Chancen und Vorurteile: Schlaue Mädchen, dumme Jungs?

Chancen und Vorurteile: Schlaue Mädchen, dumme Jungs?

Auf einer Tagung für Pädagogen will die Stadt Impulse geben, wie Kinder gezielter und gerechter gefördert werden können.

Krefeld. Jungs wollen immer nur kämpfen und toben. Mädchen wollen tanzen und spielen. Stimmt das? Christine Weinbörner bezweifelt das. Ebenso wie die Annahme, dass Jungen in der Schule schlechtere Noten als Mädchen haben, weil sie dümmer sind. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Krefeld lädt deshalb am Donnerstag, 13. Januar, mit den Fachbereichen Jugendhilfe und Schule zu einer Fachtagung in der Fabrik Heeder ein. Der Titel „Schlaue Mädchen — dumme Jungen?“.

In dieser ganztägigen Veranstaltung für Lehrer und pädagogische Kräfte wollen verschiedene Referenten mit den klischeehaften Rollenbildern aufräumen. „Grund hierfür ist die neu entbrannte öffentliche Diskussion über Jungen als Bildungsverlierer und die Annahme, dass die Feministinnen in den 1980er Jahren daran schuld gewesen seien“, sagt Weinbörner. Die damalige Frauenbewegung hatte sich gezielt für die Förderung von Mädchen in Schule und Beruf eingesetzt.

Während noch in den sechziger Jahren das katholische Arbeitermädchen vom Lande als Bildungsverliererin galt, ist es heute eher der Großstadtjunge aus bildungsfernen Schichten, womöglich mit Migrationshintergrund. „Mädchen lernen einfach anders — schlauer sind sie nicht“, erklärt Birgit Maier-Koenigs, die im Bereich Jugendhilfe Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen ist. Dieses Thema interessiere sie schon lange, doch in der Pädagogik sei es nicht bekannt. „Dabei sind Mädchen und Jungen anfangs in Kindergarten und Schule völlig unbedarft, die Rollenausprägungen kommen erst später.“

Ebenso wie Maier-Koenigs wünschen sich auch Katrin Weisker vom Fachbereich Schule und Guido Trappmann vom Fachbereich Jugendhilfe, dass pädagogisches Personal im Rahmen seiner Ausbildung für die Ungleichheiten zwischen Jungen und Mädchen sensibilisiert wird. Vor allem, um zu helfen, sie zu überwinden. Das sei bis heute nicht der Fall. Wie tief sich verschiedene Rollenbilder bei vielen eingebrannt haben, verdeutlicht Trappmann mit einer simplen Frage: „Würden Sie eine Dachdeckermeisterin mit der Sanierung Ihres Dachstuhls beauftragen?“ Doch selbst wenn - wer bildet Mädchen in diesem Beruf aus und wieso wählen so wenige einen solch soliden Handwerksberuf aus?

„Immer noch entscheidet sich die Mehrheit der Schulabgänger für die klassischen Männer- und Frauenberufe. Das sollte sich ändern. Bei der Tagung kommen Jugendliche selber zu Wort: in Form der neuen Mobilen Theatergruppe. Sie wollen die Erwachsene mit „Schlauen Szenen — dummen Szenen“ für das Thema sensibilisieren.

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