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Apfelernte in Forstwald schwächer – im Gegensatz zum Bundestrend

Landwirtschaft : Äpfel satt dank Super-Sommer

Ernte in Forstwald ist schwächer als 2017– und damit gegensätzlich zum Bundestrend.

Viel Sonne, kaum Regen – in der Natur hat der lange, trockene Hitzesommer seine Spuren hinterlassen. Den Apfelbäumen allerdings konnte er wenig anhaben: Wie Trauben hingen die Früchte in diesem Jahr an den Bäumen. Deutschlandweit vermelden Obstbauern Rekordernten. Das Statistische Bundesamt schätzt, dass die Apfelernte mit 1,1 Millionen Tonnen 17 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liegt. Eine Jahrhunderternte – wie beim Wein.

Ursprünglich aus Neuseeland wächst jetzt auf Norbert Boekels Plantage in Forstwald nur noch der Braeburn, eine spät reifende Sorte. Wie bei Topaz und Jonagold erwartet der Obstbaumeister vom Oberbenrader Obsthof noch mal eine starke Ernte. Dabei liegt seine Apfel-Ausbeute nicht im bundesweiten Trend. Zwischen 15 und 35 Tonnen pro Hektar – je nach Sorte – haben die Plantagen-Arbeiter diesen Spätsommer von den Bäumen, die auf vier Hektar Obstwiesen an der St. Töniser Straße wachsen, gepflückt. Gut 14 Tage eher als sonst, aber: „Im vergangenen Jahr haben wir 25 Prozent mehr geerntet“, sagt Boekels.

Überrascht sei er darüber nicht. „Der Apfel neigt zur Alternanz“, weiß Boekels und erklärt, was das für die Landwirtschaft bedeutet: „Die Ernte wechselt von Jahr zu Jahr zwischen stärkeren und schwächeren Erträgen.“ Für den Krefelder Obstbauern war das vergangene Jahr ein besonders ertragreiches, während die Ernte „europaweit wegen Spätfrost im April und Mai eher schlecht war“. Sein Erfolgsrezept: eine optimale Frostberegnung. „Als die Temperaturen im Frühjahr nachts unter null Grad gingen, bin ich aufgestanden und habe das Wasser angemacht.“ Über eine Sprenkelanlage wurden die blühenden Apfelbäume auf seinen Obstwiesen mit acht Grad kaltem Wasser benetzt. Auch wenn danach Eiszapfen an den Zweigen hingen, sei das ein guter Frostschutz, weil die wärmere Temperatur des Wassers an die Pflanze abgegeben werde. Boekels sieht darin den Grund für seine Rekordernte 2017.

Sonne ist wichtig –
so wie Regen zur richtigen Zeit

Überhaupt: Die Blütezeit im Frühjahr sei „eine ganz wichtige Zeit, hier werden die Grundvoraussetzungen für die Ernte gelegt“, sagt der Apfel-Experte. Dieser Frühling sei ideal gewesen: „schön warm, kein Spätfrost und wenig Regen“ – optimale Bedingungen für Bienen, um die Apfelblüten zu befruchten. Der Sommer sei wegen Hitze und Trockenheit eine Herausforderung gewesen, sagt Boekels. „Sonne ist gut, wenn man genug Wasser hat.“ In manchen Sommern müsse man die Obstwiesen überhaupt nicht wässern. „Dieses Jahr haben wir jede Woche gewässert, das letzte Mal vor eineinhalb Wochen.“ Der Boden sei noch immer zu trocken – keine gute Voraussetzung für die Bäume, um sich im Winter zu erholen.

Auch Sonne und Hitze haben den Obstbäumen in diesem Sommer zugesetzt. Bei Temperaturen knapp unter 40 Grad hätten die Früchte gelitten. „Auch Äpfel können einen Sonnenbrand bekommen – sie werden dann ganz braun.“ Trotzdem: Sonnenlicht hat natürlich Vorzüge. „Es ist wichtig fürs Wachstum.“ Bei seinen Äpfeln ist Obstbaumeister Boekels Perfektionist: „Jeder Apfel, der gepflückt wird, soll gut sein“, betont er. Sie werden anschließend im Hofladen verkauft.

An den perfekten Apfel hat der Experte Ansprüche: „Er muss eine schöne, rot-gelbe Farbe und gleichmäßige Form haben, fest, knackig und saftig sein.“ Optische Fehltritte machen immerhin einen leckeren Apfelsaft – die leicht säuerliche Rubinette sei dafür besonders gut, findet Boekels. In diesem Jahr hat er nach eigenen Schätzungen „etliche Tausend Liter“ gepresst.