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Christian Heinrich: Stahl wird immer gebraucht

Wirtschaft : Christian Heinrich: „Stahl wird immer gebraucht“

Der Uerdinger Familienbetrieb Huisgen und Heinrich handelt seit 200 Jahren und heute in der sechsten Generation mit Stahl.

Die Uerdinger Familiendynastie der Handelskaufleute Huisgen und Heinrich ist 200 Jahre alt: Christian Heinrich, geschäftsführender Gesellschafter des Traditionsunternehmens Franz Huisgen Stahl Rohre Edelstahl, führt den Familienbetrieb in der sechsten Generation. Die Geschäftsführung teilt sich der 46-Jährige mit seinem Vater Jürgen, der trotz seiner 83 Jahre noch tatkräftig mitwirkt. „Unsere Aufteilung der Arbeit funktioniert, wir ergänzen uns gut“, betont der Sohn. Vom Vater habe er gelernt: „Stahl wird immer gebraucht.“ „Womit er recht hat“, kommentiert er dessen Erkenntnis.

Damals gab es in Uerdingen noch zweistellige Telefonnummern

Firmengründer Franz Huisgen habe sich anno 1820 ganz offensichtlich die richtige Branche ausgesucht, die selbst in Krisenzeiten noch funktioniere. „Wir sind stolz auf unseren Traditionsbetrieb, und ich setzte alles daran, dass er möglichst lange erhalten bleibt“, sagt der Vater zweier Kinder und verweist auf die erfolgreiche Historie (siehe Kasten). Auf seinem Schreibtisch breitet er alte Fotos aus. Sein Favorit ist eine Zeichnung des Firmengebäudes an der Bahnstraße, die um 1910 als Briefkopf diente und im Hintergrund eine Dampflok zeigt – etwa dort, wo auch heute noch der Uerdinger Bahnhof liegt. Auf dem Bogen abgebildet ist der Fernmeldeanschluss mit der zweistelligen Telefonnummer 45. Mehr Anschlüsse gab es damals in Uerdingen noch nicht.

Aussagekräftig ist außerdem die abgebildete Reichsamt-Giro-Kontonummer des Unternehmens beim Postscheckamt Köln: 3384. So wenig Konten gab es seinerzeit in der gesamten Großregion Köln, davon 84 in Krefeld. „Wir sind eines der ältesten Krefelder Unternehmen“, sagt Christian Heinrich. Spontan fällt ihm noch Alberdingk Boley ein, das 1828 gegründet wurde. „Leider gibt es nicht mehr viele Erinnerungsstücke aus früherer Zeit“, bedauert er und zeigt ein Werkzeugbuch mit Produkten, die längst aus dem aktuellen Sortiment verschwunden sind. „Das hat ein Kunde von uns mitgebracht, und ich habe es ihm abgekauft.“ Ein Relikt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs ist ein Bogen mit Eisenmarken. Vergleichbar mit den damals an die Bevölkerung verteilten Lebensmittelbezugsmarken wurde für Handwerker der Bezug von Eisen rationiert und nur gegen Marken ausgeteilt.

Erheblich verändert habe sich in den zwei Jahrhunderten das Produktangebot. Heute gibt es ein vielfältiges Sortiment, von Flachstahl über Winkel-, Rund- und Vierkantprofile, T- und U-Stahl bis hin zu Rohren. Je nach Rostschutzbedarf wird der Stahl verzinkt oder als Edelstahl oder Aluminium verkauft. Mit modernen halb- und vollautomatischen Sägeanlagen wird das Langmaterial auf Wunschmaß geschnitten und mit Gehrung versehen. Bestellt wird über den Onlineshop, geliefert meist schon am nächsten Tag. Dafür sorgt regional ein kleiner Fuhrpark aus drei LKW. Handwerker lassen sich Teile für die Baustelle gerne schon vor Arbeitsbeginn passend zuschneiden. Überregional übernehmen Speditionen die Lieferung. Bezogen wird das Material aus Stahlwerken benachbarter EU-Länder. „Der Stahlstandort Deutschland hat ja kaum noch Hochöfen“, sagt Heinrich. Krananlagen im Lager und Sägeautomaten mit Bearbeitungsprogrammen haben die Handarbeit verringert. „Unsere 18 Mitarbeiter sind überwiegend hochqualifizierte Fachkräfte, um diese Maschinen bedienen zu können.“ Ebenso wichtig sei die Qualität des Personals für den Rundum-Service, der die Kunden fachlich berät. Der Familienbetrieb zählt zu den drei großen Stahlhändlern in Krefeld.