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Das Internet vergisst nie - wenn schon das Googeln des Namens Bewerber abschießt

WZ-Serie : Was Schüler und Auszubildende im Internet beachten sollten

Das Internet vergisst – fast – nie. Das sollte jungen Menschen bewusst sein. Was sie in Sozialen Medien tun, kann ihre beruflichen Möglichkeiten einschränken.

Wenn bei Google nach dem Eingeben des Vor- und Nachnamens im Suchfenster direkt das Wort Playboy angeboten wird, dann wird man das vermutlich nie wieder los. „Das Internet vergisst nichts und manches ist noch über Jahre sichtbar“, sagt Truy Ly Nguyen. Das müsse Schülern vor dem Start in die Ausbildung und auch Azubis selbst unbedingt klar sein, sagt die Fachberaterin für die passgenaue Besetzung von Ausbildungsplätzen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein.

Die junge Frau, die mal im Playboy zu sehen war, wie das Google-Ergebnis sofort zeigte, habe die Stelle damals nicht bekommen, erinnert sich Nguyen. „Es ist halt bei Bewerbungen durchaus üblich, dass zukünftige Chefs oder Personalabteilungen die Bewerber googeln oder ihre jeweiligen Seiten in Social-Media-Kanälen ansehen“, sagt die 31-Jährige.

Auch bei Babybildern
sollte man aufpassen

Und auch die Kontakttelefonnummer des Bewerbers kann dem neuen Vorgesetzten schon mehr preisgeben als gewollt. „Ein Bewerber hatte einen angebotenen Gesprächstermin nicht angenommen, weil er angeblich zu beschäftigt war. In seinem Status bei einem Messenger-Dienst stand allerdings, wie schön es gerade sei „zu chillen und das Leben zu genießen“. Ob bei Facebook, Instagram, Snapchat, Tik Tok oder anderen, Nguyen und Tanja Neumann, ebenfalls von der IHK, mahnen zur Vorsicht sowohl bei den Privatsphäre-Einstellungen – sprich: wer kann alles sehen, was man veröffentlicht – als auch beim Posten selbst. Das kann auch über die eigene berufliche Zukunft entscheiden. „Und da schließe ich zum Beispiel die Mütter und Väter gleich mit ein, die gerne noch mal peinliche Babybilder von ihren längst großen Kindern ins Netz stellen“, sagt Tanja Neumann, die Referentin für Internet-/Tourismuswirtschaft bei der IHK ist und seit 20 Jahren Unternehmen in Sachen Social Media berät. Dummerweise sind diese „Babys“ eben mittlerweile erwachsen und möchten nicht nur im Job ernstgenommen werden.

Die wichtigste Frage in Social-Media-Kanälen ist also nicht, wie viele Herzen, „Gefällt mir“-Klicks, Retweets, Follower oder Statusfoto-Betrachter sich ergeben. Sie lautet: Sind die dort veröffentlichten Posts, Kommentare und Fotos zum Beispiel von der letzten großen Party so, dass sie mit Namen an der nächsten großen Werbetafel irgendwo in der Stadt hängen könnten, ohne dass man sich schämt? „Litfaßsäulen-Prinzip“ nennt Tanja Neumann das nach den dicken Pfeilern am Straßenrand mit Ankündigungen und anderen Plakaten benannte Motto, das sie auch allen zukünftigen Azubis empfehlen würde. „Egal, um welchen Kanal es geht. Man sollte nur posten, bei dem man sagen kann: Das könnte auch mit meinem Bild und Namen an einer Litfaßsäule hängen. Oder das würde ich zum Beispiel beim Bäcker jemandem erzählen, wenn andere mithören können“, sagt Neumann. „Manchmal reicht es auch schon, sich vorzustellen, man würde einen Post seiner Mutter oder seinem Lehrer laut vorlesen“, rät Nguyen.

Jeder habe logischerweise seine eigene „Schmerzgrenze“ und es sei auch schön, wenn man eine Bikini-Figur habe und Urlaubsbilder poste, sagt Neumann. „Aber anzüglich sollten die nicht sein.“ Denn selbst wenn die Instagram- oder Snap-Chat-Story nach 24 Stunden verschwindet, wenn man das will: „Überall können Menschen davon Screenshots gemacht haben“, betont die Expertin.

Zur Frage, was man schreibt und an Fotos einstellt, kommt die wichtige Frage, wer es sehen kann. Neumann: „Da ist auch Gespür und Wissen gefragt. Ist die Social-Media-Gruppe, in der ich mich bewege, offen oder geschlossen und wer ist noch mit drin?“ In der auf einige Mitglieder beschränkte „Für die Prüfung lernen“-Gruppe könnte zum Beispiel noch ein Berufsberater mit online sein. Bei Facebook solle man Freunde sortiert nach verschiedenen Gruppen anlegen, um zu verhindern, dass alle alles sehen. „Und trotzdem weiter das Litfaßsäulen-Prinzip beachten.“ Und immer: „Bei den Sicherheitseinstellungen die Häkchen an den richtigen Stellen machen“, so Neumann. Aber damit müsse man sich halt beschäftigen, das dauere deutlich länger als die Anmeldung beim jeweiligen Dienst. Bei einem Messenger-Dienst wie Whatsapp sollte man ausdrücklich auswählen, wer die eigenen Statusbilder sehen darf, sonst können sie alle Whatsapp-Kontakte sehen.

Immer eine gute Idee sei es, sich für den Fall der Fälle schon mal vorab zu informieren, wie man womöglich eine Nachricht wieder löschen kann. „So banal es sich anhört. Aber wie schnell verrutscht man in einer Zeile und schickt in einem Messenger wie Whatsapp eine Nachricht an den falschen Adressaten. Das kann peinlich werden, zum Beispiel, wenn es der Chef ist und man es nicht schnell genug gelöscht bekommt“, sagt die Expertin. Zum Zurückholen bleiben wenige Sekunden Zeit.

Sich aus dem Bereich Social Media ganz heraushalten, funktioniert nach ihrer Ansicht nicht. „Zu sagen, ich mache da nicht mit, reicht nicht. Wir alle werden auf Partys, Konzerten oder bei Reisen oder ähnlichem von anderen fotografiert oder gefilmt. Dessen muss man sich bewusst sein“, betont Neumann. Gleichzeitig seien die Sozialen Medien etwas, das man – wenn man es richtig mache – für sich nutzen könne.

Soziales Engagement, Mitgliedschaft in Vereinen, sportliche Aktivitäten, besondere Hobbys: „Je nach Berufswunsch kann man das ja auch sinnvoll einsetzen und für seine Zwecke nutzen, dass bei Bewerbungen im Netz nach einem gesucht wird“, sagt Neumann und erzählt von einem Beispiel, in dem Instagram-Storys eines Planespotters, der viele Jahre verschiedene Flugzeuge fotografisch „sammelte“, dazu geführt hätten, dass er Kontakte knüpfen und seinem Berufswunsch in der Fliegerei näher kommen konnte. „Oder wenn man was in der Gastronomie werden will, zum Beispiel Koch, und macht Insta-Storys.“ Zum Beispiel über toll gezauberte Menüs.

Auch Xing sei erwähnenswert. Zwar sei es bei jungen Leuten nicht so verbreitet. „Es ist ein bisschen der Karteikasten unter den Sozialen Medien. Aber das eigene Profil dort ist wie ein Lebenslauf, in dem man zum Beispiel auch Praktika eintragen kann. Man kann Unternehmen anschreiben und fragen, ob sie Azubistellen anbieten“, sagt Neumann und gibt einen letzten Tipp. „Allerdings nicht anmelden, fragen und dann ewig nicht mehr hineingucken, ob jemand geantwortet hat.“ Nguyen: „Wenn man dort kontaktiert wird, muss man auch schnell antworten. Man sagt als Faustregel, bei Briefen kann man in sieben bis zehn Tagen antworten, bei E-Mails innerhalb eines Tages, aber im Social Web sollte es innerhalb weniger Stunden sein.“