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Das Geschäft "Lieber unverpackt" hat am Samstag in Krefeld eröffnet

„Lieber unverpackt“-Laden : In Krefeld gibt es sogar die Brühe unverpackt

Am Samstag hat Annett Schendel ihr Geschäft „Lieber unverpackt“ in Krefeld eröffnet – die ersten Kunden sind begeistert.

Beherzt schiebt Anita Savic die kleine Schaufel in den Behälter mit Pasta tricolore und füllt ihr Einmachglas mit dem spiralförmigen Hartweizen. In ihrem Rucksack warten weitere leere Gläser, um im neuen „Lieber unverpackt“-Laden am Karlsplatz befüllt zu werden.

Freundin Anika Schumachers steht derweil an der großen Waage am Eingang des Geschäfts und zieht ein Glas aus ihrem Jute-Beutel, das sie zunächst abwiegen muss. Das angezeigte Gewicht von 0,623 Kilo wird am Ende an der Kasse abgezogen, wenn das Gefäß gefüllt ist. Die beiden jungen Mütter versuchen weitestgehend auf Plastik im Alltag zu verzichten und finden in dem neuen Laden am Rande der Krefelder Innenstadt nun eine weitere Möglichkeit, um plastikfrei einzukaufen.

„Du fühlst dich viel freier, wenn du nicht so viele Kunststoffverpackungen zu Hause hast“, sagt Anita Savic. Ihre Lebensmittel kaufen beide wenn möglich in Glasverpackungen oder biologisch abbaubaren Kartons, und füllen sie zu Hause um. „Ich finde den Zeitgeist, auf Plastik zu verzichten, sehr gut“, so Anika Schumachers. „Es wird einem allerdings nicht gerade leicht gemacht. Eigentlich muss die Industrie damit anfangen und nicht wir.“

In normalen Supermärkten fände man kaum etwas, das nicht in Kunststoff verpackt ist. Schon seit einiger Zeit verzichtet sie auf herkömmliches Shampoo und Duschgel und kauft es statt in flüssiger Form in Seifenform am Stück. Damit kann auch Ladeninhaberin Annett Schendel in ihrem Geschäft dienen. „Shampoo in seifenform ist unser Verkaufsschlager“, verrät sie. „Jeder der das benutzt, ist davon überzeugt.“ Die Geschäftsfrau  steht zwischen den Verkaufsflächen und beantwortet die Fragen der zunehmend hereinströmenden Kundschaft. Männer, Frauen und Kinder schieben sich durch die Gänge, begutachten das neue Konzept und füllen ihre mitgebrachten Dosen und Gläser. Annett Schendel hat einen zufriedenen Ausdruck im Gesicht. Nach nur einer Stunde Öffnungszeit ist der Laden voll. „Wir waren schon ganz gespannt, wie die Krefelder den Laden annehmen würden“, erzählt sie. „Wir haben im Vorfeld aber schon viele liebe Nachrichten über die sozialen Netzwerke bekommen.“

Schendel lebe selbst auch umweltbewusst und habe ihre Lebensweise als Anlass dazu genommen, den Unverpackt-Laden zu eröffnen. „Mit dem ganzen Müll kann es ja nicht so weiter gehen“, sagt sie. „Irgendwann reicht es. Wir müssen bei diesem ganzen Konsum mal einen Schritt zurück machen.“ In ihrem Geschäft bietet sie ein umfangreiches Sortiment an Naturprodukten und Lebensmitteln an. Neben den unverpackten Lebensmitteln findet man hier viele Waren für Küche und Bad. Beliefert wird sie von ausgewählten Naturgroßhändlern und Biolieferanten.

„Gibt es bei ihnen auch Käse, Eier und Brötchen?“. Kunde Richard Duzaar ist mit dem Fahrrad aus Oppum gekommen und würde gerne seinen kompletten Einkauf bei Annett Schendel erledigen. Dafür hat er seinen Rucksack randvoll mit Behältnissen in verschiedenen Größen gepackt. Leider bietet der Laden nicht genügend Platz, um zusätzlich noch Frischware zu verkaufen, erklärt Schendel ihm. Und so kommt heute fürs erste nur frisch gemahlener Kaffee in die wiederverwendete Krautsalat Verpackung von Richard Duzaar. „Ich habe mir gedacht, ich probiere das mal aus“, begründet er seinen Besuch. „Ich finde das Konzept gut und bin eh immer mit dem Rad unterwegs. Das ist umweltfreundlicher.“

Anita Savic und Anika Schumachers haben ihren Einkauf für heute beendet. Nudeln und Gemüsebrühe sind es geworden. „Das große Glas voll mit Nudeln für 1,95 Euro, da kann man nichts sagen“, so Savic. Ein bisschen bemängeln sie, dass die lose Verkaufsware in Plastikbehältern aufbewahrt wird statt in Glasbehältern. „Aber alles in allem ist es toll, dass es so einen Laden jetzt auch in Krefeld gibt“, sind sich beide einig.