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Aus dem "halben Willy" soll in Krefeld endlich ein ganzer werden

Aufenthaltsqualität : „Halber Willy“ soll ein ganzer werden

20 Jahre später könnte der Traum von einem grünen Willy-Göldenbachs-Platz doch noch ein Happy end finden. Die Bezirksvertretung hat schon zugestimmt.

Nach Corona soll die Innenstadt und der dortige Handel sowie die Gastronomie gestärkt, die Aufenthaltsqualität für Besucher und Anwohner verbessert werden ebenso wie das städtische Klima, dass sich vor allem in den heißen Sommermonaten innerhalb der Häuserzeilen von Jahr zu Jahr mehr aufheizt. Vor diesem Hintergrund hat die Bezirksvertretung Mitte dem Antrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen mehrheitlich zugestimmt, aus dem „halben Willy“ endlich einen ganzen machen zu wollen.

Die Ziele für die Innenstadt haben sich geändert

Der „halbe Willy“ heißt bei den Krefeldern so, weil die Umgestaltung des Willy-Göldenbachs-Platzes zu einem grünen Platz im Jahr 2008 letztendlich nur zur Hälfte umgesetzt worden ist. Nach massivem Protest aus der Händlerschaft und zweieinhalbjähriger Diskussion hatten das damals noch federführende städtische Grünflächenamt und der damalige Oberbürgermeister Gregor Kathstede sich von dem einstigen Plan verabschiedet und einem Kompromiss zugestimmt. Ein Teil der Parkplätze wurde zugunsten einer Grünfläche aufgegeben, 20 blieben erhalten. Der „halbe Willy“ war „geboren“.

„Die Ziele für die Entwicklung der Innenstadt haben sich mittlerweile geändert. Die Aufenthaltsqualität der öffentlichen Räume, die ökologische Gestaltung und das Grün haben einen noch höheren Stellenwert“, sagen Anke Drießen-Seeger (SPD) und Ana Sanz (Grüne) bei einem Treffen vor Ort. „Es kommt niemand mehr mit dem Auto in die Stadt, um Brötchen zu kaufen“, fügt Ana Sanz hinzu. Beide setzen sich schon lange dafür ein, dass die Innenstadt fahrradfreundlich wird und den Menschen dort eine bessere Aufenthaltsqualität bietet.

Zuletzt hatte die Studie „Vitale Innenstädte“ des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln der Krefelder Innenstadt noch ein miserables Zeugnis ausgesprochen. Rot (Note 4 bis 6) gab es für Gebäude/Fassaden, Plätze und Verweilmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten, Sicherheit und Sauberkeit. Was in anderen Städten so beliebt ist, in der unmittelbaren Nähe der Einkaufsstraßen attraktive Plätze mit Gastronomie und Verweilangeboten vorzufinden, ist in Krefeld – auch unabhängig von dem derzeitigen Lockdown – Mangelware.

Das hatte die Stadt erstmals 1991 erkannt. Im Rahmen des von Prof. Humpert erarbeiteten Entwicklungskonzept Innenstadt schlug der unter anderem vor, die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Bebauung auf dem Willy-Göldenbachs-Platz nicht wieder aufzubauen und stattdessen eine dem Platz angemessene Gestaltung zu liefern. Die Freiflächenqualität sollte deutlich verbessert werden, ein Wettbewerb wurde dazu ausgelobt. Planungsvorgabe war, unter dem Platz eine Tiefgarage anzubieten.

Schon vor 30 Jahren ein grünes Platzkonzept vorgestellt

Die jetzt wieder aufkeimende Diskussion über die Quartiersgaragen im Rahmen des neuen Mobilitäts- und Parkraumkonzeptes ist also gar keine neue. Sie ist sogar schon 100 Jahre alt. Denn schon in den 1920er Jahren stand an der Wallstraße eine der ersten Hochgaragen Deutschlands, die - in die Jahre gekommen und nicht mehr zeitgemäß – in den 1980er Jahren für den neuen Anne-Frank-Platz weichen musste.

Das Entwicklungskonzept Innenstadt wurde nicht umgesetzt. Dafür entstand die Idee, sieben Plätzen in Krefeld eine besondere Bedeutung zuzuführen. „Dem Willy-Göldenbachs-Platz wurde die Funktion des grünen Platzes zugewiesen“, erinnert Ana Sanz und verweist auf das mehrseitige Konzept, das im Oktober 2005 der Fachbereich Grünflächen in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Stadtplanung und Bauaufsicht in den entsprechenden Gremien vorgelegt hat. Gleichzeitig sollte mit der Neugestaltung des Platzes die Aufenthalts- und Verweilqualität, wie aber auch die Wohnqualität des Viertels aufgewertet werden.

Damals dominierten den etwa 122 Meter langen und 38 Meter breiten Platz 85 Parkplätze, Außengastronomie gab es trotz der Lokale am Platz nicht und die Lindenbäume hatten es bei der großen Asphaltdecke sehr schwer, gesund zu bleiben.

Nach den Entwürfen von Doris Törkel, die damalige Leiterin des Grünflächenamtes, entstand in abgespeckter Version schließlich eine von einer Hecke und einem Zaun umsäumte Grünfläche, durch die sich ein zwei Meter breiter Fußgängerweg als (in den Abendstunden) beleuchte Achse und Verbindung zwischen dem Anne-Frank-Platz und dem Platz An der Alten Kirche zieht. Der sogenannte Cat Walk in Anlehnung an einen Lauf-Steg. Die parallel dazu aufgestellte „lange Bank“ soll Momente des Müßiggangs bieten, wie es damals bei der Vorstellung hieß. Der angekündigte Blick auf ein Blütenbank fiel dann jedoch dem Sparzwang zum Opfer. „In Anlehnung an den nördlichen Teil könnte jetzt zur Stephanstraße hin der grüne Platz erweitert und den Gastronomen dort Platz für bewirtschaftete Terrassen angeboten werden“, wirbt Anke Drießen-Seegers.