Krefeld: Chef von umstrittenem Pony-Karussell: "Ich tue alles für meine Tiere"

Krefeld : Chef von umstrittenem Pony-Karussell: "Ich tue alles für meine Tiere"

Stefan Kaiser hat das Recht erstritten, mit seinen Vierbeinern auf der Frühjahrskirmes in Krefeld dabei sein zu dürfen. Die Verwaltung fürchtet erneut Protestaktionen.

Krefeld. Die Vierbeiner Max, Tufu und Pei stehen ganz entspannt auf dem dichten Grün neben dem Sprödentalplatz. Keine 100 Meter entfernt bauen zwei Arbeiter in schwindelerregender Höhe die Konstruktion für das 30 Meter hohe und 125 Tonnen schwere Riesenrad auf. Nebenan wird die Fahrbahn des Autoscooters von Schausteller Peter Loosen gesäubert. Im Essbereich werden die Vorräte aufgefüllt. Drei Tage vor Eröffnung der Frühjahrskirmes herrscht Hochbetrieb auf dem Sprödentalplatz.

Foto: Bischof, Andreas (abi)

Dass auch Stefan Kaiser mit seiner Manege dabei sein darf, hat das Verwaltungsgericht in Düsseldorf in der vergangenen Woche entschieden. Nachdem die Stadt Krefeld versucht hatte, das Ponyreiten auf der Frühjahrskirmes zu unterbinden, ging der Tierlehrer gerichtlich gegen das Verbot vor. Mit Erfolg.

Jetzt stehen seine 15 Tiere (14 Ponys und ein Esel) auf dem dichten Grün neben dem Sprödentalplatz. „Ich mache nichts Verbotenes“, sagt der Tierlehrer und ergänzt: „Wir stehen ständig unter Beobachtung des Veterinäramtes. Wie soll es da überhaupt zu Verfehlungen bei der Haltung kommen? Jeder kann zu mir kommen und sich anschauen, wie es den Tieren bei uns geht.“

Während die Tiere auf der Weide grasen, wird die Reitanlage aufgebaut. Foto: Andreas Bischof

Die Worte sind vor allem an die Tierschützer gerichtet, die in der Vergangenheit auf den Kirmes- und Zirkusveranstaltungen auf dem Sprödentalplatz gegen die Haltung und das Vorführen von Tieren auf solchen Veranstaltungen demonstrierten.

Die Protestler sind nach Angaben von Stadtsprecher Manuel Kölker auch der Grund gewesen, warum die Stadt das Ponyreiten untersagen wollte. „Laut Polizei wurden bei vergangenen Veranstaltungen Kirmesbesucher von den Demonstranten bei den Protesten angegangen“, so Kölker. Um solche Umstände in diesem Jahr zu verhindern, entschied die Verwaltung, das Ponyreiten einfach zu verbieten — jedoch ohne ausreichende Begründung, wie die Richter in Düsseldorf befanden.

Kaiser ist erleichtert, gesteht aber auch: „Es ist schon verletzend, wenn einem wildfremde Leute unterstellen, man würde sich schlecht um seine eigenen Tiere kümmern. Ich bin auch für den Tierschutz und tue alles für meine Ponys.“ Kritiker könnten sich zu jeder Zeit an der Kasse an der Manege melden. „Ich spreche mit allen, die Fragen haben oder diskutieren wollen. Den Tieren fehlt es hier an nichts. Wir haben hier eine Weide, aber auch feste Ställe.“

Tierschutzorganisationen kritisieren hingegen, dass die Kontrollen von Tieren, die auf Zirkus- und Kirmesveranstaltungen gehalten würden, nicht weit genug gingen. Als Beispiel nennt beispielsweise Peta, nach eigenen Angaben Deutschlands größte Tierrechtsorganistaion, die Kontrolle von Ruhezeiten: „Den Veterinärbehörden ist es [...] gar nicht möglich, die Pausenzeiten für die Ponys zu überprüfen, weil dies die Anwesenheit eines Amtstierarztes von mindestens vier Stunden voraussetzen würde. Kein Veterinäramt hat Kapazität, um solche zeitaufwendigen Kontrollen zu leisten.“ Die Tiere seien demnach dem Willen der Schausteller „ausgeliefert“.

Ob es auch bei dieser Frühjahrskirmes wieder zu Demonstrationen kommen wird, ist nach Angaben der Polizei noch nicht klar. „Wir haben bislang lediglich Anmeldungen von Schaustellern, die an den Kirmes-Wochenenden vor der Reitanlage protestieren wollen. Angemeldete Demonstrationen von Tierschützern sind uns noch nicht bekannt“, sagt eine Polizeisprecherin. Die Stadt geht hingegen davon aus, dass es auch in diesem Jahr Proteste geben wird.

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