Colonia Dignidad: H.s neuer Anwalt erklärt sich

Colonia Dignidad: H.s neuer Anwalt erklärt sich

Krefeld. Am Donnerstag hat der neue Strafverteidiger des Ex-Sektenarztes Hartmut H. eine Erklärung an die Medien verbreitet. Helfried Roubicek, so der Name seines recht prominenten Rechtsanwaltes aus Bögerende bei Rostock, der etwa derzeit den Reemtsma-Entführer Thomas Drach verteidigt, stellte darin unter anderem klar, dass es richtig sei, das H. derzeit in Krefeld wohnt.

Richtig sei auch, dass es ein Ermittlungverfahren gegen seinen Mandanten wegen verschiedener Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft Krefeld gebe. Allerdings sei es falsch, dass es einen Auslieferungsantrag aus Chile gebe.

H. bestreitet über seinen Anwalt, an "Kinderschändungen" beteiligt gewesen zu sein - mit aller Entschiedenheit, wie es in der Erklärung heißt. Er wolle alles in seiner Macht stehende unternehmen, um seine Unschuld bezüglich aller Vorwürfe zu beweisen.

H. war in Chile wegen Beihilfe zum Kindesmissbrauch in der berüchtigten deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad verurteilt worden und hatte sich vor Inkrafttreten seiner Haftsstrafe nach Deutschland abgesetzt. Hier wohnte er einige Zeit in Willich, bevor er im Sommer 2011 nach Krefeld-Linn ziehen wollte. Als dies unter anderem in den Medien bekannt wurde, hob die Wohnstätte auch auf Druck der designierten Nachbarn von H. einvernehmlichmit ihm den Mietvertrag wieder auf. Seitdem wohnt er mit seiner Frau im Bereich der Alten Kirche in der Krefelder Innenstadt.

In der Colonia war H. Arzt und angeblich zweiter Mann nach dem inzwischen in Haft verstorbenen Sektengründer Paul Schäfer, der unter anderem wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden war. Die Siedlung soll auch eine unrühmliche Rolle während der chilenischen Pinochet-Diktatur in den 70er und 80er Jahren gespielt haben. Unter anderem sollen dort Opfer des Geheimdienstes gefoltert worden sein.

Außer den Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Urteil gegen H.

in Chile wurden gegen den Ex-Sektenarzt auch neue Strafanzeigen unter anderem von Menschenrechtsorganisationen gestellt. vobu

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