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Krefeld: Betreung: Hanna wartet auf einen Kitaplatz

Krefeld : Betreung: Hanna wartet auf einen Kitaplatz

Wenn die Zweijährige zum Sommer keine Betreuung bekommt, steht ihre Mutter vor Problemen im Job.

Krefeld. Es könnte alles so schön sein. Seit kurzem hat Jonas einen Platz im Offenen Ganztag — endlich. Für die Mutter des Sechsjährigen ist das eine große Erleichterung. Wenn Jonas in der Schule und die zweijährige Hanna bei der Tagesmutter ist, kann Sabine Schlaghecke-Schröer ihrer Arbeit als selbstständige Objektdesignerin nachgehen. Nur: Ob das in ein paar Monaten noch funktioniert, das steht in den Sternen. Die 34-Jährige und ihr Mann warten — wie viele junge Familien in Krefeld derzeit — verzweifelt auf die Zusage für einen Kindergartenplatz. Das Angebot ist knapp.

Bereits im vergangenen Spätsommer haben die Eltern ihre Tochter für einen Kitaplatz angemeldet. „Bisher haben wir weder eine Zu- noch eine Absage von unseren drei Wunsch-Kitas bekommen“, sagt Sabine Schlaghecke-Schröer. Langsam werde sie nervös. „Mir fehlt die Planungssicherheit, da ich nicht weiß, ob wir ab Juli, August eine Anschlussbetreuung für Hanna finden.“ Im Sommer wird Hanna drei Jahre alt, „die Tagesmütter, die für ein dreijähriges Kind nicht mehr vorgesehen sind, müssen ja auch planen und sind dann ausgebucht“. Da beide Großeltern nicht in Krefeld leben, sei eine Betreuung für Hanna so auch nicht gesichert.

Vom neuen Anmeldeverfahren der Stadt, Kita-Online, sei sie enttäuscht, sagt die junge Mutter: „Ich sehe keinerlei Verbesserung durch die neue, zentrale Anmeldung über die Stadt. Es ist wohl so, dass selbst Eltern, die beide berufstätig sind, keinen Platz bekommen haben. Die ganze Abwicklung ist sehr undurchsichtig, und letztlich bleibt das Problem, dass scheinbar Plätze fehlen.“ Auch Anrufe bei ihrer Wunscheinrichtung, dem evangelischen Kindergarten an der Germaniastraße, seien bislang ins Leere gelaufen. „Dort hat man mir gesagt, dass wir zu den fünf Familien gehören, die dringenden Bedarf haben, und dass das der Stadt gemeldet werden soll — aber was dann passiert — keine Ahnung . . .“

Seit sie zehn Monate alt ist, ist Hanna in Betreuung bei einer Tagesmutter. Das gibt Sabine Schlaghecke-Schröer die Möglichkeit, unter der Woche zumindest bis zum frühen Nachmittag von Zuhause aus zu arbeiten. „Wenn ich sie mittags abhole, schläft sie anschließend noch. In dieser Zeit kann ich Sachen am Rechner erledigen, aber nichts Lautes machen“, erzählt die Objektdesignerin, die Tischplatten oder Accessoires aus Beton entwirft. Umso ärgerlicher wäre es für sie im Aufbau ihrer Selbstständigkeit, wenn das bald gar nicht mehr ginge. „Ich bin schon im letzten Jahr durch den nicht verfügbaren Platz im Offenen Ganztag für Jonas ausgebremst worden. Jetzt weiß ich nicht mal, ob ich ab Sommer das bisschen, was ich jetzt schaffe, noch machen kann.“

Was die 34-Jährige am meisten stört: „Es gibt für mich keinen ersichtlichen Zeitpunkt, ab dem man weiß, ob man für seinen Kind einen Kitaplatz bekommt oder nicht. Man ist der Situation total ausgeliefert.“

Die Stadt äußert Verständnis für die Situation von Sabine Schlaghecke-Schröer und anderen Eltern, die sich mehr Planungssicherheit wünschen, kann aber keine Antwort auf die Frage, wann die Zu- und Absagen verteilt werden, liefern. Kita-Online sei „lediglich eine zusätzliche Möglichkeit für Eltern, ihr Kind für einen Betreuungsplatz anzumelden“ (die WZ berichtete). Die Entscheidung darüber, welches Kind wo einen Platz erhält, bleibe in der Autonomie der Träger.

„Da es kein zentrales Vergabeverfahren gibt, werden Zug um Zug die Plätze verteilt. Derzeit läuft erst die zweite Zusagerunde, es sind sicherlich noch mindestens zwei weitere zu erwarten“, heißt es von der Stadt.