Bei "Fridays for Future" gehen Jugendliche auf die Straße

Klimaschutz : 1400 Schüler im Einsatz fürs Klima

Fridays for Future Mit markigen Sprüchen fordern die Jugendlichen bei Erwachsenen und Politikern ein Umdenken.

Jeder, der am Freitagvormittag aus der Halle des Hauptbahnhofes hinausgeht, gerät in eine bunte Schar von Schülern, die bei dem regennassen Wetter mit ihren bunten Schirmen und Plakaten sofort auffallen. Bereits von den Bahnsteigen sind sie mit ihren Rufen zu hören. Neugierig bleiben viele Passanten stehen und lauschen den Forderungen der Jugendlichen. Vom Hauptbahnhof geht es über den Ostwall, die Marktstraße und den Neumarkt, bis die Menge ihr eigentlich Ziel endlich erreicht: das Rathaus.

Mit Plakataufschriften wie „Dinos dachten auch, sie hätten Zeit ...“, „Oma, was ist Schnee?“ oder „Die Uhr tickt“ marschierten am Freitag 1400 Schüler durch Krefeld – und das für ihre Erde. Denn laut der Teilnehmer geht der Klimawandel jeden etwas an. Darauf wollen sie mit der Schulstreik-Bewegung „Fridays for Future“ (Freitag für Zukunft) aufmerksam machen – auch bei Schmuddelwetter.

Um ihren Standpunkt klarzumachen, bleiben sie dem Unterricht für ein paar Stunden fern. Aber das ist okay, denn „die Profis hatten lange genug Zeit, zu handeln“. „Jetzt sind wir an der Reihe“ hallt es durch das Megafon in die Menschenmenge. Dieser Spruch wiederholt sich während des Marsches immer wieder. Joshua Gerhard (16) von dem Ricarda-Huch-Gymnasium stimmt der Aussage zu: „Wir sind die Generation, die das ausbaden muss. Warum also still sitzen bleiben?“ Den Vorwurf des Schwänzens weist er entschieden zurück. „Wir können etwas tun, auch wenn es klein anfängt. Schließlich haben wir nur eine Erde“, sagt der 16-Jährige. Für ihn ist es seine erste Demonstration. Aber auch in Zukunft und vor allem in seiner Freizeit will er sich für den Klimaschutz engagieren. Dazu ist er gerne bereit, auf die Straße zu gehen, egal, ob bei Wind und Regen. Auch in der Familie und in seinem Freundeskreis ist er dafür bekannt, dass er gerne Tipps zu Mülltrennung gibt.

Vom Ricarda-Huch-Gymnasium sind auch Maya Trybul (13), Norea-Sophia Jaust (13), Greta Kokon (12), Greta Hermanns (12) und Inga Schwarting (12) zur Fridays for Future Aktion gekommen. Stolz präsentieren sie ihre Plakate. Dort werben sie mit Sprüchen wie „Wir schwänzen nicht! Wir kämpfen!“ und auch „Wir haben die Schnauze voll“. Die Grundstimmung ist klar: Es wird Zeit, zu handeln.

Greta Hermanns ist vor allem der Erhalt der Meere ein Anliegen: „Wir müssen etwas tun, sonst gibt es bald keine Fische mehr.“ Die Schulfreundinnen engagieren sich schon länger für die Umwelt. Vor allem in der Schule sammeln sie Spenden für verschiedene Tierschutz- und Umweltorganisationen. Über 700 Euro sind durch ihre Mühen schon zusammengekommen.

Plakatsprüche wie „Es gibt keinen Plan(eten) B“ oder „There are CO²-nsequenzes“ verleihen ihren Forderungen Nachdruck. „Wir wollen jetzt auch weiter nach draußen gehen und die Leute informieren“, so Norea-Sophia Jaust. „Mit der Demonstration machen wir den ersten Schritt in diese Richtung.“ Das sieht die 16-jährige Paula Kubben von der Marienschule ebenso, denn schließlich „gibt es nur eine Welt“, betont sie. Und auch ihre Freundin Una (16) achtet im Alltag darauf, Wasser nicht unnötig laufen zu lassen, Plastikmüll zu vermeiden, wenig Fleisch zu essen oder das Licht auszumachen, wenn es nicht gebraucht wird. Eine Zeitlang war sie Mitglied beim Naturschutzbund (Nabu), ist aber heute als Pfadfinderin aktiv. Das ist ihr Beitrag für eine bessere Welt. Doch in einer großen Gemeinschaft unter Gleichaltrigen macht es viel mehr Spaß.

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