Bücherei: Gebrochene Versprechen

Bücherei: Gebrochene Versprechen

Als Krefeld und Uerdingen sich vereinigten, wurde der Erhalt der Bücherei vertraglich zugesichert.

Krefeld. Mit vielen bunten Aktionen kämpfen die Uerdinger für den Erhalt der Bücherei am Marktplatz. Welche Bedeutung sie für die Rheinstadt hat, geht auch aus einem Dokument hervor, das in diesem Jahr 85 Jahre alt wird. Es ist der sogenannte Vereinigungsvertrag von 1928. Dort war unter anderem der Erhalt der Bibliothek festgeschrieben. Juristisch ergeben sich daraus keine aktuellen Ansprüche mehr. Aber als moralisches Lesezeichen lässt sich der Vertrag allemal nutzen.

Uerdingen ist 1928 nicht eingemeindet worden, wie etwa Linn (1901) oder Fischeln (1929). Stattdessen wurde am 12. Dezember 1928 ein „Vertrag über einen zweckverbandsmäßigen Zusammenschluss der Städte Krefeld und Uerdingen am Rhein“ (Vereinigungsvertrag) geschlossen. Für eine Übergangszeit von 20 Jahren bilde die Gemeinde Krefeld-Uerdingen „lediglich eine Dachgemeinschaft mit beschränktem Aufgabenkreis“.

Die große Bedeutung, die Uerdingen der Stadtbibliothek zuschrieb, wird in dem Vertrag in Ziffer XIV, Punkt 3, deutlich: „Die städtische Bücherei in Uerdingen wird stets offen und in einem guten Zustand erhalten und ihre Entwicklung in gleicher Weise, wie es von Seiten der Stadt Uerdingen geschehen ist, gefördert und der Bücherbestand fortlaufend ergänzt und erweitert.“

Eine weitere Sorge geht aus dem Vertrag hervor: „Es muss unter allen Umständen vermieden werden, dass die Uerdinger Bevölkerung in polizeilichen Angelegenheiten sich nach Krefeld wenden muss“, hieß es. Die heute rund 23 000 Uerdinger werden auf absehbare Zeit ihren Wunsch nach der Wiedereinrichtung einer Polizeiwache nicht erfüllt bekommen. Bis Ende 1999 war eine ständig besetzte Wache an der Arndtstraße beheimatet. Heute ist die Bezirksdienststelle im Rathaus mit drei Beamten besetzt.

Die eigentlich vorgesehene Kooperation der beiden Städte fiel aber bereits nach wenigen Jahren dem Nazi-Regime zum Opfer. Einzelheiten dazu sind im fünften Band der Stadtgeschichte zu finden. Nachdem die nationalsozialistische Krefelder Stadtführung um Bürgermeister Aloys Heuyng und Kreisleiter Erich Diestelkamp den Uerdinger Bürgermeister Friedrich Aldehoff zum „freiwilligen“ Amtsverzicht gezwungen hatten, wurde Emil Hürter sein Nachfolger.

Er konnte 1940 den Beschluss des Stadtrates verkünden, dass „die endgültige Vereinigung der Stadtteile Krefeld und Uerdingen mit dem 1. April 1940 in Kraft tritt.“ Uerdingen war damit Teil der Gesamtstadt, die jetzt nur noch „Krefeld“ hieß. Die 20-Jahres-Frist war der Willkür des NS-Regimes zum Opfer gefallen.

Mit dem Zusammenbruch des Hitler-Regimes 1945 konnten die Uerdinger unter Bürgermeister Holtz einige der Rechte aus dem Vereinigungsvertrag zurückerkämpfen. Mit der Gebietsreform in NRW um 1975 fielen aber auch diese Rechte der Rheinstadt Uerdingen.

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