Berufsstart: „Es ist ein No-Go, am ersten Tag zu spät zu erscheinen“

Berufsstart: „Es ist ein No-Go, am ersten Tag zu spät zu erscheinen“

Girokonto, Lohnsteuerkarte, Berufsschule – Beate Krüger gibt im Interview Tipps für einen guten Start in die Ausbildung.

Krefeld. Die Unterschrift auf dem Ausbildungsvertrag ist gerade getrocknet und die erste große Hürde auf dem Weg ins Berufsleben genommen, da wartet schon die nächste Herausforderung. Mehrere tausend Jugendliche in Krefeld und im Kreis Viersen starten in den nächsten Wochen in ihr Berufsleben. 2008 wurden im Agenturbezirk Krefeld bis Ende September knapp 3.800 Ausbildungsverträge unterschrieben. Doch mit der Unterschrift ist es noch nicht getan. Gerade in den ersten Wochen im neuen Ausbildungsbetrieb kommt es darauf an, einen guten Eindruck zu machen.

Beate Krüger arbeitet seit 13Jahren als Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Krefeld und weiß, dass der Start in die Berufsausbildung für viele Jugendliche aufregend ist und es viele Fragen gibt.

Beate Krüger: Die ersten Arbeitstage im Unternehmen sind sehr wichtig, das darf man nicht unterschätzen. Es ist ein bisschen wie beim Bewerbungsgespräch, deshalb kann man auch viele Tipps übernehmen. Es ist beispielsweise ein No-Go, schon am ersten Tag zu spät zu erscheinen, also muss man sich schon vorher genau überlegen, wie lange man für den Weg zur Arbeit braucht. Die Fahrtstrecke oder die Pläne der öffentlichen Verkehrsmittel sollten gecheckt werden.

Außerdem ist es wichtig zu wissen, wer mein Ansprechpartner am ersten Tag ist, wo ich mich melden muss, welche Unterlagen ich brauche. Oft hilft ein kurzes Telefonat ein paar Tage vorher, um solche Fragen zu klären. Das zeigt in jedem Fall Interesse. Wer es nicht schon für sein Bewerbungsgespräch getan hat, sollte sich spätestens jetzt über seinen zukünftigen Arbeitgeber informieren. Viele Firme haben zum Beispiel Internetseiten auf denen man Firmeninfos findet.

Krüger: Mit der Ausbildung verdient man auch das erste eigene Geld, man muss sich also vorher um ein Girokonto kümmern. Hier lohnt es sich zu vergleichen, viele Banken haben spezielle Angebote für Azubis. Auch die Lohnsteuerkarte sollte man am ersten Tag schon parat haben, die gibt es beim zuständigen Einwohnermeldeamt.

Mit der Ausbildung ist der Jugendliche auch nicht mehr über die Eltern krankenversichert, also muss man sich im Vorfeld auch darum kümmern. Jugendliche, die unter 18 Jahre alt sind, müssen mit einer Gesundheitsbescheinigung nachweisen, dass sie für den gewählten Beruf geeignet sind, diese Untersuchung kann man beim Hausarzt machen.

Manche Arbeitgeber verlangen auch ein polizeiliches Führungszeugnis. In großen Betrieben gibt es oft eine Checkliste, welche Unterlagen benötig werden.

Krüger: Auszubildende haben Rechte und Pflichten. Zu den Pflichten gehört beispielsweise der Besuch der Berufsschule, das Führen eines Berichtsheftes und dass man sich an die Anweisungen des Ausbilders hält.

Zu den Rechten gehört es, das man während der Ausbildung nur Tätigkeiten ausübt, die direkt der Ausbildung dienen. Da gibt es schon mal Streit. Natürlich ist es nicht gut, wenn man während der Ausbildung ständig ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen muss. Aber in der Regel kommt dies auch selten vor. Ich rate dazu, ab und zu auch kompromissbereit zu sein.

Krüger: Natürlich klappt es nicht immer. In Nordrhein-Westfalen wird etwa ein Fünftel der Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Grundsätzlich gilt: Während der Probezeit kann der Auszubildende jederzeit ohne Angabe von Gründen kündigen. Nach Ablauf der Probezeit muss in der Regel eine vierwöchige Kündigungsfrist eingehalten werden. Gleiches gilt auch für den Ausbildungsbetrieb. Man sollte sich diesen Schritt aber gründlich überlegen.

Natürlich gibt es immer wieder Gründe, wie beispielsweise gesundheitliche Probleme, die einen Ausbildungsabbruch unumgänglich machen, aber man sollte auch nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Bevor man sich für einen solchen Schritt entscheidet, sollte man in jedem Fall mit dem Berufsberater der Agentur für Arbeit oder einem Ausbildungsberater der Kammer sprechen.

Ist es tatsächlich zur Kündigung gekommen, heißt es: Jetzt nur nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern am Ball bleiben.

Die Berufsberatung hat ein Notfallprogramm für Ausbildungsabbrecher, damit gibt es dann ganz schnell einen Termin und wir erarbeiten mit dem Jugendlichen Alternativen und versuchen auch noch, einen anderen Ausbildungsbetrieb zu finden. In den ersten Wochen des Ausbildungsjahres ist das oft noch möglich. Red.