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Apollo-Theater in Krefeld: Eine Rettungsmission gegen die Zeit

Krefelder Stadtbild : Apollo-Theater: Eine Rettungsmission gegen die Zeit

Immobilienmakler Frank Schneewind und die Organisation WirStadt wollen die Fassade des ehemaligen Apollo-Theaters vor der Vernichtung bewahren. Diese Aufgabe ist jedoch ein wahres Mammutprojekt.

Unermüdlich sind die Männer des Bautrupps auf dem Dach des ehemaligen Apollo-Theaters bei der Arbeit. Frank Schneewind blickt hinauf und verfolgt jeden Handgriff. Wieder lässt der Kran einen großen Brocken des Eifeler Sandsteins zu Boden. Ein kleiner Erfolg ist das für den Inrather Immobilienmakler und seine Mitstreiter von der Initiative WirStadt.org.

Seit 7 Uhr am Donnerstagmorgen sind die Männer am Werk. Es geht voran, doch das Problem ist die Zeit, denn Schneewind hat sich zusammen mit den Männern und Frauen der Organisation eine wahrhaftige Mammutaufgabe vorgenommen. Er will die rote, historische Fassade des Hauses an der Friedrichstraße vor dem Abriss und der Vernichtung retten. Element für Element lässt er nun also von einem eigens bestellten Arbeitertrupp aus Polen abbauen. Die Uhr tickt, denn bis Samstagabend müsse die Demontage eigentlich abgeschlossen sein, sagt er, sonst drohten bei jedem zusätzlichen Tag seines Teams auf der Baustelle eine Geldbuße bis zu 10 000 Euro.

Einige Meter weiter sind die Bagger seit Wochen damit beschäftigt, das ehemalige Ziellenbach-Haus abzureißen. An der Stelle soll ein Neubau mit Mischnutzung aus Gastronomie, Einzelhandel und Büroräumen entstehen. Der Frankfurter Investor Erwe Immobilien will dort 22 Millionen Euro verbauen.

Wer den umtriebigen Frank Schneewind an der Baustelle in der Fußgängerzone erlebt, der sieht einen Mann der Tat, der wohl gerne selbst jetzt dort oben auf dem Dach anpacken würde: „Ich ziehe das jetzt durch, egal welche Windmühlen gegen mich arbeiten werden. Große Aufgaben haben mich noch nie geschockt.“ Der Immobilienmakler, der schon in Düsseldorf große Räumlichkeiten an Firmen vermittelt hat und sich sehr für Backstein- und Industriebauten interessiert, hat nach eigenen Angaben bis zu 50 000 Euro in die „Rettung“ der Fassade gesteckt. Er wolle nicht in Zukunft von den Krefelder Bürgern wieder hören: Ach schade, nun ist diese Fassade auch schon weg. „Ich will es nicht für mich haben, sondern für die Stadt erhalten“, sagt Frank Schneewind, der sich am Donnerstag siegessicher gibt: „Wir machen das. Wir rocken das.“ Ziel sei es, die noch gut erhaltene Sandstein-Fassade des ehemaligen Theaters zu demontieren und irgendwie einzulagern.

Es geht den Männern und Frauen darum, ein Stück Krefelder Baugeschichte in die Moderne zu transportieren. Die Fassade war in den 1960er Jahren umgestaltet worden, um sie stilistisch an die Nachbargebäude anzupassen, schreibt die Organisation WirStadt.org. Ein Denkmalschutz sei daher weggefallen. „In Krefeld gibt es bisher leider keinerlei Instrumente des städtebaulichen Denkmalschutzes, die einen Erhalt der identitätsstiftenden Fassade auch ohne Denkmalstatus ermöglichen würden“, so die Initiative weiter in einem Schreiben. Es fehlten in Krefeld „Spielregeln für den Erhalt historischer Bauten und Bauelemente“.

Zur Organisation WirStadt gehört neben Claudia Schmidt, die mit einem Team die „Kulturhistorische städtebauliche Analyse“ der Stadt vorgelegt hat, auch der Designer Florian Funke und der Diplom-Ingenieur Jochen Usinger, der zudem als Mitglied im Gestaltungsbeirat der Stadt arbeitet: „So eine Fassade ist nicht einfach nur beiläufig da. Man muss auch die Materialität, den Naturstein, sehen. Frank Schneewind gehört der Dank, dass er sich dafür einsetzt. Die Sicherung ist auch eine Wertschätzung“, sagt Usinger.

Schneewind bezeichnet sich als „Ur-Krefelder.“ Der Mann aus Inrath, der den Abbau finanziert, hatte sich nach eigener Aussage schon vor zwölf Jahren mit dem damaligen Investor Peek & Cloppenburg ausgetauscht wegen der Fassade des ehemaligen Theaters. Auch mit dem neuen Investor aus Frankfurt habe er sich arrangieren wollen. Dann aber sei er vom bevorstehenden Abrissbeginn überrascht worden. „Geht nicht, gibt’s nicht“ – das sei so ein Motto von ihm, erzählt Frank Schneewind, der nun auf eine kulante Verwaltung und Unterstützung aus der Bürgerschaft hofft. „Ich brauche jede Hilfe“, sagt er. Doch die Zeit, sie läuft gegen ihn. Und da wäre ja noch die Frage, wer die abgebaute Fassade in Zukunft überhaupt noch einmal aufbauen will.