Bombennacht: Vor 65 Jahren brannte Krefeld

Bombennacht: Vor 65 Jahren brannte Krefeld

Vom 21. auf den 22. Juni 1943 luden britische Flieger 2000 Tonnen Bomben über der Stadt ab. Mehr als 1000 Menschen starben, 82 Prozent der Gebäude wurden zerstört.

Krefeld. Es war das Grauen schlechthin, das Krefeld vor 65 Jahren, in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni 1943, überfiel: Von 1.10 bis 2.40Uhr luden 705 britische Bomber 1041 Tonnen Brand- und 1033 Tonnen Sprengbomben über Alt-Krefeld ab.

Drei Tage lang brannte die Stadt, 1036 Krefelder fanden den Tod, 9349 waren verletzt, 82 Prozent der Gebäude in der Innenstadt zerstört. Krefeld war die 27. Stadt, die von der Royal Air Force (RAF) im "Battle of the Ruhr" in Schutt und Asche gelegt wurde.

Ein Feuerwehrmann hielt fest: "An der Dreikönigenstraße sah ich die erste Leiche, ein Kind mit zertrümmertem Schädel, daneben die Mutter, schwer verletzt und mit brennendem Phosphor bespritzt, die Haare waren ihr kahl vom Hinterkopf gebrannt, sie schrie furchtbar."

Im Februar 1942 begannen die Alliierten mit Flächenbombardements. Später kam der Begriff "moral bombing" dazu. Die Deutschen sollten moralisch zermürbt werden, war die Devise. Am 5. März flog die RAF den ersten Angriff der Serie auf Essen, es folgten Duisburg, Bochum, Dortmund, Wuppertal und dann Krefeld, am Tag darauf Marl-Hüls und am 29. Juni Köln.

Den ersten Luftangriff erlebte Krefeld am 5. Mai 1940, den letzten schweren mit 142 Flugzeugen auf den Güterbahnhof am 29. Januar 1945, nur 33 Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner.

Der ehemalige Beigeordnete Hans Vogt und Herbert Brenne haben in ihrem 1986 erschienenen Buch "Krefeld im Luftkrieg" 66 Luftangriffe auf Krefeld zwischen 1940 und dem Kriegsende ermittelt. Dabei fielen fast 3900 Tonnen Bomben auf die Stadt. Insgesamt ist von 2048 Luftkriegstoten die Rede.

Der Angriff in der Nacht zum 22.Juni war der schwerste und gezielt gegen die Bevölkerung gerichtet. Nach dem Angriff auf einen von rund 80000 Menschen bewohnten Teil der Stadt waren rund 7500 Wohnhäuser nicht mehr bewohnbar, rund 72000 Menschen waren ohne Obdach.

Aber auch die Angreifer hatten Verluste: 42 Maschinen waren von den Flaks abgeschossen worden, die Besatzungen waren tot, verletzt oder gefangen. Wenige Meter nördlich des Hauptbahnhofs fielen die letzten Bomben, das Gebäude blieb unversehrt.

In dem Bericht des Feuerwehrmannes heißt es weiter: "Der Qualm wurde unerträglich, die Hitze steigerte sich zu ungeheurer Glut. In der Nähe der De-Greiff-Säule kam ein Haufen brennender Menschen von der Gartenstraße auf den Ostwall gelaufen. Aufgerissene Gasleitungen brannten. Um uns herum war ein Inferno. Aus einem Keller hörten wir die lauten Stimmen vieler Menschen, die im Chor beteten."

Der Angriff hatte in der Innenstadt einen Feuersturm entfacht, die Hitze sog Frischluft an, die wiederum die Feuer entfachte. Am Tag nach dem Angriff, als die Stadt in Teilen noch brannte, waren auf dem Westwall 800 Tote nebeneinander gelegt. Die verbrannten, zerquetschten und erstickten Menschen waren aus den Trümmern und Kellern gezogen worden. Viele fanden ihre Ruhe auf dem Bombenopferfeld auf dem Hauptfriedhof.

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