in der Erwachsenen-Hospizarbeit am Blumenplatz sind Kinder mit dem nahenden Tod eines Elternteils konfrontiert. „Doch bislang haben wir diesen Kindern nur punktuell helfen können“, sagt DRK-Oberin Diane Kamps. Das wollte sie schon länger ändern.

Durch Zufall wurde Diane Kamps im vergangenen Jahr auf die Gert-und-Susanne-Mayer-Stiftung aus Wuppertal aufmerksam und stellte die Idee eines Geschwisterkinderprojektes dort vor. „Als Stiftung ist es uns wichtig, Projekte ganzheitlich umzusetzen. Die Geschwisterkinder werden oft vergessen und wir sind froh, dieses Projekt begleiten zu können“, sagt Marco Rühmann, Geschäftsführer der Stiftung. Gemeinsam mit Andrea Puschhof, Referentin Projektförderung, überreichten die beiden am Mittwoch symbolisch einen Scheck in Höhe von 17 922 Euro. Diese Summe ermöglichte im vergangenen Oktober die Anstellung einer hauptamtlichen Mitarbeiterin zur Projektleitung und -entwicklung.

Verantwortlich für das Projekt ist Anke Kamper, Koordinatorin für das ambulante Kinder- und Jugendhospiz. Im ersten Projektzeitraum hat sie beziehungsweise ihre Vorgängerin in der Position, Bianca Buchholz, die Situation der Geschwisterkinder analysiert und über verschiedene Frage- und Auskunftsbögen Informationen und Wünsche der Kinder wie auch ihrer Eltern eingeholt.

Erst seit wenigen Jahren wird in wissenschaftlichen Studien das Augenmerk auf Kinder als Angehörige von schwerkranken oder sterbenden Patienten gelegt. Ihre Nöte und Reaktionen darauf bis hin zum Umgang mit Trauer und Verlust, mit Wut und Verlassenheits-Gefühlen, wenn der Bruder, die Schwester oder ein Elternteil stirbt, wurden lange nicht gesehen. Anke Kamper kennt die Nöte der Geschwisterkinder, die sich in einzelnen Momenten sogar wünschen, selber so schwer krank zu sein, um genügend Aufmerksamkeit, Zeit und Zuwendung zu erfahren. „Gleichzeitig haben sie wegen dieser Gedanken häufig ein schlechtes Gewissen“, erzählt Anke Kamper. Dabei sei es für den Verarbeitungsprozess wichtig, die Gefühle zuzulassen und im Kontakt mit anderen Kindern in ähnlichen Situationen zu erleben, denen geht das auch so.

Am 10. Oktober findet erstes Treffen für Kinder statt

Im Rahmen der Projektarbeit sind erste Termine für Geschwisterkinder im Alter von fünf bis zehn Jahren erarbeitet worden. Wegen der Corona-Pandemie hat sich der Start verschoben. Der erste Termin findet jetzt am 10. Oktober, am Welthospiztag, statt. Von 15 bis 18 Uhr sind Kinder dieser Altersgruppe im Stups an der Jakob-Lintzen-Straße 8 in Königshof willkommen. Angemeldet werden können sie von ihren Eltern telefonisch unter 02151 / 58 97 60 oder per E-Mail unter koordination@drk-schwesternschaft-kr.de. „Es gibt kein festes Programm, die Kinder sollen sich untereinander erst einmal kennenlernen und auch wir gewinnen einen Eindruck von den Kindern“, sagt Anke Kampers.

Die ersten Reaktionen von Kindern seien sehr positiv und berührend gewesen. „Die Kinder sind unglaublich froh und dankbar, dass sie einmal im Mittelpunkt stehen“, erzählt Kampers. Die DRK-Schwesternschaft will das Angebot ausbauen und hofft auf weitere Spenden.

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