Bier aus Krefeld: So arbeiten Königshof und Schlüffken

Wirtschaft : Königshof und Schlüffken: So arbeiten die Krefelder Brauereien

Der Bierkonsum geht zurück, die Hersteller führen einen Preiskampf. Wie schaffen es Krefelder Brauer zu bestehen?

Wenn Frank Tichelkamp und Johannes Furth über ihre Biere sprechen, reden sie viel über Krefeld. Die lokale Verbundenheit ist die Basis ihres Erfolgs, da sind sich die beiden Männer einig. Dabei gibt es auf den ersten Blick nicht viel, was sie gemeinsam haben. Tichelkamp wacht als Marketing- und Vertriebsleiter in seinem Büro über das Areal der Brauerei Königshof an der Obergath. Furth ist seit Dezember mit der kleinen Hausbrauerei Schlüffken am Nordbahnhof aktiv.

Die Ausgangssituation ist gegensätzlich, doch die Herausforderungen beider Betriebe ähneln sich. Sie müssen es schaffen, dass das Bier in den Kunden kommt. Dabei hat das Getränk schon bessere Zeiten erlebt. Zwischen den Jahren 2008 und 2018 ist der Bierabsatz in Deutschland von 103 Millionen Hektoliter auf 94 Millionen gesunken, hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Auch der Pro-Kopf-Konsum geht zurück. Den verbleibenden Markt dominieren die Großbrauerein, diese liefern sich einen enormen Preiskampf im Regal. Dennoch behaupten sich sowohl Königshof als auch das Schlüffken in ihrem Segment. Wie gelingt ihnen das?

Brauerei Königshof:
Identifikation trotz Preiskampf

Die Laster brausen auf das Gelände der Brauerei Königshof, auf freien Flächen stapeln sich die Getränkekisten in die Höhe. Frank Tichelkamp ist stolz auf das, was hier passiert. Seit dem Jahr 2007 verkaufen er und seine Kollegen Bier unter dem Label „Königshof“ und konnten so nach dem Aus der Rhenania wieder ein Bier aus Krefeld etablieren. Entscheidend ist aus Tichelkamps Sicht der Bezug zur Stadt. „Mit Rückgrat zum Standort stehen“, nennt er das. Das könnten die großen Fernsehbiere nicht. „Wir wollen Identifikationsstifter und Sponsor sein“, sagt Tichelkamp.

Er besucht Veranstaltungen und hält Kontakt zu Vereinen. Dass das offenbar funktioniert, liegt auch an einem veränderten Zeitgeist. Viele Krefelder bemerkten erst als mit Rhenania im Jahr 2002 die letzte große Brauerei aus Krefeld verschwunden war, dass sie ihr eigenes Bier wollen.

Doch das Geschäft von Königshof ist mehr als die romantische Vorstellung eines Unternehmens, das der Stadt ihr Bier zurückgibt. 80 Prozent der Arbeit seien Dienstleistungen für andere Brauereien, sagt Tichelkamp. Flaschen abfüllen zum Beispiel. Gleichzeitig muss er das hauseigene Sortiment weiterentwickeln. Ein einfaches Pils oder Alt reichen nicht aus, um im Getränkehandel zu bestehen. Tichelkamp erinnert an die Trends der vergangenen Jahre wie die Weißbierwelle oder den Hype um Mischbiere.

Ein eigenes Weizen hat Königshof mittlerweile im Regal und versucht, die bayerischen Varianten preislich zu unterbieten. Auch ein neues Radler, das seit wenigen Wochen hergestellt wird, soll Erfolg bringen. „Das hat nur 1,9 Prozent Alkoholgehalt“, sagt Tichelkamp. Schließlich liegt der Bieranteil bei 40 statt wie üblich bei 50 Prozent. Stattdessen mische man Orangensaft bei, sagt Tichelkamp. Dieser sei erfrischend und nehme gleichzeitig den bitteren Geschmack der Zitrone auf. Mal etwas auszuprobieren, scheint für die Brauerei notwendig. „Die Kunden haben Lust auf andere Geschmacksrichtungen“, sagt Tichelkamp.

Genauso haben sie Lust auf neue Flaschen. Seit mehr als einem Jahr verkauft die Brauerei Bier in kleinen Flaschen mit Bügelverschluss. Der Deckel mit dem „Plopp“ beim Öffnen ist in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen. Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel die Herausforderung für die Brauer im Handel. Die Bügelflaschen sind teurer als die Variante mit Kronkorken. Dennoch gibt der Handel knapp kalkulierte Preise vor, so hat es sich in der Vergangenheit etabliert. „Spielraum für die Brauereien ist kaum vorhanden“, sagt Tichelkamp. Trotzdem blickt er zuversichtlich in die Zukunft. Die Leitlinie ist klar: „Das wichtigste bei allen Produkten ist die Emotion.“

Brauerei Schlüffken:
Das etwas andere Bier

Ein paar Kilometer weiter im Norden läuft der Brauprozess auf engster Fläche. Das Malzlager, der Gärkessel aus Edelstahl – am Nordbahnhof steht in kleinen Räumen alles eng beieinander. Die Flaschen füllen sie dort noch von Hand ab. Seit Dezember braut die Familie Furth an ihrer Gaststätte „Nordbahnhof“ Pils und Alt. Die Geschwister Anne und Johannes Furth – mit 30 und 32 Jahren die junge Generation des Familienbetriebs – brachten den Plan ein.

Natürlich sei die Investition in eine eigene Brauerei ein gewisses Risiko, sagt Johannes Furth. Doch das Geschäft funktioniert, so der erste Eindruck. Auch andere Lokale beliefert Furth inzwischen, in zwei Getränkeläden stehen die Flaschen. „Es ist natürlich klasse, wenn dein Alt in der Gastronomie neben einem Krombacher ausgeschenkt wird“, sagt Furth. Dass sein Betrieb so klein ist, stellt sich dabei als Vorteil heraus. „Seit drei, vier Jahren geht der Trend zum Regionalen“, sagt Furths Braumeister Mario Röhm. „Die Menschen schätzen, dass sie die Leute hinter dem Bier kennen“, sagt Furth. Deshalb sei im eigenen Lokal der Wechsel weg von den bekannten Marken kein Problem gewesen.

Um am Markt zu bestehen, ist die Herausforderung für die Brauerei Schlüffken gleichzeitig der entscheidende Faktor des Erfolgs: Pils und Alt müssen sich von den großen Standardmarken abheben, gleichzeitig dürfen sie nicht zu weit weg sein. Das gilt schon beim Glas. Das Altbier gibt es aus dem klassischen Becher, beim Pils kommt eine Art XXL-Kölschstange statt der Tulpe auf den Tisch. Auch beim Geschmack muss Brauer Röhm den richtigen Mix finden. Das Pils sei ein Klassisches, aber ein bisschen bitterer. Beim Alt soll es das Gleichgewicht einer malzigen und einer bitteren Note sein, sagt Röhm.

Damit das Bier den gewünschten Geschmack hat, weichen die Gründer von Gesetzen des Massenmarktes ab. Dort darf das Bier nicht lange lagern, muss schnell gären, um den Ausstoß zu erhöhen. Das Schlüffken-Bier bekomme mehrere Wochen, um den gewünschten Geschmack zu erzielen, sagt Furth. Natürlich hat das seinen Preis. „Die Kunden müssen bereit sein, mal 60, 70, 80 Cent mehr je Liter zu zahlen“, sagt Röhm. Wenn das gelingt, kann das neue Bier in Krefeld ein Premium-Segment besetzen, das die meisten Supermarktbiere nicht bedienen können. „Wir wollen Bier für besondere Anlässe brauen“, sagt Furth. Daher fülle sein Betrieb auch in Liter-Flaschen ab – passend, um zu teilen.

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