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Aus dreckigen Krefelder Abwässern wird bald grüne Energie gewonnen

Ziel: Klimaneutralität : Aus dreckigen Abwässern wird grüne Energie gewonnen

Auf dem Weg zu mehr Klimaneutralität bauen die SWK auf dem Gelände der EGK in Krefeld-Uerdingen eine neue Biomethan-Anlage. 17 000 Tonnen CO2 im Jahr können dadurch eingespart werden.

Krefeld soll schon bis 2035 klimaneutral sein. Das ist das ehrgeizige Ziel des verabschiedeten Klimaschutzkonzeptes. Statt eines CO2-Pro-Kopf-Verbrauches von neun Tonnen (in 2017), sollen nur noch zwei Tonnen Kohlendioxid pro Einwohner und Jahr anfallen. „Ein Meilenstein auf dem Weg der Energiewende hin zu mehr Klimaneutralität in Krefeld ist die neue Biomethanproduktion auf dem Gelände der EGK, bei der die SWK mit Thyssengas kooperieren“, sagt bei der Vorstellung des Vorhabens SWK-Vorstand Kerstin Abraham im Schatten der drei riesigen „Eier“, der Faultürme der Kläranlage an der Parkstraße. Insgesamt investieren die beiden Partner 13 Millionen Euro in den Aufbau und in die Einspeisung des klimaneutralen Gases in die ganz in der Nähe verlaufenden Gashochdruckleitung von Thyssengas.

Ab 2022 können insgesamt 86 000 Tonnen CO2 eingespart werden

„Die Verwendung grüner Gase, die wie herkömmliches Erdgas verwendet werden können, haben entscheidenden Einfluss auf die Wärmewende und die Dekarbonisierung der Industrie und damit auch auf den Klimaschutz“, betont Kerstin Abrahm. Die Entsorgungsgesellschaft Krefeld (EGK), eine Tochter der Stadtwerke Krefeld, produziert an der Parkstraße schon seit Jahren Wärme und Strom aus den angelieferten Abfällen; ein Brennstoff, der zur Hälfte aus Biomasse besteht.

Aus der thermischen Verwertung der Müll- und Klärschlammverbrennungsanlage werden derzeit jährlich rund 200 000 Megawattstunden (1 MWh entspricht 1000 Kilowattstunden) und 75 000 Megawattstunden Strom in das lokale Netz eingespeist. Damit können 10 000 Haushalte mit Heizenergie und 25 000 Kunden mit Elektrizität versorgt werden. „Zusammen werden somit schon heute 70 000 Tonnen im Jahr an CO2 eingespart, ab 2022 sind es dann weitere 16 000 Tonnen jährlich, insgesamt 86 000 Tonnen CO2“, so Kerstin Abraham.

„Wir werden künftig mit unserer neuen Anlage bei optimaler Auslastung bis zu 8 Millionen Kubikmeter Biomethan pro Jahr aufbereiten können und das in Erdgasnetzqualität und noch mehr“, erklärt begeistert Hermann Josef Roos, Geschäftsführer der EGK.

Bereits heute werden aus dem der Kläranlage der EGK zufließenden Abwasser Kohlendioxid und Methangas gewonnen. Nach einer bislang einfachen Aufbereitung (Trocknung des Klärschlamms und Entschwefelung) werden diese Faulgase als Energieträger, unter anderem bei der Reinigung der Rauchgase aus dem Verbrennungsprozess, genutzt und verwertet. „Mit dem Umstieg von der nassen Rauchgasreinigung auf das sogenannte Trockensorptionsverfahren wird das Faulgas ab kommenden Januar nicht mehr benötigt“, so Hermann Josef Roos. Es kann stattdessen zu Biomethan aufbereitet und ins Erdgasnetz eingespeist werden.

SWK-Vorstand sieht künftige Bundesregierung in der Pflicht

„Die neue Faulgasaufbereitungsanlage an der Parkstraße mit all ihren Komponenten ist mit Blick auf den Kernenergie- und Kohleausstieg von großer Bedeutung“, sagt Vorstandssprecher Carsten Liedtke. Sie sei aber auch ein perfektes Beispiel dafür, die verschiedenen Sektoren der SWK wie Verkehr, Versorgung und Entsorgung immer mehr und intelligenter zu verknüpfen. Ein wichtiges Ziel der Unternehmensstrategie. 

Die Inbetriebnahme der Anlage ist für das erste Quartal 2022 vorgesehen. Die Vermarktung von Biomethan ebenso wie von dem anfallenden biogenen Kohlendioxid übernehmen die SWK Energie. „Vor allem die Industrie hat großes Interesse an den ausgekoppelten Mengen Biogas zur Wärmeversorgung“, sagt Carsten Liedtke, denn auch deren Ziel lautet, Energie und fossile Brennstoffe einzusparen. Auch im Verkehrssektor könne das Biogas zum Einsatz kommen. Das biogene Kohlendioxid, auf minus 24 Grad Celsius heruntergekühlt und dadurch verflüssigt, könne überwiegend in Gewächshäusern zur Pflanzendüngung eingesetzt werden.

„Wir sind in der Lage und Willens, erneuerbare Energien noch viel weiter auszubauen“, erklärt Kerstin Abrahams. Und dafür auch zu investieren. Dazu müssten verlässliche und längerfristige Rahmenbedingungen von der künftigen neuen Bundesregierung geschaffen werden. „Aus unserer Sicht fehlen bislang konkrete Maßnahmen, um die Klimaziele zu erreichen.“