Krefeld fehlen Sozialarbeiter: Bundestagsabgeordnete Ulle Schauws besucht Flüchtlingsunterkunft

Krefeld fehlen Sozialarbeiter : Bundestagsabgeordnete Ulle Schauws besucht Flüchtlingsunterkunft

Wie sieht der Alltag von Flüchtlingen aus? Die WZ begleitete Grünen-Politiker bei Rundgang.

Krefeld. Buntes Sprachgewirr in der ehemaligen Don-Bosco-Schule an der Feld-/Kölner Straße- Rund 80 Menschen aus der Mongolei, Armenien, Georgien, Niger und dem Westbalkan haben hier Zuflucht gefunden. Zumeist sind es Familien mit Kindern. Die Grüne Bundestagsabgeordnete Ulle Schauws und die Monika Düker (MdL), flüchtlingspolitische Sprecherin der Düsseldorfer Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, sind vor Ort, um sich ein Bild über den Alltag der Asylbewerber und Flüchtlinge zu machen.

Foto: Dirk Jochmann

Sozialamtsleiter Wolfram Gottschalk führt durch die Flure, hinter denen die Familien untergebracht sind. Die ehemaligen Klassenräume wurden im Haupthaus mit Zwischenwänden in Leichtbauweise zu jeweils zwei Zimmern umgewandelt. Im Pavillon im Hof sind vor allem allein stehende Flüchtlinge untergebracht. Insgesamt stehen 90 Betten zur Verfügung. „In der Regel können wir den Aufenthalt hier nach zwei Monaten beenden und den Bewohnern regulären Wohnraum zuweisen“, erklärt Gottschalk. In den letzten anderthalb Jahren habe die Stadt rund 100 Privatwohnungen vor allem von der städtischen Wohnstätte dafür angemietet — das werde aber immer schwieriger.

Schauws interessierte sich vor allem für den Alltag und die Betreuung der Menschen. Derzeit, so Gottschalk, erfolge die Betreuung in allen Übergangsquartieren in städtischer Regie. „Wir haben dafür derzeit 54 Betreuer als städtische Angestellte im Einsatz. Die Zahl wollen wir noch auf 60 erhöhen. Sie sind 24 Stunden pro Tag Ansprechpartner der Bewohner.“ Die Zahl der städtischen Sozialarbeiter allerdings, räumte der Sozialamtsleiter ein, sei mit etwa 1:250 bei derzeit 1222 registrieren Flüchtlingen noch ausbaufähig. Auf einen Sozialarbeiter entfallen demnach derzeit rund 250 Ratsuchende.

Monika Düker, die sich mit Ulle Schauws zuvor in Moers umgesehen hatte: „Da ist noch einiges zu tun. Die Zahlen in Moers sehen gänzlich anders aus.“ Über die künftige Entwicklung der Flüchtlingszahlen meint Gottschalk: „Ich bleibe bei meiner optimistischen Schätzung, dass wir bis Jahresende rund 1800 Menschen in der Stadt unterbringen müssen.“ Auch das Aufstellen von „Mobilheimen“, wie die Wohncontainer inzwischen heißen, wollte er nicht ausschließen. „Wir suchen dafür städtische Grundstücke.

Erleichtert zeigte sich der Sozialamtsleiter darüber, dass das ehemalige Seniorenheim an der Westparkstraße in diesen Tagen von rund 130 Flüchtlingen bezogen werden könne. „Die ersten Familien sind jetzt schon dort eingezogen.“ Ob damit aber die beiden Notquartiere in den Turnhallen an der Linden- und Gerberstraße aufgegeben werden können, ließ er offen.

An dem Gespräch nahmen auch der Vorsitzende des Integrationsrates, Sayhan Yilmaz, und der grüne Ratsherr und Oberbürgermeisterkandidat Thorsten Hansen teil.

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