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Aufwachen, Pinguine!

Meinung : Aufwachen, Pinguine!

Die Krefeld Pinguine sollten auf ihre eigenen Talente setzen.

Wenn man den Werdegang von Eishockey-Spieler Tim Stützle sieht, darf man sich als Vertreter der Krefeld Pinguine schon ein bisschen freuen. Und auch gleichzeitig ärgern. Stützle begann das Eishockeyspielen einst beim KEV. Heute zählt der 18-Jährige zu den Toptalenten der Welt – und wird in die NHL wechseln.

Die Anfänge in der Rheinlandhalle haben den Grundstein gelegt für den jetzigen Sprung über den großen Teich in die wichtigste Eishockeyliga der Welt. Die Pinguine haben aber finanziell nichts davon, weil Stützle ihnen aufgrund fehlender Perspektiven zu früh von der Stange ging. Das soll bloß nicht noch mal passieren, betonte Geschäftsführer Roger Nicholas jüngst einmal. Und doch hat der Verein in Bezug auf die Kaderplanung einen anderen Weg eingeschlagen.

Dabei hatten die Pinguine nach dem Wechsel der Gesellschafter vor rund fünf Monaten betont, fortan noch mehr auf die Jugend setzen zu wollen. Bei einem Verein, dessen Jugendabteilung seit Jahren vom Verband mit Bestnoten ausgezeichnet wird, klingt das nach einer vielversprechenden Zukunft. In Zeiten von Corona, in der jeder Euro gerade im Eishockeysport dreimal umgedreht werden muss, wäre es wirtschaftlich wohl sogar die sinnvollste Langzeitplanung, den eigenen Talenten eine Perspektive im DEL-Team aufzuzeigen. Nur passiert ist seitdem wenig.

Viel mehr wurde auf dem Transfermarkt darauf geachtet, junge Spieler aus dem Ausland zu holen, den eigenen Nachwuchs hat man bei der Kaderplanung aber fast vollständig außen vor gelassen. Selbst Spieler wie Philipp Kuhnekath oder Niklas Postel, die sich bereits ihre Meriten verdient haben, scheinen derzeit nur wenig Aussicht auf Spielzeit zu haben. Gut möglich, dass bald noch mehr Talente die Westparkstraße verlassen werden. Denn wer dem eigenen Nachwuchs nicht vertraut, braucht sich auch nicht über entgangene Ausbildungsentschädigungen zu beschweren.