Das Handwerk feiert seine Champions

Das Handwerk feiert seine Champions

Jahresbeste geehrt. Niederrhein verzeichnet ein Plus von 9,8 Prozent bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen.

Verena Verlaak hatte die Lacher auf ihrer Seite. „Es ist ja nicht so, als ob ich nicht auch einen typischen Frauenberuf probiert hätte — ich habe ein Praktikum bei einem Friseur gemacht“, erzählte die 20-Jährige in ihrer Dankesrede, die sie stellvertretend für alle Geehrten hielt. „Aber es hätte an Körperverletzung gegrenzt, wenn ich diesen Beruf ausgeübt hätte“, fügte sie lächelnd hinzu. Stattdessen wurde sie Kfz-Mechatronikerin, und zwar mit der Fachrichtung System- und Hochvolttechnik: Damit ist sie fachlich bestens gerüstet für Elektrofahrzeuge. „Das ist ganz klar die Zukunft“, sagt sie.

Die junge Kfz-Mechatronikerin und die übrigen 23 Jahresbesten hätten Großes geleistet, sagte Rolf Meurer: „Danke, dass Sie sich für einen vernünftigen Beruf entschieden haben.“ Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, rief den „Spitzengesellinnen und -gesellen“ in seiner Festrede zu: „Sie sind das Wichtigste, das wir haben. Sie sind die Zukunft dieses Landes.“ Das Handwerk stecke voller Chancen, Tempo und Dynamik — da sei es wichtig, qualifizierte Persönlichkeiten als Mitarbeiter zu haben. „Wer dual ausgebildet wurde, der kann was“, betonte Ehlert und berichtete, dass die Zahl der Auszubildenden im Handwerk trotz weniger Schulabgänger steige: „Wir fangen an umzudenken.“

So verzeichnete die Kreishandwerkerschaft Niederrhein zum 30. September bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ein Plus von 9,8 Prozent. Im Rhein-Kreis Neuss beträgt der Zuwachs sogar 21,5 Prozent.

Tatsächlich stehen den Nachwuchshandwerkern zahlreiche Qualifizierungsmöglichkeiten offen.

Dazu gehören beispielsweise die Meisterprüfung oder Fortbildungen zum Techniker oder zum Betriebswirt des Handwerks. Insgesamt haben von 1 105 Auszubildenden in diesem Jahr 852 Auszubildende im Handwerk der Region (Rhein-Kreis Neuss, Kreis Viersen, Stadt Krefeld) ihre Gesellen- oder Abschlussprüfung bestanden — eine Erfolgsquote von 77,1 Prozent, wie Klaus Koralewski, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, berichtet.

Ein Fünftel der Absolventen waren Frauen. Verena Verlaak hat bereits mit der Meisterschule in Abendform begonnen. In drei Jahren will sie Meisterin sein. Ihr Chef Thomas Schmid sieht das gerne: „Wir sind happy, dass sich unsere Wege gekreuzt haben“, sagt er.

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