Beim Flachsmarkt an der Burg Linn in Krefeld locken traditionelles Handwerkskönnen, Ritter und mehr

GESCHICHTE ZUM ANFASSEN : Beim Flachsmarkt Handwerk ausprobieren

Zum Mitmachen animiert der Markt an der Burg Linn vom 8. bis 10. Juni. Es wird getöpfert, geschmiedet oder gedrechselt. Dazu gibt es das Ritterlager und vieles mehr.

Der Flachsmarkt in Linn beruht auf einer über 700-jährigen Tradition. Als der damals kurkölnische Ort in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Stadtrechte erhielt, brachten die Bauern ihren Flachs dorthin und tauschten ihn gegen Dinge des Alltages. Der Flachsmarkt auf dem Andreasmarkt entwickelte sich schnell zu einem Jahrmarkt, der außer regen Tauschgeschäften zwischen Bauern, Händlern und Handwerkern auch der Volksbelustigung diente. Dieses Markttreiben endete erst Anfang des 20. Jahrhunderts.

Das mittelalterliche Leben von Rittern, Knappen und Burgfräulein können Besucher von Samstag, 8. Juni, bis Montag, 10. Juni, rund um die Burg Linn erleben. Auf dem Handwerkermarkt der Arbeitsgemeinschaft Flachsmarkt werden heute kaum noch bekannte oder bereits historische Herstellungsprozesse und Produkte vorgeführt.

Geigenbauerin, Stuckateur und Glasveredlerin sind neu dabei

Der Arbeitsgemeinschaft Flachsmarkt liegt es besonders am Herzen, dass auch die Kinder traditionelle Handwerkskunst kennenlernen. Deshalb laden viele Handwerker zum Mitmachen ein. Es wird gedrechselt, getöpfert, gefilzt, geschmiedet und Vieles mehr.

Neben Bekanntem und Bewährtem gesellen sich auch diverse neue Aussteller und Handwerker in diesem Jahr dazu: Mit dabei sind unter anderem eine Geigenbauerin, ein Stuckateur, eine Glasveredlerin sowie Blaudrucker. Der Blaudruck ist ein Färbeverfahren, das auf Naturmaterialien wie Leinen, Baumwolle oder Seide angewandt wird und mittlerweile zum immateriellen Weltkulturerbe zählt. An allen drei Markttagen zeigen die Handwerker ihre Kunst und informieren über Arbeitsweisen, Ideen und Traditionen.

Gaukler, Leierkastenspieler und andere Musiker sorgen für Spaß

All das wird umrahmt von einem Unterhaltungsprogramm mit Musikantengruppen, Leierkastenspielern, Gauklern und Sängern. Und ohne die Ritter im Heerlager, die ihr Können beim Ringstechen, Helmschlagen, Rolandsreiten, Lanzenstechen und bei der Sauhatz unter Beweis stellen, ist der Flachsmarkt kaum mehr vorstellbar. Während der Turnierpausen haben die Besucher Gelegenheit, das Ritterlager aus nächster Nähe kennenzulernen.

Das Archäologische Museum Krefeld an der Rheinbabenstraße hat übrigens an den Pfingsttagen von 10 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet. Schon das Gebäude hat eine einmalige Geschichte zu erzählen. Es wurde im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker errichtet, war aber bereits bei der Planung für eine spätere Verwendung als Museum vorgesehen. So kam es, dass dieser Bunker mit Kunstmarmor ausgestattet war. Höhepunkte der Ausstellung des Museums sind die Funde aus dem römisch-fränkischen Gräberfeld sowie dem römischen Kastell und seiner Siedlung. Das römische Kastell in Krefeld war Teil des Niedergermanischen Limes und soll 2020/22 von der Unesco, der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, als Welterbe anerkannt werden.

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