Arbeitstrend Co-Working wird in Krefeld weiter ausgebaut

Wirtschaft : Arbeitstrend Co-Working wird in Krefeld weiter ausgebaut

Gruppe von Existenzgründern schafft mit der Wirtschaftsförderung gemeinsam einen dritten Standort.

Wer aus dem Großraum ins Einzelzimmer kommt, hat es geschafft. So lautet wohl die gängige Vorstellung von der Arbeit im Büro. Für die Vertreter junger und neuer Wirtschaftszweige gilt das allerdings nicht mehr. Gründer, kreative Teams, aber auch freiberufliche Ein-Mann-Unternehmen streben geradezu in den Großraum: Co-Working-Space heißt das.

Das sind Räume, in denen sich Menschen einen Schreibtisch mieten und mit anderen das Büro teilen. Das soll unter anderem den Austausch zwischen Leuten mit verschiedenen Berufen und Fachrichtungen fördern. In den großen Metropolen sind solche Angebote längst üblich, in Krefeld entstehen derzeit entsprechende Flächen. Schließlich entwickelt sich in der Stadt eine Start-up-Szene.

Co-Working im Mies-van-der-Rohe-Park soll ausgebaut werden

Man wolle verstärkt eine Umgebung schaffen, die Ideen und Gründungen befördere, sagt Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD). Die Gründerszene werde von der Stadt und der etablierten Wirtschaft sehr ernst genommen. Die Wirtschaftsförderung hat daher gemeinsam mit einer Gruppe von Existenzgründern einen von drei Co-Workings-Standorten der Stadt geschaffen. Sie kooperieren mit dem Betreiber der Bar „Take TV“, Alte Linner Straße 93 bis 97, der seine Räume zur Verfügung stellt.

Dienstags am Nachmittag können sich Vertreter von Start-ups und andere Interessierte dort treffen. Dabei bemühen sich die Macher um die typische Co-Working-Atmosphäre. In verschiedenen Räumen können die Unternehmer arbeiten und reden. Ein kleines Kino ermöglicht Präsentationen. Und wer Ablenkung sucht, kann an den Kicker oder die Dartscheibe. Die Nutzung ist kostenlos.

Noch sei das Thema in Krefeld sehr am Anfang, sagt Eckart Preen, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung. Doch nun käme dieses Modell auch in mittelgroßen Städten an. Die Gruppe derer, die Interesse an solchen Büros haben, hat sich nämlich vergrößert. Neben Start-ups mieten mittlerweile auch etablierte Unternehmen zusätzliche Plätze. Teilweise sollen bei Auftragsspitzen weitere Mitarbeiter untergebracht werden. Zudem sollen die Angestellten mit anderen Firmen in Kontakt kommen, um neue Ideen zu entwickeln.

Der Mies-van-der-Rohe-Businesspark möchte künftig sowohl junge Leute als auch bestehende Betriebe anlocken. In sechs Wochen soll dort das Co-Working-Angebot mit einem neuen Raum erweitert werden.

Die Betreiber des Businessparks sehen in diesem Bereich eine Marktlücke in Krefeld. Es müsse ja nicht sein, dass Leute mit guten Ideen wegen fehlender Arbeitsräume nach Düsseldorf gingen, sagt Businesspark-Sprecher Matthias Berghaus. 48 Arbeitsplätze soll es geben. „Cool, locker, luftig“, sagt Berghaus. Potenzielle Nutzer können zwischen verschiedenen Angeboten wählen. Für 390 Euro pro Monat gibt es unter anderem einen Schreibtisch, WLAN und den Zugang zur Gemeinschaftsküche. Wer mehr zahlt, kann etwa einen Besprechungsraum nutzen. Es gebe bereits diverse Anfragen, sagt Berghaus.

Die etablierten Firmen freuen sich auf die Neulinge auf dem Campus. „Möglicherweise entwickeln sich Synergien zwischen den Unternehmen“, sagt Berghaus. Die räumliche Nähe soll einen Austausch ermöglichen, etwa draußen auf einer der Grünflächen oder im Café auf dem Gelände.

Schon etwas länger beleben junge Gründer eine alte Industriebrache in der Krefelder Südweststadt: Auf dem Gelände der in den 1890er-Jahren in Betrieb genommenen Samtweberei „Scheibler & Co“ ist inzwischen das sogenannte Pionierhaus entstanden. In einem fünfstöckigen Verwaltungsbau arbeiten seit Anfang September 2014 etwa 25 Kreativunternehmen. Zudem gibt es einen Co-Working-Space.

Anders als im Businesspark muss es nicht möglichst schick sein. Um die Mieten für Firmen günstig halten zu können, hat der Vermieter darauf verzichtet, die Räume im Pionierhaus in Neubaustandard herzurichten. Im Co-Working-Bereich kostet ein Tagesticket mit Internetzugang und Telefon 14,40 Euro, das Monatsticket 144 Euro. Angesprochen auf die bestehenden Plätze reagiert Preen von der Wirtschaftsförderung zögerlich: „Das Angebot der privaten Unternehmer ist aus unserer Sicht zu gering.“ Daher sollen mehr Co-Working-Flächen in kommunaler Trägerschaft entstehen. Derzeit befasst sich die Grundstücksgesellschaft der Stadt unter dem Dach der Wirtschaftsförderung mit möglichen Standorten und der Finanzierung.

Mehr von Westdeutsche Zeitung