Bewegungsmangel nimmt auch in Krefeld zu.

Gesundheit : So sportlich und gesund sind die Krefelder

Bewegungsmangel ist ein Thema und nimmt vor allem bei Kindern immer mehr zu. In Bezug auf die Fitness ihrer Einwohner steht die Stadt im Vergleich mit anderen Kommunen aber gar nicht so schlecht da.

Sport und Bewegung in richtiger Form sind gesund, Herz und Kreislauf werden trainiert, die Haltung geschult. Doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt: Bewegungsmangel und damit verbundene Krankheiten nehmen zu. Diese Entwicklung macht auch vor den Krefeldern nicht halt. Vertreter von Stadtsportbund und AOK als größte Krankenversicherung in der Stadt beobachten, wie ein gesundes Mittelmaß im Verlauf der Jahre abnimmt: Immer mehr Menschen bewegen sich viel zu wenig, schon im Kindesalter, andere setzen fast schon zu stark auf ihre Fitness. Angebote zielen seit einigen Jahren darauf ab, gerade Sportmuffel oder auch bereits Erkrankte in Bewegung zu bringen.

Wie die Zahlen, die die AOK zu ihren Versicherten regelmäßig erhebt, zeigen, liegen die Krefelder im Vergleich zum Rheinland insgesamt aber relativ gut im Schnitt. „In der Stadt arbeiten viele im Bereich Industrie und Gewerbe oder haben dort gearbeitet, da wären mehr Erkrankungen gerade am Bewegungsapparat zu erwarten“, sagt Matthias Czarny, der als Sportwissenschaftler bei der Krankenkasse im Bereich Gesundheitsförderung arbeitet.

Gerade Menschen, die körperlich tätig sind, brauchen auch einen körperlichen Ausgleich, um die Belastungen auszugleichen, so der Experte. Bewegungen nur in eine Richtung, in vielen Berufen meist nach vorne, trainieren bestimmte Muskelgruppen, während andere erschlaffen, Muskeln sich verkürzen – die Haltung ändert sich, es kann zu Schmerzen kommen. Sport, bei dem der ganze Körper aktiv wird, wirke dieser Folge entgegen. Ein Ausgleich sei entscheidend.

Laufen bringt Herz
und Ausdauer in Schwung

Die Wirkung kommt ganz auf den Sport an. Während Aktivitäten mit viel Laufen Herz und Ausdauer in Schwung bringen, eine gute Durchblutung fördern und damit Herzinfarkt, Schlaganfall und Ähnlichem entgegenwirken, seien gerade ruhigere Bewegungsformen wegen ihrer auch psychischen Effekte nicht zu unterschätzen. Yoga beispielsweise oder gewisse Entspannungstechniken haben laut Czarny eine große Bedeutung. Überbeanspruchte Muskeln dehnen, entspannen sich, der Stresslevel sinkt, das Wohlbefinden steigt – mit die beste Prävention gerade bei der Gefahr von Burnout. Auch der soziale Faktor sollte nicht unterschätzt werden. Gemeinsam aktiv zu sein, in der Gruppe Spaß zu haben, mache nachweislich gesünder.

Dabei liegt Krefeld laut den aktuellen Zahlen der AOK gut im Schnitt. Das Bewusstsein steigt, Firmen fragen vermehrt nach Kursen zur Gesundheitsvorsorge. Allerdings zeigt sich auf der anderen Seite auch ein Trend zum zunehmenden Bewegungsmangel. „Bei den Jüngsten geht das schon los. Es geht immer mehr in die Extreme. Entweder Eltern tun sehr viel, schicken ihre Kinder dann auch in Sportkurse oder sorgen anderweitig für ausreichend Bewegung. Oder sie kümmern sich so wenig, dass sie den Kindern ihren Bewegungsdrang damit quasi abtrainieren“, sagt Jens Sattler, Geschäftsführer des Sportbundes. Die Vereine haben darauf bereits reagiert, gehen in die Kitas und Schulen, bieten Schwimmen und andere Kurse an, damit die Jüngsten ihre Lust an Bewegung entdecken und beibehalten. „Das ist nicht nur wichtig fürs Körpergefühl, sondern ebenso fürs Gehirn, für die Vernetzung der Nerven, also auch fürs Lernen“, so Sattler.

Es geht darum,
in Bewegung zu kommen

Verstärkt arbeiten die Vereine seit einigen Jahren aber auch mit Erwachsenen – sowohl mit erkrankten, ob durch Bewegungsmangel oder andere Gründe, als auch mit allen, die lange keinen Sport mehr gemacht haben. Mit Rehasport, um schnell wieder fit zu werden, habe das allerdings wenig zu tun – in den Vereinen geht es darum, allgemein und dauerhaft überhaupt oder wieder in Bewegung zu kommen. In den verschiedenen Sportarten finden sich mehr und mehr spezielle Kurse für Anfänger oder Wiedereinsteiger oder bei bestimmten Beschwerden. Geeignet sei dabei grundsätzlich alles, was Freude macht, erklärt Sattler. Schwimmen sei sehr empfehlenswert, gerade bei Übergewicht, aber bei Weitem nicht die einzige Möglichkeit, auf sanfte Weise fitter zu werden.

„Wer früher beispielsweise gerne Handball gespielt hat, kann es nach Jahren ohne Scheu wieder damit versuchen“, sagt Sattler. Meist könne man auf gewisse Grundfertigkeiten aufbauen – und erst mal probieren, welches Kursniveau heute passend ist. „Der Spaß ist entscheidend, um später auch dabei zu bleiben.“

Trainer werden in
Fortbildungen geschult

Die Trainer gehen in der Regel darauf ein, werden mehr und mehr in Fortbildungen geschult darin, was bei Diabetes, nach einem Herzinfarkt und anderen häufigen Erkrankungen besonders gut tut. In den nächsten Jahren möchten die Vereine in dem Bereich stärker aktiv werden, nach und nach wird das Angebot ausgebaut – vor allem jedoch bei den Kleinsten. „Je früher die Bewegungslust da ist und da bleibt, umso besser.“

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