Das Projekt "Die geheimnisvolle Mediothek" ist beendet

Mediothek : Wo Monster aus Büchern steigen

In einem Projekt erkunden Mädchen die Mediothek. Und die birgt einige Geheimnisse.

Schon wieder ist ein geheimnisvoller Brief in der Mediothek aufgetaucht. Nicht der erste – immer wieder haben Julijana, Rebecca, Lea, Roj und die anderen Mädchen in den vergangenen Wochen Post zwischen Büchern und in geheimen Ecken gefunden. Wer der Absender ist und ihnen immer wieder einzelne Wörter und andere lückenhafte Botschaften geschickt hat? Das wissen die Mädchen an diesem Nachmittag zunächst nicht. Noch nicht. Eine Ahnung haben sie aber natürlich längst. „Ich glaube, die Briefe sind von Ingeborg und Viktoria“, flüstert Roj und meint damit Ingeborg Hollstein und Viktoria Martin. Die beiden Frauen leiten die Gruppe, zu der die Mädchen gehören. Eine Projektgruppe mit zwölf Mädchen aus geflüchteten und deutschen Familien.

„Die geheimnisvolle Mediothek“ heißt das Projekt, das vom Land NRW gefördert wird. An 16 Nachmittagen treffen sich die Mädchen jeden Dienstag, um die Geheimnisse der Mediothek zu erkunden. Und davon gibt es einige, wie die Mädchen nach 14 Treffen nun wissen. Buchstabenmonster sind ihnen in den vergangenen Wochen begegnet, die Buchstaben aus Büchern gefressen haben. In Theaterszenen haben sie Figuren kennengelernt, die nachts, wenn die Mediothek keineswegs schläft, aus Büchern heraussteigen. Geheimschriften haben die Mädchen ebenfalls entschlüsselt und noch viele andere Rätsel gelöst.

Nur diese geheimnisvollen Briefe, die sind auch kurz vor dem Abschluss des Projekts noch immer ein Rätsel geblieben. Dabei haben die Mädchen dem unbekannten Schreiber auch schon mal einen Brief geschrieben und im Bücherregal liegen gelassen, wie Clara (9) berichtet. Viele Fragen haben sie in ihrem Brief gestellt – etwa, ob der geheimnisvolle Schreiber Schreibschrift beherrscht. Genau diese hat den, oder besser gesagt die Absender nämlich letztlich verraten und zu der Ahnung geführt, die Roj schon vor dem letzten, aufklärenden Brief hatte. „Die Mädchen haben die Handschrift des Absenders mit meiner verglichen“, berichtet Ingeborg Hollstein. „Und was soll ich sagen? Ja, es war die selbe.“

Selbstbewusstsein stärken
und Freundschaften schließen

In ihrem letzten Brief an diesem Nachmittag geben Ingeborg Hollstein und Viktoria Martin dann auch zu, dass die Briefe von ihnen waren. Letztlich sei es aber gar nicht wichtig, wer der Absender war, sagt Viktoria Martin gleich dazu. „Denn es geht in unserem Projekt um Phantasie.“ Und darum, die Mediothek kennenzulernen, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken und Freundschaften zu schließen, ergänzt Ingeborg Hollstein. Alles Ziele, die gelungen sind, zieht sie kurz vor dem Abschluss eine durchweg positive Bilanz. „Die unterschiedliche Herkunft der Mädchen war von der ersten Minute an überhaupt kein Problem“, sagt sie. „Fremd waren sie sich nur, weil sie unterschiedliche Schulen besuchen.“ Zu sehen, wie die Mädchen im Umgang miteinander auftauen, immer mehr aus sich hinausgehen und vor allem Spaß habe, sei auch für sie eine tolle Erfahrung gewesen.

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