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Christian Ehring moderiert ein Konzert zugunsten des Kinderschutzbundes

BENEFIZ : Ohne Pauken, aber mit Trompeten

Kabarettist Christian Ehring moderiert zugunsten des Kinderschutzbundes das Konzert „Ehring hat Blechcontakt“ in der Friedenskirche. Dazu gibt es heitere Kommentare zur Politik und ganz viel Musik.

Ein Konzert am Sonntagmittag, verpackt in einen humorvollen Rahmen, ist in Krefeld eine Erfolgsformel. Seit fünf Jahren gibt es das Format „Ehring hat Blechcontakt“ – einem Benefizkonzert zugunsten des Krefelder Kinderschutzbundes. Die Veranstaltung ist beliebt und hat mit dem Kabarettisten Christian Ehring seit Jahren einen prominenten Förderer, der auch diesmal die Veranstaltung in der Friedenskirche moderiert und sie zwischen den Musikstücken des Blechbläserensembles mit satirischem Humor bereichert hat.

Ohne Pauken, aber mit Trompeten, Posaunen, Hörnern und einer Tuba zeigen die elf Blechbläser von BlechCONTakt mit Dirigent Martin Müllbauer, welch blendende Akustik die Friedenskirche hat. „Die Akustik hier ist immer noch besser als die der Elbphilharmonie“, flachst Ehring, nachdem es dort zuletzt aus bestimmten Saalteilen Beschwerden gab.

Orchester führt das Publikum musikalisch durch Europa

Thema des Konzerts ist Europa, was sich an dem folgenden Streifzug durch die Musik von Komponisten aus dem ganzen Kontinent zeigt. Das Motto passe zur Herkunft des Ensembles, das seinerzeit von zwölf Studenten der RWTH Aachen als Uni-Orchester gegründet wurde, erläutert Ehring. Er verweist auf das jüngste Treffen von Emanuel Macron und Angela Merkel in Aachen, die dort die deutsch-französische Freundschaft aufgefrischt haben.

Der Kabarettist ist ein glühender Verfechter eines geeinten Europas und stellt seine satirischen Ausführungen auf das musikalische Motto Europa ein. Die Komponisten hätten früher an feudalen Fürstenhöfen gearbeitet. Ähnliche Auswüchse in Deutschland könne man heute etwa noch bei einer Chefarztvisite im Krankenhaus erleben. Oder in absolutistischen Ländern wie Saudi-Arabien mit einem Frauenbild wie im Mittelalter. Jenes Land, das Donald Trump als eines der ersten besuchte. „Klar finden es die Scheiche toll, jemanden zu treffen, der noch radikaler ist als sie selbst“, sagt Ehring. Das Publikum lacht.

Musikalisch beginnen die Blechbläser mit bekannten Klängen von Johann Sebastian Bach, gefolgt von vier Stücken, die von beschwingt bis getragen die große Bandbreite des Komponisten erklingen lassen. Musik aus der französischen Renaissance bietet die Cathedral Suite eines englischen Komponisten. Was Ehring das Stichwort liefert – den Brexit. Dieser habe Großbritannien zutiefst gespalten, und nun solle der Anstifter Boris Johnson auch die Suppe auslöffeln. Der Kabarettist verweist augenzwinkernd auf die Errungenschaften, auf die die Menschen im Fall des Brexits künftig verzichten müssen. Die Deutschen auf After Eight und warmes Bier, die Briten auf deutsche Wurst, italienische Pasta, französischen Käse und spanische Tapas und Weine.

Musikalisch geht es weiter mit dem französischen Komponisten Georges Bizet und Ausschnitten aus der Oper Carmen, die in einem furiosen Finale der Blechinstrumente enden. Für Ehring das Zeichen, sich den Südeuropäern zu widmen. Deutschland sei nicht ganz unschuldig an der EU-Krise. Man achte zu viel auf Klischees, die meist nicht stimmen. So sage man den Südländern nach, sie seien faul, aber nur beim Griechen sei die Küche bis weit nach Mitternacht geöffnet. Ernst gemeint ist hingegen sein Vorwurf, die EU sei scheinheilig, wenn sie Asylanträge erst erlaube, wenn man es bis nach Europa geschafft habe. „Und diese Art der Abschreckung nennt sich christliches Abendland?“ – dafür gibt es in der Kirche viel Beifall.

Das Konzert endet mit Londonderry Air, einer volkstümlichen irischen Melodie, die in Nordirland als inoffizielle Nationalhymne gespielt wird, gefolgt von einem furiosen spanischen Finale, bei dem man im Geist den Torero vor sich sieht.