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Bunker-Schaden wird langsam teuer für die Tafel

Bunker-Schaden wird langsam teuer für die Tafel

Betonklotz ist eingerüstet, Reparaturtermin steht in der Sternen, Container kosten Geld. Wenigstens ist der Zugang wieder gesichert.

Die Stürme des Winters sind abgeflaut. Hansgeorg Rehbein ist darüber schon sehr erleichtert. Der Vorsitzende der Krefelder Tafel möchte mit seinen Mitarbeitern zur Normalität zurückkehren und die ist arbeitsreich genug. Doch noch ist es nicht soweit. Noch ist das Dach des Hochbunkers an der Friedrich-Ebert-Straße, das die Böen des Orkans Burglind Anfang Januar schwer beschädigt hatten, nicht repariert worden. Wohl aber ist das alte Bauwerk aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs nun von außen mit einem Gerüst versehen. „Der Zugang zum Bunker ist gesichert. Wir können ihn zumindest jetzt wieder betreten und unser Warenlager benutzen“, sagt Rehbein.

Bunker-Schaden wird langsam teuer für die Tafel

Der Mann ist 71 Jahre alt, steht seit 2012 der Tafel vor und hat zudem in den vergangenen Jahren die Flüchtlingshilfe in Krefeld koordiniert. Wann die Reparaturarbeiten am Dach des Hochbunkers endlich beginnen, oder ob das Dach sogar entfernt wird, kann der gebürtige Hagener, der 1978 nach Krefeld kam, noch nicht sagen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) mit Sitz in Bonn ist der Eigentümer. Im Weltkrieg sollte der Hochbau die Menschen vor den Fliegerbomben der Alliierten aus der Luft schützen, heute strahlt der in die Jahre gekommene Koloss aus Stahlbeton von seinem höchsten Punkt selbst eine Gefahr aus.

Vorsicht war über viele Wochen lang vor herabstürzenden Teilen geboten. Dann machte der starke Wind den Helfern der Tafel noch einen weiteren Strich durch die Rechnung. Ihr provisorisches Zelt auf dem benachbarten Schulhof der Gesamtschule Kaiserplatz, wo die Tafel nun die Lebensmittel verteilt, hielt nicht mehr stand. Mittlerweile gibt es dort Container als Ausgabestellen.

Im Bunker werden die länger haltbaren Waren gehortet. Lange kam die Tafel an diese Lebensmittel wegen der Sperrung des Gebäudes aber nicht heran. Zwischenzeitlich mussten die Mitarbeiter die Lebensmittel in den Fahrzeugen verstauen. In den kalten Wintermonaten war das über Nacht eine Alternative. Doch auch die gemieteten Container sollen nach Möglichkeit keine Lösung für mehrere Monate sein, wie Rehbein sagt. Etwa 1000 Euro habe die Miete für die zurückliegenden etwa drei Wochen schon gekostet. Ist das Dach endlich repariert, könnten die Helfer wieder ihren Tafelladen am Bunker zur Ausgabe nutzen.

Etwa 4000 Menschen, so rechnet Vorsitzender Rehbein, der bis 2011 Direktor der Volkshochschule war, versorge die Krefelder Tafel regelmäßig im Monat. Etwa 730 Tonnen Lebensmittel sind das mittlerweile im Jahr, Tendenz steigend. Den etwa 100 Sponsoren in Krefeld, die die Lebensmittel spenden, sei Dank. Der aktuelle Zustand ist zwar noch nicht optimal, Hansgeorg Rehbein aber macht sich keine Sorgen: „Menschen leiden nicht mehr darunter.“ Etwa 140 Ehrenamtliche arbeiten in festen Gruppen für die Tafel. Bis auf Sonntag gibt es an allen Tagen eine Ausgabe irgendwo in der Stadt, sei es auf dem Schulhof am Kaiserplatz, an der Kölner Straße, der Herbertzstraße, an der Bonifatiusstraße in Stahldorf, wo bis zu 1000 Bedürftige versorgt werden — die größte Ausgabe der Stadt, immer am Freitag. Samstags ist die Tafel an der Dionysiuskirche in der Stadtmitte. Da kommt schon einiges zusammen, auch ohne das Provisorium auf dem Schulhof der Gesamtschule Kaiserplatz.