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Polizei: Cannabis-Handel boomt in Krefeld

Polizei : Cannabis-Handel boomt in Krefeld

Die Polizei hat Konsumenten und Dealer im Blick. Der Anbau und Verkauf in Wohnungen ist ein dauerhaftes Problem.

Krefeld. Mit dem Dealen hat er nicht nur seinen Haschischkonsum, sondern auch seinen Lebensunterhalt finanziert. Das hat im August ein 26-Jähriger vor Gericht ausgesagt. Der junge Mann hat nach der Realschule keine Ausbildung gemacht und keinen Job gefunden. 3267 Euro Drogengeld haben Hauptkommissar Rainer Genent und seine Kollegen in der Wohnung des 26-Jährigen gefunden, in der er seit dem Sommer 2015 Cannabis verkaufte. „In Fällen wie diesem bekommen wir oft Hinweise aus dem Wohnumfeld“, sagt Rainer Genent. Er arbeitet im Kommissariat für Rauschgiftdelikte der Polizei in Krefeld.

Der markante Geruch, die vielen Menschen, die auch zu unüblichen Uhrzeiten durchs Treppenhaus laufen, fallen Nachbarn oder dem Vermieter auf. Bei der Durchsuchung der Wohnung finden die Beamten ein kleines Waffenarsenal. „Die Dealer wollen sich zum eigenen Schutz absichern — das kann vom Messer bis zur Schusswaffe gehen“, erklärt der Experte von der Polizei.

Nach der Wohnungsdurchsuchung fängt die Arbeit von Genent und seinen Kollegen erst richtig an. Sichergestellte Beweismittel müssen bewertet werden, Anwohner und andere Zeugen werden befragt. Am Ende werden der 26-Jährige und vier Mittäter des bandenmäßigen Drogenhandels überführt. Der Anführer wird zu gut sieben Jahren Haft verurteilt.

Ein Fall von vielen. 2015 hat die Krefelder Polizei 2237 Rauschgiftdelikte registriert. Davon hatten 515 mit Cannabis zu tun. „Es gibt aber ein riesiges Dunkelfeld“, sagt Polizeisprecherin Karin Kretzer. Die Zahl beinhaltet Verkäufer und Konsumenten. Besonders in der Innenstadt treffe Nachfrage auf Angebot. „Die Kontakte zu den Dealern verbreiten sich durch Mundpropaganda. Das fängt in den Schulen an“, sagt Kriminalkommissarin Julia Mühring.

„In fast jeder Klasse gibt es jemanden, der mit Cannabis in Berührung gekommen ist oder jemanden kennt“, sagt die Beamtin, die in Kooperation mit der Caritas zur Prävention in die Schulen geht, um Risiken deutlich zu machen. „Manche Jugendlichen sagen, dass sie Cannabis nehmen, weil sie dann alles vergessen können“, sagt Mühring.

Wie ihre Kollegen betont sie, dass die gesundheitlichen Folgen erheblich sein können — auch als Einstiegsdroge: „Ich sehe meine kleinen Erstkonsumenten auch groß und älter werden — nach dem ersten Joint wird es mehr und schlimmer“, sagt Anita Opdensteinen, die bei der Polizei aus 30 Jahren Erfahrung im Kampf gegen Drogen schöpfen kann. Problematisch sei, dass sich der THC-Gehalt, der berauschende Bestandteil der Hanfpflanzen, durch neue Anbaumethoden immer weiter erhöhe. „Das, was früher Abfall war, ist heute der beste Stoff“, sagt Thorsten Tobies, Leiter des Kommissariats Rauschgiftdelikte.

Das Kurzzeitgedächtnis könne maßgeblich beeinträchtigt werden. Gleichzeitig werden beim Handel Tricks angewandt, um den Stoff zu strecken. „Haarspray, Glas oder Blei machen es extra gesundheitsgefährdend“, sagt Rainer Genent. Auffällig sei, das der Eigenanbau im heimischen Wintergarten, in der Laube im Gartenbauverein oder gar in ganzen Lagerhallen beliebter werde. Hier schlage sich auch die Motivation der Konsumenten nieder: „Die sagen, dass sie ihr eigenes gesundes Gras rauchen wollen“, sagt Genent.

Aber auch den illegalen Import aus den Niederlanden haben die Beamten im Blick und arbeiten mit den Kollegen dort eng zusammen. Krefeld sei trotz der Nähe zu den Niederlanden kein Brennpunkt. „Es ist aber eine sehr populäre Droge“, sagt Anita Opdensteinen. Krefeld sei da kein „weißer Fleck“.

Am Dienstag steht wieder ein junger Mann vor Gericht. Er soll laut Anklage kiloweise Marihuana in seiner Wohnung für den Weiterverkauf gelagert haben. Als Bezahlung habe er Cannabis für den Eigenkonsum bekommen.