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Corona: Krefelder halten Abstand und bleiben mehr und mehr zu Hause

Ein Spaziergang durch die Stadt : Krefelder halten Abstand und bleiben mehr und mehr zu Hause

Am Wochenende war auf den Straßen, in den Parks und am Rhein deutlich weniger los als noch in den Tagen zuvor. Ein Rundgang, der von Ruhe, Hunden und einem frühzeitigen Angebot geprägt war.

Es weht kräftig vom Rhein her, der Wind trägt ein Blatt vom Ufer in Richtung Uerdinger Marktplatz. Das Blatt schwebt und dreht seinen Weg ganz ungehindert. Am Ufer sind oben und unten gelegentlich Leute zu sehen, in der Regel zu zweit, maximal zu dritt. Ein kleines Mädchen rennt Runden um ihre Mutter, ein Radfahrer ruft der Frau neben sich zu, dass er „diesen Hype um das Klopapier“ nicht mitmacht. Auf dem Marktplatz parken die Autos nur vorne zur Niederstraße hin, der Rest ist weitgehend zu haben. An der Niederstraße haben die vielen Bäcker, die Drogerien, der Metzger noch geöffnet, ein Blatt stieße aber auch hier kaum auf Hindernisse. Ein Kaffeehaus bittet die Gäste einzeln einzutreten. Mehr Menschen trifft man im Einkaufszentrum, lauter wird es dennoch nur wegen des kontinuierlichen Piepens der Scanner an den Kassen und durch die Band The Proclaimers, deren Hit hier gerade zu hören ist. I would walk 500 miles. Die Kunden halten ihre Einkaufswagen dicht am Bauch und schieben so den Sicherheitsabstand vor sich her. An der Kasse zeigen gelb-schwarze Klebestreifen auf dem Boden, wo der nächste Kunde warten soll. Ein Mann trennt seine Einkäufe auf dem Band mittendrin. Die andere Hälfte ist für die Nachbarin.

Am Donnerstag waren die Krefelder wegen des guten Wetters und trotz der Bitten aus dem Rathaus und dem Fernsehen noch in großer Zahl unterwegs. Am Freitag wurden es bei gesunkenen Temperaturen merklich weniger Menschen, am Wochenende sah es dann wie am Freitag aus, obwohl die Sonne zurückkehrte. Ein Bild, das bei einer Ausgangssperre kaum ein anderes wäre. Der einzige Satz in den Staunachrichten im Radio: „Nix los auf den Straßen.“

Im Stadtwald gibt es gleich eine ganze Reihe Besucher, die sich nicht an den Sicherheitsabstand hält: die Hunde. Das Verhältnis Vier- zu Zweibeiner liegt gefühlt bei eins zu zwei. Wer nicht mit dem Hund raus ist, hat Stöcke dabei und/oder kurze Hosen an. An den Spielplätzen flattert kein rot-weißes Band, trotzdem sind sie leer. Vor dem Stadtwaldhaus ist aus den Tischen und Bänken eine rot-orangefarbene Burg gebaut worden, einige wenige Biermöbelstücke stehen daneben, zwei werden auch genutzt. Am Wasser setzen sich zwei Männer, die so miteinander reden, dass sie seit Jahrzehnten Freunde sein müssen. Der eine nimmt die letzten Quadratzentimeter ganz links auf der Bank, der andere die ganz rechts. An der Hüttenallee stehen noch weniger Autos als in Uerdingen.

In der vergangenen Woche waren zunächst Schulen und Kitas geschlossen worden, die Öffnungszeiten von Restaurants nach und nach auf Null beziehungsweise Abholen und Liefernlassen reduziert worden. Geschäfte, die keine Waren für den täglichen Bedarf verkaufen, blieben zu, Busse und Bahnen fahren nur noch wie samstags oder wie in den Ferien.

In der Innenstadt sieht es nun unabhängig von der Uhrzeit immer nach Ladenschluss aus. An der Rheinstraße, an der man normalerweise freitags einen Parkplatz erwischen muss, wenn man dort samstags stehen will, gibt es die volle Auswahl. Geöffnet haben die Bäckereien, die zum Teil sämtliche Möbel weggeräumt haben, eine Eisdiele, Cafés, ein Feinkostgeschäft. An meisten Glastüren hängen handgeschriebene Zettel mit guten Wünschen und freundlichen Hinweisen, wie man die dort sonst angebotenen Waren oder Dienstleistungen übers Telefon oder Internet erhält. In einem Schaufenster steht: „Osterprodukte – jetzt zum halben Preis.“