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Corona-Krise: Unternehmen am Niederrhein zum Teil verzweifelt

Wegen Folgen der Corona-Pandemie : IHK: Unternehmen am Niederrhein zum Teil verzweifelt

Viele Firmen nutzen die Hotline der Industrie- und Handelskammer zur Corona-Pandemie. Die IHK ruft nun die Politik zum Handeln auf.

Aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie herrschen in vielen Unternehmen Ratlosigkeit und Existenzangst – vor allem in kleinen Firmen und bei Einzelunternehmern. Mehr als 800 zum Teil verzweifelte Unternehmer haben die Hotline-Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein allein von Mittwoch bis Freitagvormittag beraten. „Wir haben unser Hotline-Team von zunächst zwölf auf inzwischen 32 Kollegen aufgestockt, damit die betroffenen Betriebe möglichst schnell einen Ansprechpartner erreichen“, berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Unsere Mitarbeiter versuchen, auf alle Fragen Antworten zu geben, auch wenn das bei der Dynamik der Entwicklung und der Vielfalt und Komplexität der Fragestellungen nicht immer einfach ist.“

Von den rund 80 000 Mitgliedsunternehmen der IHK Mittlerer Niederrhein sind mehr als 50 000 Kleingewerbetreibende, die meisten davon sind sogenannte Solo-Unternehmer. „Diese Betroffenen fragen schlicht danach, wie sie ihre Existenz sichern und ihr Leben finanzieren können“, berichtet Steinmetz. Die IHK-Berater empfehlen den Unternehmen, die Stundung von Steuern oder die Reduzierung der Vorauszahlungen zu beantragen. Inzwischen gibt es dafür vereinfachte Antragsformulare. Die IHK-Mitarbeiter raten betroffenen Unternehmen jetzt auch dringend dazu, mit ihren Hausbanken über die Erhöhung von Kreditlinien zu sprechen und mit Kunden und Lieferanten über die Aussetzung von Aufträgen oder die Stundung von Rechnungen zu reden. „In dieser schwierigen Lage sollten alle gemeinsam nach Lösungen suchen: Kunden und Lieferanten, Mieter und Vermieter, Pächter und Verpächter“, appelliert Steinmetz. „Es ist jetzt nicht die Zeit, um auf vertragliche Details zu pochen.“

Auch bei den Banken warb Steinmetz für Kulanz und unbürokratisches Handeln. Für die betroffenen Betriebe gehe es jetzt vor allem um Liquidität. Daher häufen sich bei der IHK-Hotline auch die Fragen nach den angekündigten Finanzhilfen von Land und Bund.

Für großen Beratungsbedarf sorgt auch der Erlass der Landesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Dazu gehören zahlreiche Schließungen und Beschränkungen. Betroffen sind unter anderem die Gastronomie, weite Teile des Einzelhandels, die Freizeit- und die Tourismusbranche, aber auch eine Reihe von Dienstleistern. „Viele Unternehmen wissen nicht, ob sie schließen müssen oder nicht“, so Steinmetz. „Unsere Berater helfen den Betrieben dabei, den Erlass zu interpretieren und umzusetzen – Gesundheitsschutz und Kontaktreduzierung haben dabei natürlich Priorität.“

Die Hotline-Mitarbeiter erreichen auch viele Fragen zum Kurzarbeitergeld. Die IHK arbeitet dabei eng mit den Arbeitsagenturen zusammen. Unternehmen, die Mini-Jobber beschäftigen, können für diese 450-Euro-Kräfte kein Kurzarbeitergeld beantragen und müssen weiter Lohnfortzahlungen leisten. „Es wäre sinnvoll, in diesen Fällen auch Kurzarbeitergeld möglich zu machen“, sagt Steinmetz an die Adresse der Politik. Der IHK-Hauptgeschäftsführer begrüßt die bisher von der Landes- und Bundespolitik angekündigten Finanzhilfen. „Der Faktor Zeit ist jetzt entscheidend: Kommende Woche sollte Geld fließen“, appellierte Steinmetz. Für Bürokratie und aufwändige Prüfungen sei jetzt keine Zeit. „Vielen Firmen brechen alle Einnahmen weg“, so Steinmetz. „Mieten, Pachten und weitere Fixkosten müssen aber gezahlt werden.“

Steinmetz fordert für NRW nach dem Vorbild Bayerns einen staatlichen Notfallfonds für Kleinunternehmen mit dem Ziel, Insolvenzen zu verhindern, damit nach Beendigung der Krise die Geschäftstätigkeit wieder aufgenommen werden kann. „Für viele Kleinunternehmen wäre dieser Fonds eine wichtige Stütze bei den derzeitigen massiven Einnahmeausfällen.“

Die IHK beantwortet viele Fragen zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie auch online auf mittlererniederrhein.ihk.de/22414. Sie entwickelt derzeit außerdem Webinare und einen Newsletter zur Information betroffener Betriebe. Unternehmen, die Fragen rund um das Thema Corona-Virus haben, können sich telefonisch und per E-Mail an die IHK-Hotline wenden unter 02151 635 424 beziehungsweise corona@mnr.ihk.de.