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Aus der Geburtshilfe in Uerdingen - Am Ende gibt es nur Verlierer

Aus der Geburtshilfe in Uerdingen - Am Ende gibt es nur Verlierer

Das Aus der Geburtshilfe in Uerdingen — und die Folgen

Krefeld. Selten gibt es Nachrichten, die so rundum deprimierend sind: Die Entscheidung, die Geburtshilfe in Uerdingen zu schließen, ist nicht nur auf symbolischer Ebene ein Desaster, weil sie einen Ort auslöscht, an dem in 130 Jahren so viel neues Leben entstanden ist. Sie hinterlässt auch ganz konkret nur Verlierer.

Da sind die Hebammen. Pünktlich zum Fest erhalten sie die Kündigung. Einen neuen Job werden gerade die älteren kaum finden. Den Schwestern und Ärzten ergeht es etwas besser, doch auch sie starten mit viel Ungewissheit ins neue Jahr.

Da sind die Uerdinger Lokalpatrioten. Sie arbeiten hart daran, Infrastruktur zu erhalten, ein Ausbluten des Stadtteils zu verhindern. Schuldlos werden sie darin zurückgeworfen.

Da sind Krefelds zukünftige Eltern. Sie werden ab April keine Wahl mehr haben. Viele entscheiden sich bewusst gegen die Anonymität einer Großklinik. Wo sollen sie künftig hin?

Auch das St. Josefshospital, das sich wirtschaftlich konsolidieren möchte, verliert — und zwar an Ansehen. Eine Geburtsklinik ist ein identitätsstiftender Ort, der Bindung und Vertrauen schafft. Wer schöne Momente dort erlebt, kommt vielleicht auch in dunkleren Tagen wieder.

Selbst das Klinikum, das wie der einzige Gewinner wirkt, wird am Ende Verlierer sein — wenn die Geschäftsleitung die Lage jetzt nicht erkennt. Es ist kein Zufall, dass die Schließung in Uerdingen auch die geballte Unzufriedenheit mit Helios nach oben spült. Die Kritik an der „Geburtsfabrik“, in der am „Fließband“ und ohne ausreichende Betreuung entbunden werde, sollte man dort sehr ernst nehmen. Sollten die Entscheider glauben, zum gleichen Kostenfaktor mal eben 500 Babys mehr "ausliefern" zu können, wird sich das — in diesem sensiblen Feld — ganz sicher rächen.