Asyl für Geflüchtete: Heftige Kritik an SPD-Plakat im Netz

Asyl für Geflüchtete: Heftige Kritik an SPD-Plakat im Netz

Mit einem Foto, das Boatpeople in den 1970ern zeigt, fordert der Krefelder Ortsverband Mitte die Stadt auf, Geflüchteten aus Afrika Asyl zu geben. Das Plakat sorgt für kontroverse Diskussionen.

Krefeld. Die SPD nennt es ein Zeichen gegen „den auch in Krefeld grassierenden Rechtspopulismus“ — im Netz sorgt ein vom Ortsverein Krefeld-Mitte auf dessen Facebookseite gepostetes Plakat aktuell allerdings für kontroverse Diskussionen.

Zum Hintergrund: Im Integrationsrat hatte SPD—Ratsfrau Halide Özkurt vergangenen Donnerstag gefordert, die Stadt Krefeld solle den vom Seenotrettungsboot Lifeline vor der Küste Libyens aufgenommenen Geflüchteten Asyl anbieten und für ihre Anfrage Unterstützung von Grünen und CDU bekommen. Der SPD-Ortsverein greift Özkurts Forderung in den Sozialen Medien auf: mit einem Schwarz-Weiß-Bild, das vietnamesische Boatpeople Ende der 1970er Jahre bei ihrer Flucht vor den Schrecken des Vietnamkrieges zeigt.

Es geht um Glaubwürdigkeit. „Das Foto zeigt Asiaten auf einem typisch asiatischen Boot! Das Foto und die gezeigten Menschen haben nichts, aber auch gar nichts mit der Lifeline zu tun! (. . .) Das hinterlässt ein gewisses Geschmäckle!“, kommentiert ein Nutzer auf der Facebook-Seite der SPD Krefeld-Mitte. Ein anderer fragt: „SPD — warum wurde das Plakat mit dermaßen heißer Nadel gestrickt, das ausgerechnet Vietnamesen für das augenblickliche Flüchtlingsdebakel herhalten müssen?“ Bei diesem Facebook-Nutzer kommen durch den Post der SPD eigene Erinnerungen hoch: „Ich habe diese Zeit miterlebt und war einer von denen. Die Vietnamesen sind diesem Land sehr dankbar, haben sich sehr gut hier eingelebt und diese Gesellschaft mitgestaltet. Kriege und Vertreibungen sind leider überall nicht weniger geworden. Nach 70 Jahre Frieden hier in Europa haben einige Leid und Hunger vergessen!“

Ganz bewusst habe man dieses Bild ausgewählt und auch Reaktionen darauf erwartet, erklärt der SPD—Ortsvorsitzende Senthuran Sivananda der WZ, „weil es sich bei den Boatpeople um Bootsflüchtlinge handelt. Für uns sind es alles Menschen, die vor dem Tod durch Ertrinken gerettet werden sollen.“ In Richtung der Kritiker fragt Sivananda: „Was sollten wir stattdessen machen, die Menschen ertrinken lassen? Wir finden, mit der Anfrage haben wir ein Zeichen für Mitmenschlichkeit, für ein weltoffenes Krefeld und für christliche Werte wie Nächstenliebe gesetzt. Wir sind stolz, dass es einen einstimmigen Beschluss gab, lediglich die FDP hat sich enthalten. Das ist ein starkes Signal gegen die rechten Hetzer, die meistens nur anonym im Netz auftauchen.“

„Ein gutes Zeichen für die Menschlichkeit!“ — mit dieser Meinung steht ein weiterer Nutzer im Netz ziemlich allein da. Denn nicht nur für die Wahl des Fotos kassiert die SPD auf Facebook heftige Kritik: „Ihre schwachsinnige Haltung setzt ein komplett falsches Zeichen. Damit tragen Sie die Verantwortung mit für die nächsten Ertrunkenen im Mittelmeer“, kommentiert ein anderer. Der nächste betont: „Jedem Menschen, der zu ertrinken droht, muss geholfen werden. Die mehr als bedenkenswerte Crux liegt in der Vermengung von geplanter Flucht und akuter Seenotrettung (. . .)“

Gegenwind gibt es auch von der Werte Union Niederrhein. Als „gefährlichen und peinlichen Populismus“ bezeichnet Sprecher Daniel Bruckmann „die Forderung des Integrationsrates, 50 afrikanische Migranten in Krefeld aufzunehmen, die an Bord des NGO Schiffs Lifeline von Libyen in die EU gelangt sind (. . .) Hierdurch entstehen erhebliche Gefahren für die Menschen, die versuchen, über die Schlepperrouten des Mittelmeeres nach Deutschland zu gelangen.“ Es sei ein falsches Signal, wenn der Integrationsrat „öffentlichkeitswirksam fordert, Menschen ins Land zu bringen, die sich aus purer Not absichtlich in Seenot begeben“. Und Bruckmann schießt weiter: „Wie platt und populistisch die Forderung des Integrationsrates ist, zeigt sich daran, dass keiner der Mitglieder des Integrationsrates bereit war, für die Aufzunehmenden eine eigene Bürgschaft zu stellen.“