Artenschutz: Neues Zuhause für Amphibien in Krefeld

ARTENSCHUTZ : Für Amphibien mit Abenteuer-Lust

Ein Zuhause auch für seltene Frösche sollen zwei neue Tümpel in Orbroich werden. Ein Problem bleibt der Flöthbach. Seine Renaturierung ist auf dem Stück schwierig.

Zwei neue Tümpel in Orbroich sollen ein Paradies für Amphibien werden. Noch sind es zwei große Löcher im Boden, aus denen ein Bagger insgesamt rund 1000 Kubikmeter Erdreich geschaufelt hat. 830 beziehungsweise 850 Quadratmeter groß sind die oval geformten Kuhlen in der Nähe der Straße Am Jägerhaus. Wären sie voll Wasser, bräuchte ein Mensch eine Minute, um auf die andere Seite zu schwimmen. Das Wasser steht allerdings etwa 1,80 Meter unterhalb der Uferkante und hat deshalb derzeit etwas von einer großen Pfütze. Genug für die Frösche, Kröten, Lurche und Molche, die sich hier eigentlich wohlfühlen sollen.

Es ist Grundwasser, das sich hochgedrückt hat. Am Ufer sind noch die verschiedenen Bodenschichten zu erkennen: ein schmaler Streifen Erde, viel Lehm und dann eine Schichte Sand, die an den Wasserrand heranreicht. Es sieht kahl und trostlos aus, wird es aber nicht lange bleiben. „Das wird sich alles von alleine natürlich selbst begrünen“, sagt Theo Malschützky, Landschaftspfleger der Unteren Naturschutzbehörde. Und so könnten an den neuen Artenschutzgewässern bald auch seltene Pflanzen wie die Wasserfeder zu finden sein. „Es gibt so viele ruhende Samen im Boden, das ist total interessant, es geht ja nicht nur um die Amphibien“, betont Heino Thies, beim Kommunalbetrieb zuständig für den Bereich Grünflächen. Kräuter und andere Pflanzen wie Rohrkolben werden vom Wind oder von Vögeln weitergetragen. „Beim Rohrkolben kann es sogar sein, dass der relativ schnell kommt“, meint Malschützky.

Wenn sich alles gut weiterentwickelt hat, es grünt und blüht, dann wird voraussichtlich der Laubfrosch wieder „einziehen“. Der ist in Orbroich seit Jahren nicht gesichtet worden. Im restlichen Krefeld und überhaupt am Niederrhein gibt es ihn kaum noch. Und überhaupt ist er in ganz Deutschland selten. Allerdings gibt es Projekte, in denen die Tiere erfolgreich wieder angesiedelt werden konnten – zum Beispiel im Münsterland. So wie dort würde – wenn sich alles optimal entwickelt – voraussichtlich Laich von Menschenhand in die neuen Tümpel gesetzt.

Wenn alles gut geht, gibt es
in den Gewässern keine Fische

Beim Rest der Amphibien setzen Thies und Malschützky auf natürliche Wege. Zwar wandern einige der Arten zum Laichen normalerweise zu Seen und Teichen zurück, aus denen sie selbst irgendwann als kleine Erdkröten, Teich-, Berg- oder Kammmolche gekrochen kamen. „Aber das ist wie bei Menschen. Es gibt eben manche, die wandern nach Amerika aus, andere bleiben. Es gibt immer ein paar Prozent Abenteurer“, sagt Thies schmunzelnd.

Im Gegensatz zum vor rund 20 Jahren angelegten Artenschutzgewässer nur etwa hundert Meter weiter hoffen die beiden Umweltexperten, dass sich keine Fische einfinden werden – deren Laich kann beispielsweise mal in einem Entengefieder von einem zum nächsten Tümpel wandern. Aber Fische und Amphibien vertragen sich nicht, weil Erstere den Frosch- und Krötenlaich fressen. Deswegen wurde diesmal die Wasserhöhe mit zehn bis 15 Zentimetern eher gering gehalten. Unter anderem, weil das Wasser dadurch im Sommer sehr warm wird. „Das mögen Fische nicht“, sagt Malschützky.

Auf der Grünfläche, die den größeren der beiden neuen Teiche umgibt und der Stadt gehört, soll Mitte kommender Woche noch eine Flutmulde ausgebaggert werden. Das wird etwa eine Woche dauern. In dieser Mulde soll bei Hochwasser der Flöthbach überlaufen können. Das ist ein weiterer Schritt im Rahmen der Renaturierung des Flöthbachs, der nicht nur für den Artenschutz unter anderem verbreitert wird. Es ist auch Hochwasserschutz, wenn sich bei Starkregenereignissen die Massen links und rechts des Bachlaufs verteilen können. „Statt in die Keller der Häuser zu laufen“, sagt Thies.

In Orbroich ist die Renaturierung des Bachs allerdings derzeit nicht möglich. Bei den Grundstücksbesitzern, deren Land an die Ufer reicht, bestehe derzeit kein Interesse, an die Stadt zu verkaufen. „Wir haben extra Land als Tauschflächen erworben, kommen aber nicht weiter“, so Thies, „wir haben nur wenige Flächen am Flöth­bach kaufen können.“ Es geht um einen Abschnitt von gut zwei Kilometern nördlich des Schluffs. Stattdessen geht man nun den Weg des sogenannten Trittsteinprinzips. Vom Bach aus gesehen werden strahlenartig in alle Richtungen renaturierte Punkte geschaffen.

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