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Caritas Krefeld: Nach 20 Jahren geht Hans-Georg Liegener in den Ruhestand

Caritasverband : Mit feinem Humor, kleinen Spitzen und ohne Intrigen

Es gibt einen Stabwechsel bei der Caritas – Delk Bagusat folgt auf Liegener zum Jahreswechsel.

Vor ihrem Chef sind die Mitarbeiter auf der Verwaltungsetage im Caritas-Haus am Hauptbahnhof nie sicher. Bevor er zum Telefonhörer greift, „flitzt“ Hans-Georg Liegener – so sagt er selbst – lieber schnell ins nächste Büro, um Dinge persönlich zu besprechen. Damit ist bald Schluss, denn für den Vorstandssprecher des Caritasverbandes für die Region Krefeld sowie zusätzlich Geschäftsführer der Krefelder Caritasheime gGmbH enden zum Jahreswechsel die Verantwortlichkeiten. In Rente geht Liegener nach einer Übergangszeit als „Seniorenreferent“ im Haus dann am 1. April. Für ihn rückt Geschäftsführer Delk Bagusat nach.

Es ist eine heitere Ruhe und ein feiner Humor, die der Chef im Gespräch ausstrahlt. Kleine Spitzen kann er natürlich auch und nur Intrigen bringen ihn in Rage. Dass zur Caritas für Krefeld und Meerbusch heute 37 Einrichtungen mit rund 1250 hauptamtlichen sowie rund 300 ehrenamtlichen Mitarbeitern gehören, ist auch ihm zu verdanken. Der Caritasverband und die Krefelder Caritasheime gemeinnützige GmbH erreichten gemeinsam im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 53 Millionen Euro. 

Liegeners erstes Anliegen lautet stets: „Not sehen und handeln. Das Leitmotiv der Caritas ist mir aus der Seele gesprochen. Es gilt, den Menschen Heil zu schenken, sie müssen nicht fromm werden.“ Es habe ihm immer Spaß gemacht, in der hohen Eigenverantwortung viel zu gestalten, sagt der 66-Jährige weiter und erklärt schmunzelnd: „Es ist wie ein größeres Familienunternehmen führen.“ Die besten Ideen und Problemlösungen findet er übrigens morgens beim Duschen, erzählt er freimütig.

Liegener erreichte viel: Ihm ist es gelungen, als Mitglied in verschiedenen Caritas-Gremien auf Bundes- und Landesebene maßgeblichen Anteil an Veränderungen in der gesamten Caritas zu haben und schaffte es, dass die Ortsebene der Caritas besser dasteht. „Darauf bin ich stolz.“ Zudem gelang ihm der Spagat zwischen hiesigem Wohlfahrtsverband und wirtschaftlich gesundem Unternehmen.

Denn die Caritas verzeichnete durchaus eine Zeitlang auch rote Zahlen. „Wir haben 2013 vor allem wegen der Krefelder Caritasheime die Reißleine gezogen. Die gemeinnützige GmbH schrieb Millionendefizite. Deshalb gab es personelle Veränderungen in der Geschäftsführung und zusätzlich ist ein Beratungsunternehmen engagiert worden.“ Schmerzlich sei es gewesen, beispielsweise die Familienhilfe und die Kurberatung schließen zu müssen.

Als auf eine andere Art als schmerzlich bezeichnet er die Tatsache, dass es nicht möglich sei, ein großes Unternehmen durchgängig von oben nach unten zu prägen. „Da baue ich auf die Loyalität der rund 80 Leitungskräfte.“ Als bekennender Uerdinger und „Kind der Stadt“ seit Geburt bis heute, hat er auch viel für die Krefelder erreicht, denn er sei schließlich ein Bürger, der Interesse an der Stadt habe, erklärt er. So war er Mitbegründer der Hospiz-Stiftung und seit Beginn deren Kuratoriums-Vorsitzender. „Nicht zuletzt haben wir das Hansa-Haus durch Sanierung und Bezug vor einer Zukunft als städtische Ruine bewahrt“, betont er.

Zu seinen Anfängen: „Nachdem ich elf Jahre die Regionalstelle der Kirche im Bistum Aachen für die Region Krefeld am Dionysiusplatz geleitet hatte, übernahm ich im August 2000 von Ernst Ludwig Giesen die Geschäftsführung des Caritasverbandes für die Region Krefeld. „Das war am Westwall, klein und beschaulich, mit 250 Mitarbeitern.“ Unter seiner Leitung wuchs der Verband und bezog die „Caritas-Hochburg“ Hansa-Haus. Sein Fazit hat der Theologe Liegener längst gezogen: „Ich bin kaum einen Tag nicht gerne zum Dienst gekommen. Wir pflegen den besten Teil von Kirche. Eben: Not sehen und handeln.“