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Krefeld: Architekturpreis für Glas und Stahl aus eigenem Guss

Krefeld : Architekturpreis für Glas und Stahl aus eigenem Guss

Gerd und Sven Aretz haben den Krefelder Architekturpreis gewonnen. Ihr Büro ist auch Showroom.

Krefeld. Gerd und Sven Aretz sind am Dienstag mit dem Architekturpreis 2016 der Stadt Krefeld ausgezeichnet worden. Vom Entwurf über die Detailplanung bis zur Ausführung haben sie ein Gebäude aus Stahl und Glas geschaffen, das klar und einfach in seiner Struktur ist, gleichermaßen funktional wie ästhetisch überzeugend, lobt die Jury. Es ist der Verwaltungssitz der Metallbaufirma Krüppel, des eigenen Familienunternehmens, von Vater (Diplomingenieur) und Sohn (Architekt) als Büro und Ausstellungsstück konzipiert. „Wir zeigen in dem Gebäude die Bandbreite dessen, was wir als Metallbauer können“, erläutert Sven Aretz.

Rund 90 Prozent der Materialien, schätzt er, wurden in der eigenen Firma produziert. Nur knapp zehn Meter vom Neubau entfernt, entstanden die tragende Stahl-Glas-Konstruktion ebenso wie Tische, Stühle und Lampen bis hin zum Kleiderbügel. Den Entwurf, sagt Sven Aretz, habe er im ersten Semester gemacht, die Detailplanung seinem Vater überlassen. Nicht das, wohl aber die Realisierung, habe lange gedauert — aber das ist ein gutes Zeichen. „Wir haben immer produziert, wenn wir in der Werkstatt Kapazitäten frei hatten.“ Die Kunden, die bei dem Metall- und Apparatebauer Sonderanfertigungen in Auftrag geben, hatten Vorrang, erläutert sein Bruder Jan Aretz, technischer Leiter des Familienunternehmens Krüppel.

Über eine kleine Brücke gelangen Besucher und Mitarbeiter in das Büro.

So wuchs der lichtdurchflutete, filigrane Bau nur langsam dort, wo bis dahin ein Wintergarten als Büro und Kundenzentrum gedient hatte. Nur unzulänglich, wie Sven und Jan Aretz sagen, Bürobetrieb und Besucher störten sich gegenseitig.

Gerd Aretz und sein Sohn Sven — hier an der schwebenden Treppe — haben das Gebäude realisiert.

Im Neubau sind die Funktionen getrennt — auch durch die Aufsetzung eines Obergeschosses. Stahlstufen und ein schwebender Handlauf führen nach oben, wo eine Glaswand zwei Büros voneinander trennt. Wer sich in dem Haus bewegt, muss aufmerksam sein.

Oberbürgermeister Frank Meyer lobte die am Höffgeshofweg 17-19 im Gewerbegebiet Krefeld-Fichtenhain versteckt hinter der Werkstatt liegende „architektonische Perle“, die von einem Teich mit Steinstrand umgeben und über eine Brücke erreichbar ist, als eindrucksvolles „Gebäude aus einem Guss“. Einstimmig habe sich die Jury für das Objekt ausgesprochen, das die Kernfunkton des Krefelder Architekturpreises perfekt erfülle: den Blick auf versteckte architektonische Schätze zu lenken, über die Krefeld verfügt.

Auch auf die Firma selbst treffe dies zu: Hinter unscheinbaren Fabrikhallen würde sich auch hier ein Hidden Champion verbergen, dessen Produkte international gefragt seien. Eine Bitte hatte Frank Meyer am Ende dennoch: „So schön ich es finde, dass unsere Stadt so viele architektonische Geheimtipps zu bieten hat — allzu geheim sollten sie bitte nicht bleiben“, meinte er. Er hoffe, dass auch andere Interessenten die Chance bekämen, das Haus zu besichtigen, „spätestens im Bauhausjahr 2019, da läge das absolut auf der Hand“.

Gerd Aretz freute sich sehr über die Auszeichnung, fand es aber geradezu zwangsläufig, dass das Haus in Eigenregie entstanden ist, angesichts von mittlerweile drei Architekten in der Familie. Der dritte im Bunde, Landschaftsarchitekt Lars, zeichnet für die Gestaltung des Außengeländes verantwortlich.

Architekt Oliver Schröter, Vorsitzender der Jury, machte deutlich, wie klar die Entscheidung der Experten in diesem Jahr zugunsten des Hauses fiel, das „klar, einfach und übersichtlich“ sei und bis ins Detail einen „stringenten Gestaltungswillen“ erkennen lasse.

Eine „lobende Anerkennung“ gab es aber noch für einen Kollegen. Piet Reymann erhielt sie für seine Gestaltung der Rondo Food GmbH an der Magdeburger Straße. Reymann habe eine schwierige Aufgabe exzellent gelöst.