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Aufführung der Ballettschule Zindel macht nachdenklich

Aufführung der Ballettschule Zindel macht nachdenklich

120 Schüler präsentieren ein Werk, das den Zustand der Erde thematisiert. Das erste Finale bewegt das Publikum mit dem „Earth Song“.

Die Sonne geht auf, die Vögel singen und Schmetterlinge fliegen über eine bunte Blumenwiese — die Welt könnte so schön sein. Wäre da nicht der Mensch. Er baut Maschinen, produziert Plastikmüll und verschmutzt damit seine Umwelt. Für eine Ballettaufführung, bei der bereits die Allerkleinsten zum Entzücken ihrer Familien ihr Können präsentieren, ein eher ungewöhnliches Thema. Doch den Verantwortlichen der Ballettschule Zindel, Regina Zindel und Rasmus Olders, ist es gelungen, ein facettenreiches Stück zu kreieren, das nachdenklich stimmt und trotzdem die Erwartungen an so eine Präsentation voll erfüllt.

„Leben!“ ist der Titel der zweistündigen Aufführung, die im professionellen Rahmen des Krefelder Theaters gezeigt und vom Publikum bejubelt wurde. 120 Schüler von vier bis mehr als vierzig Jahren haben dafür monatelang geprobt und ein Stück entwickelt, das von Kontrasten lebt. Zu Beginn erklingt Harfenmusik (Anselm Brüggen) und Frau Luna (Rosemarie Weber) erscheint in einem silbernen Gewand. Sie beklagt ihre Schwester Erde, die unter den Menschen zunehmend zu leiden hat. Doch in diesem ersten Teil zeigt sich die Erde noch als intakte Schönheit.

Zu den Klängen der Morgenstimmung von Edvard Grieg erwacht der neue Tag. Blumenkinder recken ihre Köpfe, muntere Vögel und hübsche Schmetterlinge bevölkern die Szene. Die Szene wechselt zu einem Fluss. Zur berühmten Vertonung der „Moldau“ kommt neben graziösen Flussgeistern auch der Mensch ins Spiel: Schulkinder und Touristen, die sich vor der ehrwürdigen Kulisse der Stadt Prag nicht immer gut benehmen.

Das schrille Klingeln ihrer Handys stört die schöne Atmosphäre. Weitere Erfindungen nehmen technische Gestalt an: ein witziger Tanz lebendig gewordener Plastiktüten gehört ebenso dazu wie die Rohre, durch die jede Menge Abwässer fließen. Auch große Maschinen verbreiten zunehmend Lärm und schlechte Luft.

Tänzerisch abwechslungsreich von Ballett bis Jazz und Modern Dance agieren die Gruppen in fließender Abfolge. Ein Höhepunkt sind die Kostüme, die Regina Zindel wieder mit viel Fantasie und Liebe zum Detail gestaltet hat. Ein unter die Haut gehendes erstes Finale gibt es zu Michael Jacksons „Earth Song“. In Jeans und T-Shirts wirbeln die Menschen über die Bühne, im Hintergrund erheben die Tiere verzweifelte Anklage über das rücksichtslose Treiben der Erdbewohner.

Im zweiten Teil geht es in die Tiefen des Ozeans. Kleine glitzernde Fische, hübsche weiße Quallen und eine riesige Krake gleiten vergnügt durch das Wasser, bis auch hier der Mensch in die Quere kommt. Eine Gruppe schwarz gekleideter Tänzerinnen verkörpert die Ölpest, die alles zu vergiften droht. Musikalisch untermalt wird das mit Zitaten aus der „Moldau“, die jetzt elektronisch verzerrt sind. Das Meer wird krank und die Fische winden sich zu den Klängen eines traurigen Oboenkonzerts. Auch das eine Szene, die unter die Haut geht. Doch der Mensch als Verursacher weiß auch Abhilfe zu schaffen. Ein flottes Trio von Wissenschaftlern entwickelt eine Recyclingmaschine, die Plastik sammelt und verwertet.

In Stil einer Revuenummer werden anschließend die neuen Produkte präsentiert. Der Fall Erde ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Als das Thema „What a Wonderful World“ erklingt, geben sich die Wissenschaftler und Frau Luna versöhnlich die Hand. Ein sehr leiser Schluss. Hier hätte man sich einen ähnlich starken Abschluss wie beim ersten Finale gewünscht. Doch bis auf diese kleine Einschränkung ist es eine rundum gelungene Präsentation gewesen, auf die alle Beteiligten stolz sein können.