Beim Blitzmarathon wurde in Krefeld kaum geblitzt

Beim Blitzmarathon wurde in Krefeld kaum geblitzt

Beamte wollen in die Köpfe der Menschen, nicht an die Geldbeutel.

Krefeld. Erwartungsgemäß hat die Polizei in Krefeld beim Blitzmarathon kaum geblitzt: An den 45 Kontrollstellen sind gestern bis 16 Uhr von 7938 gemessenen Fahrzeugen nur 376 zu schnell gewesen. „Damit hatten wir auch gerechnet. Mit dem Blitzmarathon verfolgen wir das Ziel, in die Köpfe der Menschen zu kommen, nicht an deren Geldbeutel. Hier geht es um sehen und gesehen werden“, sagt Volker Stahl, Leiter der Verkehrsinspektion 1. Bei aller Kritik an der zuvor angekündigten Aktion erhofft sich der Erste Polizeihauptkommissar auf Dauer ein Umdenken bei den Menschen.

„In Krefeld wird kaum zu schnell gefahren. Im Landesvergleich haben wir hervorragende Zahlen. 4,8 Prozent der gemessenen Fahrzeuge waren im vergangenen Jahr zu schnell — ein sehr niedriger Wert“, so Stahl. Man wolle die Raser fassen, die mit 70 oder 80 „Sachen“ auf der Gladbacher Straße unterwegs seien. Und von denen gebe es zum Glück immer weniger.

Gestern jedenfalls sind die Fahrer auch auf der Gladbacher Straße gewarnt. „Wir haben dort heute 300 Fahrzeuge gemessen. Nur drei waren zu schnell“, verdeutlicht Stahl. Kritikern, die die 25 gestern eingesetzten Beamten lieber auf Verbrecherjagd sehen würden, hält Stahl entgegen, dass diese Aufgabe keinesfalls vernachlässigt werde. „Hierfür steht die gleiche Zahl der Kollegen — wie sonst auch — zur Verfügung. Aber die Polizei hat ja noch mehr Aufgaben, wie etwa die Verkehrsüberwachung.“

Mit seinen Kollegen steht der Inspektionsleiter am Morgen auf der Kölner Straße in Fischeln — zu der Haupteinfallstraße kommen immer wieder Hinweise zu Rasern. In den gut anderthalb Stunden wird in dem 30-km/h-Bereich allerdings nicht ein Fahrer zu schnell erwischt. Dafür sind mehrere nicht angeschnallt. „Außerdem nutzen wir die Gelegenheit, mit den Radfahrern ins Gespräch zu kommen“, sagt Stahl. Der Grund: Ein Drittel der Verletzten bei Unfällen sind Radfahrer. 18-mal wird bis zum Nachmittag bei Radfahrern Fehlverhalten geahndet, in acht Fällen verhalten sich Autofahrer gegenüber Zweiradfahrern falsch. Bei den Kontrollen werden auch gleich die Räder auf ihren technischen Zustand hin überprüft.

Mit Blick auf die hohen Unfallzahlen bei Radfahrern ist Stahl auch wichtig, dass langsameres Fahren insgesamt spürbare Auswirkungen zeigt: Zusammenstöße bei niedriger Geschwindigkeit bedeuten für die ungeschützten Verkehrsteilnehmer in aller Regel weniger schwere Verletzungen.

Unter den 376 Fahrern, die in den ersten zehn Stunden erwischt werden, ist einer so schnell, dass ihm ein Fahrverbot droht: Er wird auf der Straße Am Schicksbaum mit 83 km/h bei erlaubten 50 geblitzt.

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