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Bauhaus-Architekt prägte das Gesicht der Stadt Krefeld

Baugeschichte : Bauhaus-Architekt prägte die Stadt

Hans Vogler hat fast 25 Jahre lang für die Bauverwaltung gearbeitet. Damit er nicht in Vergessenheit gerät und seine zahlreichen Gebäude erhalten bleiben, wollen die Grünen deren Denkmalwert prüfen lassen.

Als 2019 das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus auch in Krefeld gewürdigt wurde, war von Hans Volger nur am Rande die Sprache. Das Hauptaugenmerk lag auf Mies van der Rohe, Lilly Reich und die anderen Bauhaus-Lehrer und Schüler wie Georg Muche, Johannes Itten, Gerhard Kadow und Erich Holthoff, die in Krefeld für die Vereinigten Seidenwebereien (Verseidag) eben gewirkt haben wie für die Werkkunstschule Krefeld. Volger hingegen hat über zwei Jahrzehnte das architektonische Stadtbild Krefelds maßgeblich mit geprägt: Später als Leiter des städtischen Hochbauamtes und als Architekt der Marianne-Rhodius-Schule (heute Gesamtschule Kaiserplatz), des Südflügels des Krefelder Rathauses (Gebäude C) und der Frauenklinik der Städtischen Krankenanstalten, um nur einige zu nennen.

Für Anstellung bei der Stadt
in die NSDAP eingetreten

In der im Rahmen des Bauhaus-Jahres von Kunsthistorikerin Christiane Lange und Anke Blümm herausgegebenen umfänglichen Schrift „Bauhaus und Textilindustrie“ wird sein Werk gewürdigt und seine Person reflektiert kritisch bewertet. Weil das NS-Regime das Architektendiplom des Bauhauses nicht anerkannte, studierte er noch einmal an der Technischen Hochschule Karlsruhe und erwarb den Grad des Diplom-Ingenieurs. 1938 begann er als Baurat im Ressort Bau-Polizei unter dem Baudezernenten Hollatz in Krefeld. Das Bauhaus wurde in seinen Akten als kritisch vermerkt. Unter dem Druck sei er kurz zuvor der NSDAP beigetreten.

„Es gibt aber keine despektierlichen überlieferten Aussagen von ihm“, sagt Christiane Lange. Überliefert hingegen ist sein ambivalentes Verhältnis zum Bauhaus. In seinem Bewerbungsschreiben bei der Stadt Krefeld hatte er sich distanziert vom „abstrakten künstlich-modernen Gehabe“ des Bauhauses und betonte, er haben in der damaligen Zeit immer „auf Natürlichkeit, Gediegenheit und Gewissenhaftigkeit gedrungen“, wie es Christiane Lange in ihrer Schrift zitiert.

Dennoch bezog sich Vogler auf das Bauhaus in einem Schreiben an Walter Gropius, den er um ein Empfehlungsschreiben für die Bewerbung um die Stelle als Leiter der Meisterschule für das gestaltende Handwerk (spätere Werkkunstschule). Gropius lehnte wegen seiner früheren Parteizugehörigkeit ab, obwohl Volger rasch „entnazifiziert“ war. Seine Nähe, aber auch Distanz zu seiner Bauhaus-Zeit, die in den unterschiedlichen Bauprojekten auszumachen sind, sein Anteil an der Krefelder Baukultur, verdienten es laut Christiane Lange, genauer erforscht zu werden.

Der Denkmalwert seiner Gebäude sollte geprüft werden

Auch Rolf Hechler von den Grünen ist auf Hans Volger aufmerksam geworden. Mit einem Antrag an den Ausschuss für Kultur und Denkmal möchte er die Verwaltung beauftragen, die noch nicht als Denkmal eingetragenen Bauten von Volger auf ihren Denkmalwert zu überprüfen. Beim Bau des Südflügel des Rathauses, der früheren Marianne-Rhodius-Schule, die seit vergangenem Dezember nun in der Denkmalliste der Stadt eingetragen sind, sieht man ebenso wie bei der alten Frauenklinik (auf dem heutigen Helios-Klinikgelände) und auf Fotos der alten, abgerissenen Stadtbücherei die Handschrift Volgers als Bauhäusler, Zeitgenössler und Befürworter der Moderne. Ganz anders wiederum sind sein eigenes Wohnhaus Kaiserstraße 204, Haus Kammen an der Hochstraße (ebenfalls abgebrochen), die Siedlung Klein Linn Am Steinacker und die Häuser an der Kempener Allee Nummer 52-56, die seine eigene Handschrift prägen.

„Volger mahnte Qualitätsbewusstsein an und forderte eine baukulturelle Verpflichtung“, zitierte der langjährige Stadtarchivar Paul-Günter Schulte in der Heimat (75/2004). Sein Erbe gilt es zu bewahren und zu pflegen. Der Denkmalschutz ist der richtige Weg.