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Corona in Krefeld - So lief der Start der Freibadsaison im Badezentrum Bockum

Badezentrum Bockum : Freibäder öffnen in Corona-Krise: So lief der Start in Krefeld

Das Freibad im Krefelder Badezentrum Bockum hat wieder geöffnet. Doch wie läuft ein Besuch in der Corona-Krise? Unser Autor hat es sich angesehen.

Auf dem Gelände vor dem Eingang des Badezentrums sieht es aus wie auf einem Rollfeld. In dicker, greller Farbe sind Markierungen auf den Boden gezeichnet. Unübersehbar sind sie. Eindringliche Aufforderungen – ohne Worte. Der Mindestabstand ist dort aufgemalt, Pfeile für die Laufrichtung. Es ist alles vorbereitet für den großen Ansturm. Was jedoch fehlt, sind die Menschen am Samstagmittag, eine halbe Stunde nach der Eröffnung des Freibades. Die Tore sind offen, doch von Warteschlangen und Gedränge ist keine Spur. Und das bei sommerlichen Temperaturen um die Mittagszeit. Es ist eben alles noch nicht so wie früher.

Schwimmmeister Kowal: „Wir lernen aus den Erfahrungen“

Am Eingang will eine Frau wissen, warum sie als Besitzerin einer Jahreskarte jetzt bei jedem Besuch eine Registrierung ausfüllen muss. Sie schüttelt verständnislos den Kopf. Mehr ist am Tor gerade ohnehin nicht los. Der erste Tag beginnt sehr gemächlich.

Sein langes, blondes Haar weht im Wind. Seine wachsamen Augen verbirgt Sebastian Kowal hinter einer Sonnenbrille. Viel hat er gesehen und erlebt in seinem Berufsleben. Im August steht das Jubiläum des Schwimmmeisters an. 25 Jahre ist er dann im Badezentrum beschäftigt. Spannende Tage liegen nun vor ihm und seinen Kollegen. Die Aufgaben haben sich für ihn durch die Corona-Maßnahmen nun noch erweitert. Er soll im Notfall nicht nur Menschen vor dem Ertrinken retten, sondern auch auf dem Trockenen Besucher zur Ordnung rufen, die sich nicht an die neuen Regeln halten. Er muss ihnen Laufwege zeigen, er muss auf die Abstände pochen, er muss Gruppenbildungen verhindern. Eine Art Ordnungshüter. Die ersten Gäste hat er schon auf die Neuerungen hingewiesen. Da ist es ihm ganz recht, dass am Samstagmittag zur Eröffnung der Außenfläche nur wenige Besucher vorbeischauen. „So kann man sich auf die vollen Tage besser vorbereiten.“ Eine außergewöhnliche Zeit sei das eben, so Kowal.

Neben ihm rauscht das Wasser. Dass man so etwas hört, ist ein Indiz, dass die Kapazitätsgrenze von 175 Schwimmern im Sportbecken noch lange nicht erreicht ist. Es sind vielleicht 15. Es geht noch sehr gesittet zu. „Wir lernen aus der Erfahrung, um in Zukunft besser vorbereitet zu sein“, sagt der Schwimmmeister. Im Becken haben sie mehrere Bahnen mit Leinen abgesteckt. Es geht dort nur in eine Richtung, aber immer mit Mindestabstand. Drei Meter nach vorne, zwei Meter zur Seite. Ein Einstieg, ein Ausstieg. Schwimm-Autobahn nennen die Planer es hier.

Krankenschwester Angela Huhn: „Ich habe es echt vermisst“

Am Eingang zum Sportbecken gibt es nun ein Einlasssystem mit Münzen. Pro Badegast im Becken nimmt ein Sicherheitsmann eine der 175 Münzen aus einem grünen Eimer und legt sie in den roten daneben. Da keine Schlangen entstehen sollen, müsse man schauen, ob man im Notfall auch mal das Becken räumen müsse, um auch anderen wartenden Schwimmern die Gelegenheit zu geben, ins kühle Nass abzutauchen, erzählt Matthias Pasch vom Fachbereich Sport und Sportförderung. Von Warteschlangen ist nichts zu sehen. Wenige Besucher verlieren sich auf dem riesigen Areal. 100 000 Quadratmeter, das sind 14 Fußballfelder. In den beiden vergangenen heißen Sommern lagen hier die Leute dicht nebeneinander. Tausende tummelten sich in den beiden Außenbecken.

Doch am Samstag und Sonntag kommen jeweils nicht mehr als 100 Personen. „Die Öffnung ist für uns ein Schritt in die Normalität“, sagt Matthias Pasch. „Es ist ein Angebot in erster Linie an die Familien. Wir wollen erst einmal Erfahrungen sammeln und schauen, dass die Besucher eine gute und sichere Zeit haben. Wir rechnen mit einem deutlich höheren Zuspruch in den nächsten Tagen.“

Kritik erntet Pasch von Viel-Schwimmern wie Axel Granzow. Warum wird das Bad erst um 12 Uhr geöffnet? Überhaupt gäbe es zu wenig Schwimmzeit. Außerdem: Zu viel Sicherheitspersonal. „Wir Schwimmer sind genervt.“ Andere Badegäste aber sind wohlwollender gestimmt mit den neuen Regeln und Umständen. „Es hat mir echt gefehlt“, sagt Martina Reese. In der Vorwoche war sie schon in Lörick. Am Samstag gehörte sie in Bockum zu den ersten Gästen. Die Leute seien froh, wenn sie überhaupt mal wieder schwimmen können.

Das trifft auch auf Angela Huhn zu: „Ich habe es echt vermisst.“ Die Krankenschwester geht regelmäßig schwimmen. Sie genießt die Sonne. Die Schwimm-Autobahn kenne sie schon aus der Halle. „Die Maßnahmen sind ausreichend“, sagt sie. Fühlt sie sich denn sicher mit den ganzen Vorkehrungen? „Ich habe keine Angst, aber Respekt vor dem Virus“, sagt sie.