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Blumen am Stolperstein

Blumen am Stolperstein

Die Stadt hat gestern in die Kirche St. Anna eingeladen, um der Opfer des Bombenangriffs vor 70 Jahren zu gedenken.

Krefeld. Trümmer, Trauer, Rauch, Verwesung. Die Innenstadt und der Nordbezirk rund um St. Anna und Pauluskirche wurden im Bombenhagel des Angriffs am 22. Juni 1943 verwüstet. 70 Jahre danach gedenken 300 Menschen in einem ökumenischen Gottesdienst in der überfüllten Annakirche dieser furchtbaren Ereignisse. Einer der Gäste ist neben zahlreichen Stadträten auch der frühere SPD-Oberbürgermeister Willi Wahl (85).

„Viele haben damals wieder beten gelernt“, erinnert Volker Hendricks, der Pastor der Pauluskirche. Viele hätten damals aber auch den Glauben verloren. Einig sei man sich damals wie heute über alle Weltreligionen hinweg in der „Sehnsucht nach Gottes Gnaden“, so der katholische Seelsorger Jochen Pesch.

Für seine Schwester Marie-Luise schildert Alt-Oberbürgermeister Hansheinz Hauser, der an diesem Tag 91 Jahre alt wird, die gespenstischen Stunden dieser Nacht. Die Hülser Straße und die Bäckerei Hauser sind nach dem Angriff nur noch Schutt und Asche.

Dankbar müssten wir sein für die langen Jahre des Friedens, sagt Hendricks. „Ein großer und kostbarer Schatz.“ In dieser Erkenntnis aber dürften wir nicht stehen bleiben, „sondern müssen uns einmischen“. „Nie wieder Krieg“, so das Fazit von Oberbürgermeister Gregor Kathstede in der sich anschließenden zentralen Gedenkfeier der Stadt für die Bombenopfer und für Margarethe Papendell, an die mit einem Stolperstein in der Nähe der Kirche erinnert wird.

Auch Kathstede warnt vor dem Vergessen des erschütternden und beschämenden Teils deutscher Geschichte. Die Stimmen dafür mehrten sich. Die heutige Unbefangenheit der jungen Menschen berge „die Gefahr, dass sie nicht mit der notwendigen Entschiedenheit für den Frieden und gegen rechte Umtriebe eintreten können“. Das Gedenken solle dazu beitragen, „dass wir alle ständig wachsam und entschlossen sind“.

Emotionale Augenblicke, als Margarethes jüngste Schwester Rosemarie Mori die Stunden der Angst schildert, die ihr Bruder Jakob, damals sechs Jahre alt, im Luftschutzkeller des Elternhauses ertragen musste. „Die schlimmste Nacht meines Lebens“ hat der in Australien lebende Jakob Papendell seine Erinnerungen daran genannt.

Gemeinsam mit Kathstede legt Rosemarie Mori später Blumen am Stolperstein unweit der Annakirche nieder. Das unschuldige Leben des zwei Jahre alten Mädchens von der Inrather Straße sei ausgelöscht worden, so Kathstede, „weil es nicht in das kranke Weltbild eines perfiden Nazi-Regimes passte“.

Er sei froh darüber, dass ihr Schicksal nicht nur für einen kurzen Augenblick in das Bewusstsein dringe, sondern „durch einen Stolperstein an ihrem Elternhaus zu einer dauerhaften Erinnerung und Mahnung geworden ist“.

Die Gedenkveranstaltungen zur Bombennacht vor 70 Jahren enden am Donnerstag, 27. Juni, 19.30 Uhr in der Villa Merländer mit einem Abend zum Thema „Testament der Augenblicke“ mit Gedichten und Musik.