Beim Betriebsrat steht die Tür für alle Mitarbeiter auf

Beim Betriebsrat steht die Tür für alle Mitarbeiter auf

Detlef Rennings ist als Vorsitzender bei Currenta/Tectrion gerade frisch wiedergewählt worden: „Die Arbeit ist Herzensangelegenheit“.

Krefeld. Die Tür zu seinem Büro an der Rheinuferstraße lässt er offen - das ist symbolisch gemeint. Detlef Rennings ist als Betriebsratsvorsitzender der Firmen Currenta und Tectrion am Standort Chemiepark Uerdingen bestätigt worden. Gleichzeitig ist er stellvertretender Betriebsratsvorsitzender firmenweit. Und er ist wieder Mitglied im Konzern-Betriebsrat von Bayer.

Die Wahlbeteiligung, und das freut Rennings besonders, lag in diesem Jahr bei Currenta/Tectrion um die 77, bei Bayer um die 76 Prozent. "Eine solch hohe Wahlbeteiligung ist natürlich auch eine Bestätigung unserer Arbeit", sagt der 44-Jährige, der seit 26 Jahren im Unternehmen und ebenso lange Mitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ist. Auch im Hinblick auf die Debatten um die CO-Pipeline und das geplante Steinkohlekraftwerk. "Sie ist auch ein Zeichen dafür, dass die Kollegen wissen, dass der Betriebsrat sich bei diesen Debatten für den Standort Uerdingen einsetzt."

Betriebsratswahlen finden in der Regel alle vier Jahre statt. Von daher beträgt auch die Amtszeit eines Betriebsrates vier Jahre. Gewählt wird bundesweit in der Zeit von Anfang März bis etwa Ende Mai. Rennings schätzt, dass bis heute in Krefeld zwischen ein Viertel bis ein Drittel der Wahlen stattgefunden haben. Die meisten der zu wählenden Kollegen sind in Gewerkschaften organisiert. Rennings: "Bei der IG BCE liegt der Organisationsgrad bei 70 Prozent."

Einer der typischen Arbeitstage des Betriebsratsvorsitzenden beginnt morgens um 8 Uhr. Vorbereitung auf die Betriebsausschuss-Sitzung, die um 9 Uhr beginnt. Anträge werden angenommen, das Alltagsgeschäft wird durchgesprochen. Der neue Currenta/Tectrion-Betriebsrat hat 15 Mitglieder, fünf davon inklusive Rennings sind freigestellt. Die Sitzung dauert etwa bis 12 Uhr, dann steigt Rennings ins Auto und fährt zum Hauptsitz nach Leverkusen. "Verhandlungen finden ständig und immer dort statt; Ende offen." Offen heißt, von 18 bis 22 Uhr ist alles drin, bevor Rennings zuhause ist.

Beratungen, Betriebsversammlungen (viermal im Jahr), persönliche Gespräche mit den Kollegen auf der Schicht - auch nachts - sowie die zeitlich sehr aufwendige Gewerkschaftsarbeit kommen hinzu. "Wer glaubt, dass man als Betriebsrat in einem großen Unternehmen einen geregelten Arbeitstag hat, lebt hinter dem Mond", beschreibt er den Einsatz und will es auch für andere Betriebsratskollegen verstanden wissen. "Das funktioniert nur durch das Verständnis und den Rückhalt bei Familie und Freunden."

"Der Mensch ist der Mittelpunkt von allem, was wir hier tun": Rennings nennt diese oberste Aufgabe, die eine von mehreren geworden ist. Ein Beispiel für zusätzliche Aufgaben: Mit dem Currenta-Geschäftsführer ist der betriebsrats-Vorsitzende in Sachen Kraftwerk bei allen Landtagsfraktionen gewesen. Trotz der Strapazen sagt er: "Ich mache den Job total gerne. Aber ich sage auch: Ohne Idealismus und den Drang, Dinge positiv zu verändern, brauchen Sie nicht anzutreten. Betriebsratsarbeit ist Herzensangelegenheit und kein Job wie jeder andere. Das Gute daran ist: Sie können alle Prozesse mitgestalten."

Eins liegt Rennings wegen Ereignissen in der Vergangenheit, etwa bei VW, am Herzen: "Ich sage, kein Betriebsrat kann und will sich bereichern. Das ist eine Frage der Ehre. Ich finde es verwerflich, wenn man nach diesen Vorkommnissen alle in einen Sack steckt."

Ausblick: Nach dem Vertragspoker um die Zukunft der damaligen Bayer Industry Services, später Curenta und dem folgenden eigenen Traifvertrag wird der jetzt in diesem Jahr überprüft. "Der Vertrag war Basis dafür, dass Currenta und Tectrion mittlerweile wirtschaftlich funktionierende Unternehmen sind. Dieser Vertrag läuft bis 2011. Aber eine Prüfung Mitte 2010 ist damals vereinbart worden." Der Betriebsrat wolle dann kritisch unter die Lupe nehmen, ob die damals vereinbarten Arbeitszeiten und Entgelt-Ausgleiche überhaupt wirtschaftlich noch notwendig seien. Rennings: "Notfalls werden wir darüber streiten."

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